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Presseschau zu Ägypten Ein Land am Scheideweg

Die Proteste der Ägypter für mehr Demokratie dominieren auch in Europa die Schlagzeilen der Tagespresse. Lesen Sie hier einige Kommentare.

Beugt sich der ägyptische Präsident Mubarak dem Druck der Straße und dankt ab? Oder lässt er die Demonstrationen für mehr Demokratie mit harter Hand zerschlagen? In der europäischen Presse wird kräftig über die Zukunft Ägyptens spekuliert. Hoffnung und Angst liegen nah beieinander.

Italien: "La Repubblica"

Die linksliberale römische Tageszeitung "La Repubblica" blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. In Ägypten sieht der Kommentator eine historische Chance am Werk, die genutzt werden sollte:

"Es geht darum, in dem strategisch wichtigsten arabischen Land jenen Teufelskreis des Elends, der Frustration, des Polizei-Regimes und des Terrorismus zu durchbrechen, der Nordafrika und den Nahen Osten bis hin zum Golf und darüber hinaus destabilisiert. Der Erfolg der Revolution würde den Übergang zu einem "normalen" Ägypten einleiten, mit einer vom Volk legitimierten politischen Macht."

Polen: "Gazeta Wyborcza"

Polens "Gazeta Wyborcza" schätzt die Situation pessimistischer ein. Der ägyptische Präsidenten Husni Mubarak habe keine schlechten Chancen, sich trotz aller Proteste an der Macht zu halten.

"Die Ernennung von (Geheimdienstchef) Omar Suleiman (zum Vize-Präsidenten) war ein hervorragender Schachzug des schlauen Fuchses Mubarak. Omar wird ihm die Loyalität der Geheimdienste und der Armee sichern. Dafür wird Omar wahrscheinlich Mubaraks Nachfolger statt des von der Armee ungeliebten und nicht geschätzten Sohnes des Präsidenten."

Frankreich: "Figaro"

Der Pariser "Figaro" beschäftigt sich mit der Haltung der internationalen Gemeinschaft angesichts der explosiven Lage in Ägypten:

"Auch wenn sie jeden Anschein einer Einmischung bestreiten - die westlichen Hauptstädte wünschen einen Übergang (...) ordentlich natürlich, so dass die Stabilität Ägyptens und das zerbrechliche regionale Gleichgewicht erhalten bleiben können. Dies setzt voraus, dass die Armee eine zentrale Rolle spielt und gemäß ihrer historischen Berufung die Fortdauer des Staates garantiert. Dies bedeutet aber auch, dass das Verbleiben von Husni Mubarak, dem strategischen Verbündeten des Westens im Mittleren Osten, an der Macht keine Priorität mehr sein kann."

Ungarn: "Magyar Nemzet"

Die ungarische Tageszeitung "Magyar Nemzet" kann sich ein Ägypten ohne Mubarak gut vorstellen. In Friedensnobelpreisträger El-Baradei sieht der Kommentator die Schlüsselfigur eines geordneten Übergangs:

"Falls Mubarak gehen muss, dann wird viel eher (als die Muslimbruderschaft) der westlich orientierte El-Baradei sein Nachfolger. Seine Aufgabe wird es sein, im Ägyptischen Museum die Reste der Mumien auf dem Marmor zusammenzukehren, dem Volk und der Prätorianern Brot zu geben, richtige demokratische Wahlen zu organisieren und die islamistische Opposition mit demokratischen Mitteln kraftlos zu machen."

jwi/DPA/AFP DPA

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