HOME

Nordkorea: Angst vor zweitem Atomtest

Die US-Regierung hat Nordkoreas ersten Atomtest bestätigt. Jetzt wächst vor allem in Japan die Angst vor einem zweiten Atomtest. Amerikanische Spionagesatelliten haben offensichtlich verdächtige Aktivitäten aufgezeichnet.

Nordkorea trifft Medienberichten zufolge möglicherweise Vorbereitungen für einen zweiten Nuklearwaffentest. US-Spionagesatelliten hätten Aktivitäten von Menschen und verdächtig wirkenden Fahrzeugen in der Nähe jenes Gebiets nahe der Stadt P'unggye aufgezeichnet, in dem Nordkorea vor einer Woche einen unterirdischen Atomtest unternommen haben soll, berichteten die US-Sender NBC und ABC übereinstimmend. US-Vertreter hätten angegeben, dass sie sich zwar nicht sicher sein könnten, was genau rund um das Gelände vorginge. Es könne sich ihrer Einschätzung nach aber durchaus um Vorbereitungen für einen weiteren Nukleartest handeln.

USA bestätigt Atomtest

In Seoul sagte ein Vertreter der südkoreanischen Regierung, die Möglichkeit eines weiteren Atomtests könne nicht ausgeschlossen werden. Die Regierung sei sich bewusst, dass es Anzeichen dafür gebe, wonach Nordkorea einen zweiten Test vorbereite. Er fügte aber hinzu, es lägen keine dahingehenden eindeutigen Hinweise vor. Diese Anzeichen könnten auch Teil "normaler militärischer Aktivitäten sein", die nicht mit der Vorbereitung auf einen Atomtest im Zusammenhang stünden, berichtet die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Regierungssprecher.

Japans Außenminister Taro Aso sagte, er habe von entsprechenden Berichten gehört. "Ich kann aber nicht über Details sprechen", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Die US-Regierung hatte erst am Montag bestätigt, dass Nordkorea vor einer Woche tatsächlich einen Atombombentest unternommen hat. In Luftproben, die ein US-Flugzeug zwei Tage nach dem Test genommen habe, sei Radioaktivität nachgewiesen worden, teilte das Büro des Nationalen Geheimdienstdirektors John Negroponte mit. Die Sprengkraft habe bei weniger als einer Kilotonne TNT gelegen, hieß es.

Nordkorea müsse Preis zahlen

US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, die beschlossenen UN-Sanktionen gegen Nordkorea entschieden umzusetzen. Jeder Staat müsse bei der Einhaltung der Strafmaßnahmen mitwirken, sagte sie. Nordkorea müsse den Preis dafür bezahlen, dass es vor einer Woche einen unterirdischen Atomtest unternommen habe.

"Nordkorea kann nicht die Welt bedrohen und dann denken, es gebe danach ein "business as usual"." Alle asiatischen Staaten müssten die Sanktionsbeschlüsse des UN-Sicherheitsrats mittragen und ihren Anteil an den notwendigen Maßnahmen übernehmen, sagte Rice. Eine harte und schnelle Antwort der internationalen Gemeinschaft auf den Atombombentest sei zwar die einzig mögliche Reaktion; allerdings bleibe der Weg zu Gesprächen mit Nordkorea weiter offen.

Rice bricht am Dienstag zu einer Reise nach Japan, Südkorea, China und Russland auf, wobei sie nach Wegen suchen will, die am Wochenende beschlossene Resolution gegen Nordkorea in die Tat umzusetzen. Die Resolution des UN-Sicherheitsrates sieht unter anderem ein Verbot von Lieferungen schwerer Waffen nach Nordkorea vor.

Finanzielle Isolation

Angesichts verbreiteter Zweifel in Washington an der Wirksamkeit internationaler Sanktionen will die US-Regierung der "New York Times" zufolge Nordkorea und auch den Iran mit eigenen Mitteln zusätzlich finanziell isolieren. Um den Zugang dieser Länder zum internationalen Finanzsystem zu erschweren, wolle sich die US-Regierung "einer Mischung aus versteckten Drohungen und deutlichen Maßnahmen" bedienen, so die Zeitung am Montag.

Einige Filialen der Bank of China stoppten derweil japanischen Medienberichten zufolge Überweisungen nach Nordkorea. Der Schritt stehe im Zusammenhang mit den internationalen Sanktionen, zitierte die Tageszeitung "Asahi Shimbun" einen Bankvertreter. Ein Sprecher der Bank of China sagte jedoch, ihm lägen keine entsprechenden Informationen vor. Auch habe er die Berichte nicht gelesen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters