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Nordkorea: Clinton bringt Journalistinnen nach Hause

In offizieller Mission war der frühere US-Präsident Bill Clinton angeblich nicht unterwegs, Erfolg hatte er dennoch. Clinton und die beiden von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il begnadigten US-Reporterinnen landeteb an Bord einer Sondermaschine in Los Angeles. Die Begnadigung war wohl schon vor Beginn der Visite verabredet worden.

Nach dem überraschenden Besuch des früheren US-Präsidenten Bill Clinton in Pjöngjang hat Nordkorea Laura Ling und Euna Lee, die beiden inhaftierten amerikanischen Journalistinnen, begnadigt. Staatschef Kim Jong Il habe einer Bitte Clintons entsprochen und die Freilassung der beiden Frauen angeordnet, meldete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA.

Clinton war zuvor am Dienstag als erster hochrangiger US-Politiker seit neun Jahren mit Kim zusammengetroffen. Am Mittwochmorgen (Ortszeit) verließ er mit den beiden Reporterinnen an Bord einer Sondermaschine das Land. Nach der Landung in Los Angeles berichtete Laura Ling von der Freilassung. "Noch vor 30 Stunden waren wir Gefangene in Nordkorea", sagte sie. Dann seien zu einem Treffen zitiert worden. "Als wir den Raum betraten, sahen wir Bill Clinton. Da wussten wir in unserem Herzen, dass unser Alptraum ein Ende findet", sagte die junge Frau unter Tränen. "Die letzten 140 Tage waren die schwierigsten in unserem Leben." Euna Lee wurde von ihrem Ehemann begrüßt und drückte ihre vierjährige Tochter lange an sich.

Freilassung offenbar schon abgesprochen

Offenbar hatte Nordkorea die Freilassung bereits vor der Reise des Ex-Präsidenten zugesagt. Den Familien der beiden Frauen sei im Juli signalisiert worden, dass das kommunistische Land einen Besuch Clintons zu Verhandlungen wünsche, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter am Dienstag in Washington. Der Ehemann von Außenministerin Hillary Clinton habe die Reise aber erst nach der Zusage einer Freilassung angetreten. Demnach war Nordkorea auch damit einverstanden, den Fall nicht mit dem Konflikt um sein Atomprogramm zu verknüpfen.

Laura Ling und Euna Lee waren im März im Grenzgebiet zu China festgenommen und im Juni zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt worden - unter anderem wegen illegaler Einreise. Ling und Lee waren für Current TV im Einsatz, ein Fernsehangebot, das vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore mitgegründet wurde. Clinton habe "höflich" eine mündliche Botschaft von US-Präsident Barack Obama übermittelt, hieß es am Dienstag in einer Meldung der Nachrichtenagentur KCNA. Kim habe sich dafür bedankt. Bei dem Gespräch habe es einen "weitreichenden Meinungsaustausch" gegeben. Washington betonte zwar, dass Clintons Reise rein privater Natur gewesen sei, das nun erzielte Ergebniss dürfte allerdings ganz im Sinne der Regierung Obama sein, der bekanntlich auch Clintons Ehefrau Hillary angehört - und zwar als Außenministerin.

Empfang mit Blumen

Bei der Ankunft auf dem Flughafen von Pjöngjang wurde Clinton von Vizeaußenminister Kim Kye Gwan und einem ranghohen Vertreter des Parlaments begrüßt. Sogar Blumen gab es für den Gast aus Washington. Ein Mädchen überreichte dem lächelnden Besucher einen Strauß, wie Aufnahmen der Fernsehnachrichtenagentur APTN vom Flughafen zeigen. Clinton ist in Nordkorea in guter Erinnerung, da das Verhältnis zu den USA in seiner Regierungszeit vergleichsweise entspannt war. Der ungewöhnlich warme Empfang kommt in einer Zeit zunehmender Spannungen zwischen beiden Staaten, da das kommunistische Nordkorea seine Atom- und Raketenrüstung forciert. Kim Kye Gwan ist auch Chefunterhändler im Atomstreit mit der internationalen Gemeinschaft.

Der letzte ranghohe Gast aus Washington, der mit Kim Jong Il zusammentraf, war im Jahr 2000 die damalige Außenministerin Madeleine Albright. 2001 begann mit dem Amtsantritt von George W. Bush im Weißen Haus die bis jetzt andauernde Eiszeit. Nach dem Amtsantritt von Obama hat Nordkorea verstärkt sein Interesse an direkten Verhandlungen mit den USA bekundet. Das Verhältnis wurde aber durch die jüngsten Atom- und Raketentests belastet. Außenministerin Hillary Clinton verglich das Regime in Pjöngjang unlängst mit einem kleinen Kind, das auf sich aufmerksam machen wolle. Daraufhin erklärte das nordkoreanische Außenministerium, die Ministerin sei eine "komische Dame", die die elementare Etikette der internationalen Gemeinschaft nicht kenne. Manchmal wirke sie wie ein kleines Schulmädchen.

Die USA und Nordkorea unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Im Bemühen um die Freilassung der beiden Journalistinnen war Ex-Präsident Clinton immer wieder als möglicher Unterhändler im Gespräch, ebenso wie sein ehemaliger Vizepräsident Gore.

AP / AP