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Pakistan: Verhaftungen stiften Verwirrung

Großrazzien in Pakistan haben zur Verhaftung von 200 Extremisten geführt. Doch Minister und Polizeioffiziere widersprechen einander, ob ein Zusammenhang mit den Londoner Anschlägen besteht.

Bei landesweiten Großrazzien in Pakistan haben Sicherheitskräfte nach Angaben der Regierung rund 200 mutmaßliche muslimische Extremisten festgenommen. Innenminister Aftab Ahmed Khan Sherpao schloss am Mittwoch einen Zusammenhang mit den Anschlägen von London aus. "Das Vorgehen gegen Extremisten hat nichts mit den Londoner Bombenanschlägen zu tun", sagte Sherpao nach einem Treffen mit Polizei- und Geheimdienstoffizieren. Er sprach von einer internen Angelegenheit Pakistans. Am Dienstagabend und am Mittwoch stürmte die Polizei in mehreren Städten Moscheen und Koranschulen.

Ein "hochrangiger Sicherheitsbeamter" sagte der britischen BBC dagegen, eines der Ziele der Razzien sei, mehr über die Hintergründe der Pakistan-Reisen von zwei der Selbstmordattentäter von London im vergangenen Jahr herauszufinden. Die pakistanische Regierung dementierte Berichte, wonach einer der Festgenommenen ein britischer Muslim sei, der im Zusammenhang mit den Anschlägen von London gesucht würde. Informationsminister Sheikh Rashid Ahmed sagte der BBC: "Die festgenommene Person ist nicht der al-Kaida-Verdächtige."

Religiöse Führer unter Beobachtung

In den Provinzen Punjab und Sindh sowie in der Hauptstadt Islamabad stürmte die Polizei Moscheen und Koranschulen. Dort ebenso wie in der Stadt Quetta wurden den Angaben zufolge zahlreiche Menschen festgenommen. In Islamabad sei es anschließend zu Demonstrationen gekommen, berichtete die Zeitung "Dawn". Aus dem Innenministerium in Islamabad hieß es, prominente religiöse Führer mit Kontakten zu militanten Gruppen seien unter Beobachtung gestellt worden. Weitere Razzien wurden erwartet. Funktionäre religiöser Parteien und von Koranschulen verurteilten die Festnahmen.

Bereits vor den jüngsten Razzien waren in den Städten Lahore, Karachi and Faisalabad rund 25 mutmaßliche muslimische Extremisten festgenommen worden. Diese Städte waren von zwei der vier Attentäter von London besucht worden. Nach den Londoner Attentaten vom 7. Juli mit 56 Toten und etwa 700 Verletzten hatte der pakistanische Präsident Pervez Musharraf ein hartes Durchgreifen gegen Extremisten angeordnet. Drei der vier Attentäter waren pakistanischer Herkunft und im vergangenen Jahr in Pakistan gewesen. Mindestens einer davon soll in der Stadt Lahore eine radikale Koranschule besucht haben.

Musharraf wollte sich vermutlich am Donnerstag in einer Ansprache an die Nation wenden. Der Militärmachthaber hatte sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 im Kampf gegen den Terrorismus an die Seite der USA gestellt. Zuvor hatte Islamabad das radikalislamische Taliban-Regime in Afghanistan unterstützt.

DPA / DPA