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Aufstand in Ägypten - Live-Ticker ElBaradei verschärft Ton gegen Mubarak


Tag sechs der Massenproteste in Ägypten und kein Ende in Sicht: Die Stimmung in dem arabischen Land bleibt hochexplosiv. Verfolgen Sie die Lage im Live-Ticker.

19:13 - ElBaradei: Rückzug Mubaraks ist unausweichlich

Unter dem Jubel tausender Demonstranten im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt Kairo hat der Oppositionspolitiker Mohamed ElBaradei den Ton gegen Ägyptens Staatschef Husni Mubarak weiter verschärft. Das Land stehe "am Beginn einer neuen Ära", rief der Friedensnobelpreisträger der Menge am Sonntagabend auf dem zentralen Tahrir-Platz zu. "Seid ganz ruhig, der Wandel kommt", fügt er an. "Wir sind auf dem richtigen Weg, unsere Anzahl ist unsere Stärke." Der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde bezeichnete einen Rückzug des Staatschefs als unausweichlich. Er forderte zugleich die USA auf, mit Mubarak zu brechen.

19:03 - Merkel drängt Mubarak zu Reformen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in einem Telefonat den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zu einer gewaltfreien Lösung des Konflikts aufgefordert. In dem "ausführlichen" Gespräch am Sonntag habe Merkel erneut darauf gedrungen, dass die ägyptischen Sicherheitskräfte keine Gewalt ausüben, sagte ein Sprecher der Bundesregierung. Merkel habe zudem verlangt, dass die Demonstrations- sowie die Informationsfreiheit in Ägypten gewährt werde. Die von Mubarak ernannte Regierung müsse die angekündigten Reformen angehen

18:46 - Westerwelle warnt vor Stärkung islamistischer Kräfte

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat angesichts der Gewalt gegen die Demonstranten in Ägypten vor einem wachsenden Einfluss von extremistischen und islamistischen Kräften in dem Land gewarnt. Mit Gewalt auf die "Sehnsucht nach Freiheit" der Menschen zu reagieren, sei "auch vor dem Hintergrund gefährlich, dass man natürlich diesen berechtigten Freiheitswillen dadurch auch leicht umschalten lässt in Radikalität", sagte Westerwelle am Sonntagabend im ARD-Fernsehen. "Und das könnte dann auch vor allen Dingen den Extremisten und den Islamisten in die Hände spielen."

17:00 - Auswärtiges Amt verschärft Sicherheitshinweise

Das Auswärtige Amt hat seine Sicherheitshinweise für Reisen nach Ägypten verschärft. Das Ministerium "rät jedem Reisenden, sorgfältig zu prüfen, ob er seine Reise nach Ägypten unter den gegenwärtigen Umständen antreten will", heißt es in den am Sonntag aktualisierten Hinweisen auf der Internetseite des Auswärtigen Amts. Man halte zudem engen Kontakt zu den deutschen Fluggesellschaften "mit der Bitte um Prüfung, welche zusätzlichen Kapazitäten für Linienflüge aus Kairo bereitgestellt werden können".

17:38 - ElBaradei schließt sich trotz Hausarrest Demonstration an

Der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei hat sich ungeachtet eines Hausarrests einer Demonstration gegen das Regime von Präsident Husni Mubarak angeschlossen. ElBaradei - der ein Hoffnungsträger der Opposition ist - wolle sich in einer Rede an die Menge auf dem Tahrir-Platz wenden, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija weiter. Dort ist er anderen Berichten zufolge bereits eingetroffen. Mehrere tausend Demonstranten haben sich auf dem Platz versammelt. "Wir werden unsere Seele und unser Blut für das Vaterland opfern", skandierten sie.

16:58 - ElBaradei fordert Regierung der nationalen Einheit

Der in Kairo unter Hausarrest stehende Friedensnobelpreisträger Mohammed el Baradei hat die sofortige Bildung einer Regierung der nationalen Einheit gefordert. "Ägypten steht in Flammen. Das Land fällt auseinander. Überall wird geplündert", sagte der Hoffnungsträger der ägyptischen Opposition in einem Interview des Senders CNN. Die Armee sei nicht in der Lage, alles unter Kontrolle zu bringen. "Was wir jetzt brauchen ist eine Regierung der nationalen Einheit."

Gleichzeitig forderte ElBaradei den Rücktritt von Präsident Husni Mubarak. "Er muss das Land verlassen, in den nächsten drei oder vier Tagen." Ägypten brauche eine "drastische Veränderung, von einer Diktatur hin zu einer Demokratie".

16:45 - Ägyptens Elite auf der Flucht

Wegen des Chaos' und der Gewalt fliehen immer mehr Bürger der ägyptischen Oberschicht aus dem Land. Am Sonntag seien bis zum Beginn der Ausgangssperre (16 Uhr Ortszeit) erneut 45 Privatflugzeuge vom Flughafen Kairo gestartet, mit denen Unternehmer, Diplomaten und Künstler sowie ihre Familien ausflogen, verlautete aus der Flughafenverwaltung. Am Vortag waren 19 private Flüge gestartet. In einem Sonderterminal für nichtkommerzielle Flüge warteten am Sonntag weitere Gäste. In dem Terminal werden Passagiere abgefertigt, die mit Privatflugzeugen oder kleinen, privat gemieteten Chartermaschine starten.

15:50 - Clinton ruft zum "Dialog" in Ägypten auf

US-Außenministerin Hillary Clinton hat in Fernseh-Talkshows erneut zum "nationalen Dialog" und zur Gewaltlosigkeit in Ägypten aufgerufen. Wie schon zuvor vermied sie es, zu Forderungen der Demonstranten nach einem Rücktritt Mubaraks Stellung zu nehmen. Sie bekräftigte die US-Position, dass die Gestaltung der Zukunft des Landes Sache des ägyptischen Volkes sei.

15:23 - Armee demonstriert Stärke

Das Militär lässt die Muskeln spielen: Die ägyptische Luftwaffe hat mehrfach Kampfjets im Tiefflug über Kairo fliegen lassen. Die Maschinen donnerten über die Hauptstadt, während im Zentrum mehrere tausend Demonstranten erneut den Rücktritt von Staatschef Husni Mubarak forderten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

15:06 - Muslimbruderschaft: ElBaradei soll vermitteln

Nach dem Willen der größten ägyptischen Oppositionsgruppe, der Muslimbruderschaft, soll der Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei mit der politischen Führung verhandeln. Auch andere Oppositionsvertreter hätten sich mit dem früheren Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) als Verhandlungsführer einverstanden erklärt, teilte ein Führungsmitglied der Bruderschaft mit. Gleichzeitig lehnten die Muslimbrüder die von Mubarak am Samstag neu eingesetzten Politiker auf Schlüsselpositionen des Landes ab.

13:32 - Neue Anti-Mubarak-Proteste in Kairo

Gegner Mubaraks haben sich am sechsten Tag der Proteste gegen sein Regime wieder im Zentrum von Kairo versammelt. Am Nachmittag kamen wieder mehrere tausend Menschen auf dem zentralen Tahrir-Platz zusammen und forderten den Rückzug der politischen Führung. "Das Volk will den Sturz des Regimes", skandierten die Demonstranten bei Protestmärschen durch die Innenstadt.

Während sich die Polizei weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückzog, zeigte die Armee mehr Präsenz. Sie riegelte das Zentrum der Hauptstadt mit Sturmpanzern ab, machte aber ansonsten keine Anstalten, gegen die Demonstranten vorzugehen.

13:23 - Krise schickt arabische Börsen auf Talfahrt

Die Unruhen in Ägypten haben an den Börsen der Golfstaaten heftige Kurseinbrüche verursacht. Besonders die Sorgen ausländischer Anleger, dass sich die Protestwelle in der Region ausweiten könnte, drückten die Kurse ins Minus. Die Investoren würden wahllos verkaufen - ungeachtet dessen, ob die Unternehmen Geschäfte in Ägypten machten oder nicht, sagte eine Analyst. An der Spitze der Talfahrt der arabischen Börsen lag der Index in Dubai mit einem Fall von 4,3 Prozent. Er erreichte damit den tiefsten Stand des vergangenen halben Jahres.

13:19 - Lufthansa setzt Zusatzflug nach Kairo ein

Die Lufthansa wird am Montag einen zusätzlichen Flug von Kairo nach Frankfurt anbieten. Parallel zu einem regulären Linienflug werde eine weitere Maschine eingesetzt, sagte ein Unternehmenssprecher. Das Auswärtige Amt habe eine entsprechende Anfrage gestellt. Die beiden Maschinen starten demnach am Montagmorgen gegen 7.45 Uhr in Frankfurt. Nach der Landung in Kairo sollen sie am Nachmittag dort wieder abheben und zurückkehren.

13:08 - Mubarak berät sich mit Militärs

Husni Mubarak ist in einem Hauptquartier der Streitkräfte mit führenden Militärs zusammengetroffen. Das staatliche Fernsehen zeigte den Präsidenten bei der Leitung einer Beratung mit dem am Vortag ernannten Vizepräsidenten Omar Suleiman, dem Verteidigungsminister Mohamed Hussein Tantaui, Generalstabschef Sami al-Anan und weiteren Kommandeuren. Zudem habe Mubarak für einige Regionen neue Gouverneure ernannt, darunter auch für den Sinai, hieß es in dem Bericht weiter.

Die Armee hat wegen der Massenproteste an strategischen Punkten in den Großstädten mit Panzern Stellung bezogen und setzte in der Nacht die Ausgangssperre durch. Soldaten bewachen Banken, Regierungsgebäude und große Kreuzungen. Im Gegensatz zur Polizei genießen die Streitkräfte in der Bevölkerung hohes Ansehen.

12:05 - Immer mehr Tote

Die Zahl der Getöteten ist auf mindestens 150 gestiegen. Neue Tote habe es seit der vergangenen Nacht vor allem in mehreren Gefängnissen außerhalb Kairos gegeben, aus denen Häftlinge ausbrachen, wie mehrere arabische Nachrichtensender berichteten. Dabei wurden auch Brände gelegt, bei denen mehrere Menschen starben.

12:29 - USA wollen ihre Staatsbürger ausfliegen

Angesichts der Unruhen in Ägypten haben die USA und die Türkei am Sonntag Vorbereitungen getroffen, ihre Staatsbürger auszufliegen. Die US-Botschaft in Kairo erklärte, sie habe die Landsleute in Ägypten informiert, dass sich das US-Außenministerium auf Wunsch um Flüge an sichere Orte in Europa kümmere. Demnach sollen die Flüge ab Montag starten.

Die Türkei schickte laut einem Bericht der Nachrichtenagenhtur Anadolu drei Flugzeuge nach Ägypten, um ihre in dem nordafrikanischen Land lebenden Staatsbürger auszufliegen. Demnach sollen zwei Turkish-Airways-Maschinen nach Alexandria und eine nach Kairo fliegen. Die Flugzeuge seien als Ergänzung zu den normalen Linienflügen geschickt worden, die planmäßig verliefen, berichtete Anadolu.

11:45 - Behörden schließen Al-Dschasira

Der arabische Sender Al-Dschasira muss seine Arbeit in Kairo mit sofortiger Wirkung einstellen. Der Sender hatte teils rund um die Uhr über die explosive Lage in Ägypten berichtet. Das ägyptische Informationsministerium entzog dem Sender am Sonntag die Akkreditierung für alle Redakteure und widerrief die Sendelizenz für das Kairoer Büro. Wie der in Dubai ansässige Sender weiter mitteilte, sollte das Büro in Kairo noch im Laufe des Tages geschlossen werden. In einer Erklärung des Senders wurde die Entscheidung der ägyptischen Behörden als "Zensur der Stimme des ägyptischen Volkes" scharf verurteilt. Die Berichterstattung über die Ereignisse in Ägypten würden dennoch fortgesetzt.

11.37 - Ägypten schließt Grenze zu Gaza

Ägypten hat die Grenze zum Gazastreifen bis auf weiteres geschlossen. Repräsentanten der im Gazastreifen herrschenden Hamas teilten mit, sie seien offiziell von ägyptischen Sicherheitskräften über eine Schließung des Rafah-Grenzübergangs informiert worden. Die Grenze könnte tagelang geschlossen bleiben, hieß es.

Die Hamas teilte mit, sie habe zahlreiche zusätzliche Polizeikräfte an der Grenze zu Ägypten positioniert. Damit sollte verhindert werden, dass Palästinenser aus dem Gazastreifen unkontrolliert nach Ägypten gelangen können.

11:15 - Armee rückt in Scharm el Scheich ein

Die ägyptische Armee ist in Teile der Touristenregion Scharm el Scheich am Roten Meer eingerückt. Auch in Al-Arisch im Norden der Sinai-Halbinsel hätten Soldaten Stellung bezogen, berichteten Augenzeugen und Sicherheitskreise auf dem Sinai. Scharm el Scheich ist auch bei vielen deutschen Urlaubern beliebt. Die Lage dort ist bislang weiter ruhig.

10:48 - Flugstopp zwischen Frankfurt und Kairo

Zwei Flüge vom Frankfurter Flughafen nach Kairo sind gestrichen worden. Betroffen sei jeweils ein Flug von Lufthansa und Egypt Air, teilte der Flughafenbetreiber Fraport mit. Auch die Rückflüge fielen entsprechend aus. Ein Sprecher der Lufthansa sagte, ein Flug von München nach Kairo sei am Morgen planmäßig gestartet. Die Maschine solle auch wieder im Laufe des Tages zurückkehren. Am Samstag waren beide Lufthansa-Flüge nach Ägypten ausgefallen.

10:47 - Israel sorgt sich um Stabilität in Nahost

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat erklärt, sein Land wolle den Frieden mit Ägypten und die "regionale Stabilität und Sicherheit" erhalten. Der Frieden mit Ägypten halte seit mehr als drei Jahrzehnten an, und Israel wolle, dass das so bleibe, sagte Netanjahu vor Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung. Israel verfolge die Lage in Ägypten "mit großer Aufmerksamkeit", und er habe darüber mit US-Präsident Barack Obama und US-Außenministerin Hillary Clinton gesprochen.

10:19 - Polizei nimmt 450 Plünderer fest

Die ägyptische Armee hat bei Einsätzen gegen Plünderer bisher 450 Menschen festgenommen. Allein in den Städten Alexandria und Ismailija hätten Soldaten mehr als 250 Kriminelle festgesetzt, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija. Das ägyptische Staatsfernsehen meldete unterdessen, auch aus einem Gefängnis in Wadi al-Natrun nördlich von Kairo seien Tausende Häftlinge entkommen, wie zuvor schon aus anderen Haftanstalten. Die ägyptische Börse und Banken sollen bis auf weiteres geschlossen bleiben.

7.27 - Tausende Häftlinge fliehen aus Gefängnissen

Tausende Häftlinge sind aus den Gefängnissen geflohen. Darunter sind auch Schwerverbrecher und islamistische Extremisten. Nach Informationen des lokalen Fernsehens gelang es allein im Gefängnis Abu Saabel, außerhalb Kairos, ungefähr 6000 Gefangenen die Flucht.

Ein weiterer Gefangenenausbruch wurde aus dem Zentralgefängnis in der Oasenstadt Fajum südlich von Kairo gemeldet. Dort sollen die Häftlinge einen Polizeigeneral getötet und einen weiteren General verschleppt haben.

6:35 - Plünderer zerstören Mumien im Ägyptischen Museum

Plünderer sind ins Ägyptische Museum eingedrungen. Sie hätten zwei Mumien zerstört, berichtete der TV-Sender Arabiya. Das Museum beherbergt neben anderen unwiederbringlichen Artefakten die goldene Maske des Königs Tutenchamun. Ein Archäologe berichtete im Staatsfernsehen, dass Ägypter auf der Straße versucht hätten, das Gebäude durch eine Menschenkette zu schützen. Die Vandalen seien aber von Dach in das Museum gelangt. Zudem wurden Supermärkte, Banken, Juweliere und Regierungsgebäude ausgeplündert. Demonstranten setzten am Samstag zudem die Zentrale der ägyptischen Steuerbehörde in Brand.

5:38 - Lage in Kairo ruhig

Nach den heftigen Protesten der vergangenen Tage hat sich die Lage in der ägyptischen Hauptstadt in der Nacht zum Sonntag nach Medienberichten etwas entspannt. Wie eine Korrespondentin des arabischen Senders Al-Dschasira am Morgen aus Kairo berichtete, sei es in den Straßen des Stadtzentrums ruhig. Zwar hätten trotz der Ausgangssperre noch Demonstranten, die den Rücktritt von Präsident Husni Mubarak fordern, über Nacht auf dem zentralen Tahrir-Platz ausgeharrt. Ihre Zahl sei aber deutlich zurückgegangen.

joe/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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