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Presseschau zu den Streiks in Frankreich: "NZZ" und "La Croix" kritisieren Proteste gegen Rentenreform

Zwischen 1,2 und 3,5 Millionen Menschen sind am Dienstag auf die Straße gegangen, um gegen die geplante Anhebung des Mindestalters für die Rente von 60 auf 62 Jahre zu protestieren.

Frankreichs Bürger stemmen sich gegen die Rentenreform der Regierung Sarkozy. Diese sieht vor, das Mindestalter für den Renteneintritt um zwei Jahre zu erhöhen. Die katholische französische Tageszeitung "La Croix" und die Schweizer "Neue Zürcher Zeitung" sehen die Proteste kritisch.

Französische Tageszeitung "La Croix"

Die katholische französische Tageszeitung "La Croix" kommentiert am Mittwoch die Massenproteste gegen die Rentenreform in Frankreich:

"Dieser Streik am 12. Oktober hatte nichts von dem angekündigten Wendepunkt. Für die Gewerkschaften ist die Fortsetzung unklar. Eine Radikalisierung oder unbegrenzte Fortsetzung der Streiks kann schwerwiegende Folgen für viele Angestellte und für eine angeschlagene Wirtschaft haben. Die Opposition stand zwar auf der Seite der Demonstranten, doch innerhalb der sozialistischen Partei gibt es unterschiedliche Meinungen über die Rentenreform. Es könnte für die Sozialisten möglicherweise von Vorteil sein, wenn die Reform durchkommt. Dann könnten sie die Unzufriedenheit der Franzosen nutzen um im Fall ihres Wahlsieges die Reform abzuändern. Eines ist jedoch allen klar: die Lebensarbeitszeit muss verlängert werden."

Schweizer Tageszeitung "Neue Zürcher Zeitung"

Die in Zürich erscheinende "Neue Zürcher Zeitung" sieht es ähnlich:

"Wie lange der Würgegriff der Gewerkschaften noch anhält, ist offen. Die Aktion könnte in die Verlängerung gehen. Die Front der Gewerkschaften wird durch Umfrageergebnisse gestärkt, wonach 70 Prozent der Franzosen gegen die Reformpläne sind. Wofür sie eintreten, ist indessen unklar. Die Altersvorsorge wird ohne Korrektur mit jedem Jahr defizitärer, einen alternativen Plan gibt es nicht, und am europäischen Ausland will sich in Frankreich offenbar niemand orientieren. Man wähnt sich vielmehr auf einer Insel, auf der das Pensionsalter 60 als Menschenrecht betrachtet wird. Gemäss den Slogans soll "das Kapital" herangezogen werden."

DPA / DPA