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Nordkorea: Schwerverletzte warten vergeblich auf Hilfe

Fünf Tage nach der Bahnkatastrophe warten die 350 teils schwer Verletzten immer noch auf medizinische Hilfsgüter. "Ihre traurige Situation hat sich nicht verändert."

Fünf Tage nach der Bahnkatastrophe in Nordkorea warten die Schwerverletzten weiter vergeblich auf dringend benötigte medizinische Hilfe. Ihre "traurige" Lage in den Krankenhäusern ohne Medikamente und angemesse Behandlung habe sich bislang nicht geändert, schilderte der Regionaldirektor des Welternährungsprogramms (WFP) für Asien, Tony Banbury, nach der Rückkehr von Besuchen in einem Hospital und im Unglücksort Ryongchon am Dienstag in Peking.

Nur "rudimentäre Behandlung"

Benötigte Medikamente, Verbandsstoffe, Infusionsmittel und andere medizinische Hilfsgüter hätten die 350 teils schwer Verletzten in der Grenzstadt Sinuiju bis Dienstag nicht erreicht. Seit seinem Besuch am Sonntag in dem größten Hospital, wo die Patienten nur "rudimentäre Behandlung" fänden, "hat sich die Situation nicht verändert", berichtete Banbury unter Hinweis auf Informationen eines Mitarbeiters, der das Krankenhaus am Dienstag erneut besucht habe.

Nach diesen Angaben haben Krankenhäuser direkt nach der Katastrophe zunächst mehr als 500 Verletzte aufgenommen, von denen am Dienstag noch 350 in den Hospitälern lagen. Durch die verheerende Explosion bei dem Rangierunglück am Donnerstag hätten sie schwere Gesichts- und Augenverletzungen, Verbrennungen unter anderem durch Chemikalien, aber auch Brüche erlitten. Opfer hätten zudem Gliedmaßen verloren. Mindestens 161 Menschen sind ums Leben gekommen.

"Wir haben nur zwei Infusionsflaschen gesehen"

Außer mit Verbänden und Salben würden die Schwerverletzten kaum behandelt. «Wir haben nur zwei Infusionsflaschen gesehen», berichtete Banbury. Es habe keine nennenswerten medizinischen Geräte in dem besuchten Provinzhospital gegeben, das nach Einschätzung von Beobachtern schon zu den besser ausgestatteten Krankenhäusern in Nordkorea gehören dürfte. Es bestehe die Gefahr schwerer Infektionen, wenn die Schwerverletzten nicht behandelt würden, warnte Banbury.

Deutschland stellt 100 000 Euro Soforthilfe bereit

Hilfe aus Deutschland versprach das Entwicklungsministerium, dass 100 000 Euro Soforthilfe bereitstellt. Damit würden Nahrungsmittellieferungen finanziert, die über die Deutsche Welthungerhilfe zu den Menschen gelangen, teilte das Ministerium am Dienstag in Berlin mit. Zudem soll Baumaterial zur Verfügung gestellt werden. "Die Menschen in Ryongchon sind durch das fürchterliche Zugunglück schwer getroffen worden. Wir müssen alles tun, um ihnen zu helfen", erklärte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD).

DPA / DPA
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