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Vereitelte Anschläge: Vom Tweet zur Briefbombe - so machte Trump den Hass salonfähig

Nach den abgefangenen Rohrbomben an seine politischen Gegner ruft US-Präsident Donald Trump zur Mäßigung auf. Ausgerechnet er! Denn mit seinen Tweets leistet er dem Hass Vorschub.

US-Präsident Donald Trump hat nach den Briefbomben an seine politischen Gegner dazu aufgerufen, politische Gegner nicht mehr als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln

US-Präsident Donald Trump hat nach den Briefbomben an seine politischen Gegner dazu aufgerufen, politische Gegner nicht mehr als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln

AFP

Die an mehrere Gegner von US-Präsident Donald Trump verschickten Briefbomben schockieren die USA (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen). Nicht wenige Amerikaner geben Trump eine Mitschuld daran wegen seiner spalterischen Rhetorik. Doch Trump sagt: "Diejenigen, die sich in der politischen Arena befinden, müssen damit aufhören, politische Gegner als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln." Dabei ist es Trump selbst, der seit Jahren seinen politischen Gegnern gerne beleidigende Spitznamen verpasst und sich dabei oft schwer im Ton vergreift. So hat er dazu beigetragen, dass die Empfänger der Briefbomben als Hassfiguren der politischen Rechten gelten. Das zeigen auch frühere Tweets gegen Betroffene.

US-Präsident Donald Trump hat nach den Briefbomben an seine politischen Gegner dazu aufgerufen, politische Gegner nicht mehr als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln

US-Präsident Donald Trump hat nach den Briefbomben an seine politischen Gegner dazu aufgerufen, politische Gegner nicht mehr als moralisch fehlerbehaftet zu behandeln

AFP

Ex-Präsident Barack Obama

Seinen Amtsvorgänger Barack Obama kritisiert Trump besonders gerne. Dass man politische Gegner für vermeintliche Fehler verantwortlich macht, gehört zum Geschäft. Trump aber erweckt immer wieder den Eindruck, Obama und dessen Mitarbeiter hätten sich mit Sicherheitsbehörden verschworen, um Trumps Wahlsieg zu verhindern und die "Legende" am Leben zu halten, Russland habe Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahl 2016 genommen.

"Präsident Obama wusste also über Russland schon vor der Wahl bescheid", schreibt Trump im Juli 2018 auf Twitter. "Warum hat er nichts unternommen? Warum hat er unserem Wahlkampf-Team nichts gesagt? Weil es alles eine große Falschmeldung ist, deshalb. Und er dachte, die betrügerische Hillary würde gewinnen!!!"

Auch hier schwingt mit, Obama habe sich im Grunde gegen das amerikanische Volk verschworen.

"Die allerwichtigste Frage unserer Ära: Gab es eine Verschwörung in Obamas Justizministerium und dem FBI, um die Präsidentschaft Trumps zu verhindern und war Strzok im Zentrum der Verschwörung?", zitiert Trump Andrew Napolitano, der für Trumps Haus- und Hofsender Fox juristische Fragen kommentiert. Während im ersten Teil noch die Frage im Raum steht, ob es eine Verschwörung gegeben hat, scheint es im zweiten Teil schon festzustehen. Peter Strzok war der FBI-Gegenspionage-Chef, der Hillary Clintons E-Mail-Affäre untersucht hat.

Hillary Clinton

Noch immer skandieren Trump-Anhänger bei der Erwähnung von Hillary Clinton auf Trumps Wahlkampfveranstaltungen "Sperrt sie ein!". Dass Clinton sich mit der Nutzung ihres privaten E-Mail-Accounts während ihrer Zeit als Außenministerin unter Obama eines Verbrechens schuldig gemacht hat, gehört zu den festen Überzeugungen von Donald Trump und seinen Anhängern. "Crooked Hillary" - zu deutsch: die "betrügerische Hillary" - ist Trumps Standardbezeichnung für seine demokratische Widersacherin im Präsidentschaftswahlkampf 2016.

"Die große Geschichte ist draußen, dass das FBI zehntausende Mails der betrügerischen Hillary ignoriert hat. Viele der Mails sind WIRKLICH SCHLIMM. Gab auch falsch Wahl-Info. Ich bin sicher, wir werden bald dieser Korruption ganz auf den Grund gegangen sein. Es kann sein, dass ich an einem gewissen Punkt einschreiten muss!", twittert Trump am 25. August 2018.

Trumps Botschaft: Hillary Clinton ist korrupt, dem FBI ist auch nicht zu trauen. Aber spätestens, wenn Trump einschreitet, kommt die ganze Wahrheit ans Licht. Woher Trump allerdings wissen will, was in Hillary Clintons E-Mails stand, verrät er nicht.

"Es sieht mehr und mehr danach aus, als sei das Trump-Wahlkampfteam illegal ausspioniert worden (Überwachung) zum politischen Vorteil der betrügerischen Hillary und der Demokraten. Fragt sie, wie das funktioniert hat - mit dem verrückten Bernie (Sanders) lief es besser. Republikaner müssen nun klare Kante zeigen. Ein illegaler Betrug!"

Trumps Botschaft: Hillary Clinton und die Demokraten schrecken vor keinen illegalen Aktivitäten zurück. Und der unabhängige Senator Bernie Sanders ist verrückt.

Ex-CIA-Direktor John Brennan

"Ich hoffe, John Brennan, der schlechteste CIA-Direktor in der Geschichte unseres Landes, strebt einen Rechtsstreit an. Dann wird es sehr einfach, alle seine Akten, Texte, Mails und Dokumente zu bekommen und nicht nur zu zeigen, wie schlecht er seinen Job gemacht hat, sondern auch, wie er in die von Mueller initiierten Hexenjagd verstrickt war."

John Brennan war unter Obama Direktor der CIA und hat die Einmischung Russlands in den Präsidentschaftswahlkampf untersucht. Vor einem Ausschuss des US-Senats sagte Brennan: "Es sollte jedem klar sein, dass Russland unverschämt in den Wahlprozess 2016 eingegriffen hat."

Robert Mueller ist ein ehemaliger FBI-Direktor und seit 2017 Sonderermittler für die Untersuchung einer möglichen russischen Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf.

Mit seinem Tweet diskreditiert Trump zwei hochrangige Regierungsbeamte der Geheimdienste und stellt die Ermittlungen wegen der möglichen Einmischung Russlands zu seinen Gunsten als politisches Ränkespiel dar.

Die demokratische Abgeordnete Maxine Waters

Trump zitiert die seiner Meinung nach "verrückte" Maxine Waters: "Nachdem wir Trump des Präsidentenamtes enthoben haben, knöpfen wir uns Mike Pence vor. Wir werden ihn kriegen." Und fragt dann: "Woher kommen die Demokraten? Die beste Wirtschaft in der Geschichte unserer Landes würde völlig zusammenbrechen, wenn sie jemals an die Macht kommen."

Trump stellt die afro-amerikanische Demokratin Maxine Waters als verrückt dar und zeichnet zugleich das Horrorszenario, dass die USA bei einem Wahlsieg der Demokraten wirtschaftlich im Chaos versinken würden.

Milliardär George Soros

"Die sehr unverschämten Fahrstuhl-Schreihälse sind bezahlte Profis, die nur versuchen, Senatoren schlecht aussehen zu lassen. Fallt nicht darauf herein! Schaut euch außerdem die professionell gemachten, identischen Schilder an. Soros und andere bezahlen dafür. Das sind keine Schilder, die in einem Keller mit Liebe gemacht wurden!"

George Soros ist ein ungarisch- und jüdischstämmiger Milliardär und Investor, der mit seinem Geld auch Bürgerrechtsorganisationen und politische Aktivisten unterstützt.

Trump befeuert mit seinem Tweet das antisemitische Klischee einer jüdischen Weltverschwörung, indem er Soros unterstellt, er würde professionelle Demonstranten bezahlen, um mit seinem Reichtum seine politischen Ideen umzusetzen. Beweise für seine steilen Thesen bleibt Trump wie so oft schuldig.

Ex-Vize-Präsident Joe Biden

Obamas Vize-Präsident, Joe Biden, beschreibt Trump als einen verrückten Schwächling: "Der verrückte Joe Biden versucht, den harten Typen zu mimen. Tatsächlich ist er schwach - körperlich und mental. Und doch droht er mir zum zweiten Mal mit einem tätlichen Angriff. Er kennt mich nicht und doch würde er schnell und hart untergehen, während er die ganze Zeit weint. Drohe niemandem, Joe!

Schauspieler Robert de Niro

Schauspiel-Ikone Robert de Niro hat Trump nur mit einem Tweet bedacht - aber der hat es in sich: "Robert de Niro, ein Individuum mit sehr niedrigem IQ, hat in Filmen zu viele Kopftreffer von echten Boxern bekommen. Ich habe ihn gestern Abend gesehen und glaube wirklich, er ist von einem Treffer benommen. Ich vermute aber, er ist es nicht."

Kurz und knapp beleidigt Trump seinen größten Kritiker aus Hollywood, nennt ihn dumm und nicht bei klarem Verstand.

Ex-Justizminister Eric Holder

Obamas Justizminister Eric Holder hatte die Demokraten vor Kurzem zu härterem Widerstand gegen die Republikaner aufgefordert. Holder erklärte auf einer Wahlkampfveranstaltung, die frühere First Lady Michelle Obama sage immer: "'Wenn sie tief sinken, bewegen wir uns nach oben'. Nein, wenn sie tief sinken, treten wir sie!". Später in seiner Ansprache stellte er klar, dass er mit seiner Aussage nicht zu Gewalt aufrufe.

Trump antwortete darauf in einem TV-Interview, Holder solle besser vorsichtig sein, was er sich wünsche. "Das ist eine ekelhafte Aussage von ihm." Die Demokraten sollten "mit der Rhetorik vorsichtig sein, weil es sehr gefährlich ist, was Holder sagt."

Fazit

Trump stellt politische Gegner gern als unfähige, aber gefährliche Verschwörer dar. Bei seinen Anhängern erweckt er damit den Eindruck, die USA stürzten ins Chaos, sollten an seiner Stelle die Demokraten an die Macht kommen. Andere Kritiker stellt er schlicht als dumm dar. Bei seinen Anhängern kommt an, das Land stünde am Rande eines Bürgerkriegs und sie müssten in einer Art Notwehr-Aktion die USA retten. Und einer oder mehrere Verwirrte könnten sich dadurch dazu berufen gefühlt haben, Trumps Widersachern Briefbomben zu schicken.

Trump dagegen scheint sich keiner Schuld bewusst zu sein. Er twitterte heute: "Einen sehr großen Anteil an der Wut, die wir heute in unserer Gesellschaft sehen, wird verursacht durch die vorsätzlich falsche und unkorrekte Berichterstattung der Mainstream-Medien, die ich als Fake News bezeichne. Sie ist so schlimm und hasserfüllt geworden, dass sie jeder Beschreibung spottet. Die Mainstream-Medien müssen ihr Tun überdenken, und zwar SCHNELL!"

mit DPA