Pinochet-Enkel Nach Trauerfeier gefeuert


Ein Pinochet-Enkel sorgte beim Begräbnis des Ex-Dikatators für einen Eklat: Er verteidigte den Miliärputsch von 1973 und kritisierte die Strafverfolgung seines Großvaters. Die Konsequenz folgte sofort, er wurde aus der Armee entlassen.

Ein Enkel des chilenischen Ex-Diktators Augusto Pinochet ist Armeekreisen zufolge wegen seiner Rede bei der Trauerfeier für den Politiker aus der Armee entlassen worden. "Es stimmt, es ist heute passiert", hieß es in den Kreisen, nachdem das staatliche Fernsehen von der Bestrafung berichtet hatte. Staatspräsidentin Michelle Bachelet hatte zuvor ebenso wie die Armee dem jüngeren Pinochet, der wie sein Großvater Augusto heißt und Hauptmann der Armee war, ein "schwerwiegendes Disziplinarvergehen" vorgeworfen.

Der Enkel hatte bei der Feier am Vortag den Putsch von 1973 verteidigt und die Bemühungen der Justiz um eine Strafverfolgung des Ex-Diktators kritisiert. Den Richtern sei es nicht um das Recht gegangen, sondern darum, sich einen Namen zu machen. Als Armeeangehöriger ist es Pinochet junior verboten, sich öffentlich politisch zu äußern.

Schmerzen der chilenischen Geschichte

Vier Tage nach dem Tod Pinochets hielten die Debatten über dessen Erbe unvermindert an. Präsidentin Bachelet bezeichnete den Ex-Diktator in ihren ersten öffentlichen Äußerungen zu dessen Tod als Symbol einer Ära der Spaltung, des Hasses und der Gewalt. Bachelet rief die politischen Lager zur Versöhnung auf, sagte aber auch, die Schmerzen der chilenischen Geschichte würden noch lange andauern.

Die Polizei bestätigte, dass ein Enkel des 1974 ermordeten bekannten Pinochet-Gegners Carlos Prats kurzzeitig festgenommen worden sei, weil er auf den Sarg des Toten gespuckt habe. Insgesamt seien wegen Vorfällen im Zusammenhang mit dem Tod Pinochets 145 Menschen festgenommen worden. 47 Polizisten und 18 Zivilisten hätten bei Zusammenstößen Verletzungen erlitten.

Pinochet war am Sonntag im Alter von 91 Jahren gestorben. Mit seinem von den USA unterstützten Putsch hatte er den gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende gestürzt. Während seiner bis 1990 dauernden Diktatur ermordeten Armee und Geheimpolizei etwa 3000 Oppositionelle und folterten fast 30.000 Menschen.

Reuters Reuters

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