HOME
Pressestimmen

Briefbomben-Serie: "Trump ist der Totengräber der freiheitlichen, toleranten Grundwerte der USA"

Eine Briefbomben-Serie erschüttert die USA: Wer tut so etwas und warum? Eine Mitschuld trägt laut Kommentatoren der US-Präsident: Donald Trump habe mit seiner spalterischen Rhetorik den Nährboden für die gesellschaftliche Spaltung bereitet. 

Pressestimmen: Donald Trump und die Briefbomben-Serie

US-Präsident Donald Trump bei einem Wahlkampf-Auftritt in Wisconsin

AFP

Nach dem Versand mehrerer Rohrbomben an bekannte Demokraten und Kritiker von Präsident Donald Trump in den USA läuft die Fahndung nach dem Absender auf Hochtouren (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen). 

In der Presse werden die möglichen Hintergründe der Tat analysiert und kommentiert. Dabei geradezu Konsens: Der US-Präsident trägt eine Mitschuld an den Ereignissen. Die Pressestimmen.

Die Pressestimmen zur Briefbomben-Serie in den USA

"Frankfurter Rundschau""Trump hat die Spaltung der US-Gesellschaft nicht begründet. Aber er hat die Kluft vergrößert. Das ist der Boden, auf dem menschenverachtende Anschläge auf politische Gegner gedeihen. Mit seiner hetzerischen Rhetorik hat Trump den Boden einer zivilisierten Gesellschaft verlassen. Die jetzige Pose des Versöhners steht ihm nicht: Er ist der Totengräber der freiheitlichen, toleranten Grundwerte der USA."

"Neue Zürcher Zeitung": "Selbst Präsident Trump, der dafür bekannt ist, dass er seine politischen Gegner alles andere als mit Samthandschuhen anfasst, forderte in einer ersten Reaktion einen höflicheren Umgang untereinander im politischen Leben. 'Diejenigen, die in der Politik engagiert sind, müssen damit aufhören, ihre politischen Gegner als moralisch angeschlagen zu behandeln', so Trump. Allerdings hat wohl in den letzten Jahren niemand so stark zum vergifteten Klima in der amerikanischen Politik beigetragen wie Präsident Trump selbst. Immer wieder hat er politische Gegner mit äußerst fragwürdigen Worten verunglimpft und dabei Begriffe verwendet, die von radikalen Anhängern durchaus als Aufruf zu physischer Gewalt gegen die betroffenen Politiker verstanden werden konnten."

"Mittelbayerische Zeitung" (Regensburg): "Trump trägt damit einen guten Teil der Verantwortung für das vergiftete Klima in den USA, das den Boden für den Terror bereitet hat. Während seiner Zeit im Weißen Haus tat der Präsident sein Bestes, die ohnehin schon hochpolarisierte Gesellschaft weiter zu spalten. So gesehen war es nur eine Frage der Zeit, wann aus Worten Taten werden."

"Neue Osnabrücker Zeitung": "Gewalt fängt mit der Verrohung der Sprache an. Da hetzen (im Wortsinne) Wort-gewaltige Politiker wie Donald Trump andauernd gegen die Medien als 'Feinde des amerikanischen Volkes' und verschieben so die Grenzen. Das haben einige seiner Anhänger jetzt offenbar als Auftrag verstanden und Briefbomben verschickt. (...) Die Bomben, die an die Clintons und die Obamas, an andere Politiker der Demokraten, den Fernsehsender CNN und den Schauspieler Robert De Niro gegangen sind, waren echt und gefährlich. Die 'New York Times' bringt es auf den Punkt: 'Wir nähern uns dem Tag, an dem auf dem Fußboden einer Redaktion Blut sein wird, das an den Händen des Präsidenten klebt.'"

"Badisches Tagblatt" (Baden-Baden): "Es ist richtig: Trump spaltet die Nation wie keiner vor ihm. Neu ist aber: Nicht er wird bedroht, sondern die Opposition, beziehungsweise seine einstige Kontrahentin und sein Vorgänger sind ins Fadenkreuz geraten. Wer da gerade dabei ist, den republikanischen Heilsbringer vor dem 'Bösen' zu bewahren, ist noch ungewiss. Auf jeden Fall muss er die Macht seines Präsidenten existenziell bedroht sehen. Seine/Ihre Furcht vor der Zeitenwende ist größer als der Optimismus der Opposition, die nächsten Wahlen zu gewinnen."

"Tagesspiegel" (Berlin): "Trump verspottet seine Widersacher, beschimpft seine Gegner, zieht mit Vorliebe gegen die 'Staatsfeinde' und 'Volksverräter' in den 'Fake-News-Medien' vom Leder. Als er sich am Mittwoch von den versuchten Briefbombenanschlägen distanzierte und diese verurteilte, sprach er wenig später erneut von der Notwendigkeit, dass die Medien ihre 'endlosen Feindseligkeiten' und 'oft falschen Attacken' beenden. Sie hätten die Verantwortung, 'einen gemäßigten Ton anzuschlagen'. Die Mahnung gilt indes für alle. Solange der oder die Täter nicht ermittelt wurden, gerät fortgesetzte Krawalllust in den Verdacht, das Verbrechen politisch ausschlachten zu wollen. (...) Manchmal bedarf es großer Geduld, um die richtigen Lehren aus einem Ereignis ziehen zu können."

"Straubinger Tagblatt": "Tatsächlich sind genau die Geister am Werk, die Trump rief. Schon im Wahlkampf, als er, der so gerne angebliche Hetzjagden auf sich beklagt, eine solche gegen seine Kontrahentin veranstaltet hat, setzte er alles daran, das amerikanische Volk zu spalten. Nichts deutet darauf hin, dass der Spuk so bald ein Ende hat. Im Gegenteil: Gut möglich, dass Trump sogar noch eine zweite Amtszeit bekommt. Es fragt sich nur, wer das amerikanische Volk danach wieder versöhnen soll."

fs / DPA / AFP