OSTERN Erschöpfer Papst feiert Ostermesse


Trotz Krankheit und Schwäche hat Papst Johannes Paul II. die Ostermesse gefeiert. In seiner Osterbotschaft in Rom rief er zum Frieden im Nahen Osten auf.

Papst ruft zum Frieden in Nahost auf

Trotz Krankheit und Schwäche hat Papst Johannes Paul II. am Sonntag die Ostermesse gefeiert. In seiner Osterbotschaft in Rom rief er zum Frieden im Nahen Osten auf. Eindringlich und mit vergleichsweise fester Stimme ermahnte er die internationale Gemeinschaft, sie dürfe dem Blutvergießen in der Region nicht länger untätig zusehen. »Es scheint, als sei dem Frieden der Krieg erklärt worden«, rief er den rund 100 000 Gläubigen auf dem Petersplatz zu. Anschließend spendete er in 62 Sprachen den Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis).

»Niemand darf schweigen und untätig bleiben, keiner, der in Politik oder Religion Verantwortung trägt! Den Klagen müssen konkrete Akte der Solidarität folgen, die allen helfen sollen, zur gegenseitigen Achtung und zu ehrlichen Verhandlungen zurückzufinden.« Der 81 Jahre alte Kirchenführer verlas die Osterbotschaft im Sitzen. Die Zeremonie wurde vom Fernsehen live in über 50 Länder übertragen.

Eine »tragische Spirale der Übergriffe und des Mordes (...) durchzieht wieder einmal das in Schrecken und Hoffnungslosigkeit verfallene Heilige Land mit Blut«, sagte der Papst. Er verwies auch auf die Not nach dem schweren Erdbeben in Afghanistan. »Aus wie vielen Winkeln der Erde ertönt der Schrei derer, die Hilfe erflehen, weil sie leiden und sterben.«

Osterfeiern waren Strapaze für den Papst

Während Johannes Paul bei der nächtlichen Osterwache zeitweise einen hinfälligen Eindruck gemacht hatte, wirkte er am Sonntag gesundheitlich vergleichsweise stabil. Den Segen sprach er auch auf Deutsch: »Euch allen ein gesegnetes Osterfest! Der Frieden und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch!« Auf dem mit Blumen geschmückten Petersplatz war eigens ein Altar erreichtet worden, den der stark gehbehinderte Johannes Paul leicht erreichen konnte.

Die viertätigen Osterfeiern waren eine Strapaze für den Papst, der derzeit an einer schmerzhaften Arthrose im rechten Knie sowie an der Parkinson Krankheit leidet. Die römische Zeitung »Il Messaggero« berichtete, Johannes Paul solle wahrscheinlich noch in dieser Woche am Knie operiert werden. Der Eingriff solle mit örtlicher Betäubung gemacht werden; nach Angaben des italienischen Fernsehens dementierte der Vatikan dies jedoch.

Zugleich halten sich in Rom hartnäckig Berichte, wonach der Kirchenführer demnächst in einen Rollstuhl müsse. Berichte, wonach Kurienkardinäle ihm den Rücktritt nahe legen, wies der Vatikan offiziell zurück. Ein freiwilliger Rückzug aus dem Amt ist zwar laut Kirchenrecht möglich, die 2000-jährige Kirchengeschichte kennt aber nur einen einzigen solchen Fall. Wegen seiner Schwäche musste der Papst auch am Karfreitag auf den traditionellen Kreuzweg um das römische Kolosseum verzichten.


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