Pakistan Wo Terroristen ihr Handwerk lernen


Die pakistanische Regierung bestreitet es immer wieder. Doch westliche Geheimdienste sind fest davon überzeugt: Islamistische Terroristen lernen ihr Handwerk in pakistanischen Trainingslagern.

Gebetsmühlenartig wiederholt die Sprecherin des pakistanischen Außenministeriums nach der Anti-Terroroperation in Deutschland, was sie nach Anschlägen in Europa immer häufiger sagen muss. "Hier gibt es keine terroristischen Trainingslager, weder von al Kaida noch von sonst jemanden", erklärt Tasnim Aslam.

Doch westliche Geheimdienste und allen voran die Amerikaner sind fest davon überzeugt, dass die unzugänglichen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan ein Rückzugsgebiet für al Kaida und eine Brutstätte des internationalen Terrorismus sind.

Kampferprobt und sprengstofferfahren

Der pakistanische Terrorismus-Experte Ismaeel Khan erklärte, die meisten Trainingslager seien in Nord- und Südwaziristan, wohin sich die radikalislamischen Taliban und die Kämpfer des Terrornetzes al Kaida nach dem US-Angriff auf Afghanistan Ende 2001 zurückgezogen hätten. Auch radikale Islamisten aus Tschetschenien, Tadschikistan und anderen Teilen Zentralasiens würden hier Zuflucht suchen.

Diese islamistischen Kämpfer sind nach Ansicht Khans und anderer Experten gut trainiert, kampferprobt und erfahren im Umgang mit Sprengstoff. Viele von ihnen seien in den 80er Jahren von den pakistanischen und amerikanischen Geheimdiensten im Kampf gegen die Sowjettruppen in Afghanistan trainiert worden. "Dieses Wissen geben sie nun an die nächste Generation der islamistischen Kämpfer weiter", sagte Khan.

Terror-Lehrlinge profitieren von pakistanischer Grenzpolitik

Die Regierung in Islamabad hat zum Missfallen der USA eine Art Burgfrieden mit den Stammesführern in dem Grenzgebiet geschlossen und greift dort deshalb nur selten ein. Die Grenzposten in der Region stehen auf verlorenem Posten und bemühen sich verzweifelt, den Fluss militanter Kämpfer und mutmaßlicher Terroristen aus den Nachbarländern aufzuhalten. "Wir fangen pro Woche etwa ein Dutzend von ihnen ab", sagt ein Grenzbeamter, der nicht genannt werden will. "Wahrscheinlich kommen viele andere unbemerkt durch", sagt er. Die festgenommenen mutmaßlichen Terror-Lehrlinge werden nach seinen Angaben dann den pakistanischen Geheimdiensten übergeben.

Radikale Islamisten aus westlichen Ländern hätten meist ein oder zwei Routen, die sie nach Pakistan oder zum Kampf gegen die westlichen Truppen nach Afghanistan führten, erklärt der Grenzbeamte: Von Osteuropa aus ginge es nach Russland über Zentralasien nach Nordpakistan. Andere würden über die Türkei in den Iran reisen und vorn dort die Grenze zur südpakistanischen Provinz Belutschistan überqueren. Dieselben Routen würden gewählt, um Waffen und anderes Material in den Westen zu schmuggeln.

Nick Allen/DPA DPA

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