Prozess gegen Saddam Zeugin: "Möge Gott Sie auch erblinden lassen"


Im Prozess gegen Saddam Hussein hat eine Zeugin den verheerenden Giftgas-Angriff auf ihr Dorf im Jahr 1987 geschildert. Schockierende Details kamen ans Licht - "Meine Haut schälte sich, ich erbrach Blut" - und erhärten die Anklage auf Völkermord.

Im Völkermord-Prozess gegen gegen den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein hat eine kurdische Zeugin dem irakischen Gericht grausame Details eines Giftgas-Angriffs auf ihr Bergdorf geschildert. Am dritten Tag des Verfahrens beschrieb Adiba Awla Baiz ausführlich, wie sie den Abend des 16. April 1987 erlebte, als Kampfflugzeuge Chemiebomben auf ihre Ortschaft im Nord-Irak abwarfen. "Ich wurde blind, meine Kinder wurden blind und mein Haus wurde bis auf die Grundmauern zerstört - Möge Gott Sie auch erblinden lassen", sagte die 45-jährige Mutter von fünf Kindern und zeigte dabei auf Saddam und die sechs Mitangeklagten. Sie habe an dem Abend gleich bemerkt, dass etwas anders sei als bei früheren Angriffen. "Es roch sehr merkwürdig, wie fauler Apfel; alle meine Kinder mussten sich plötzlich übergeben und auch ich war kurz davor", sagte Bajes vor dem Sondertribunal in Bagdad. Die Richter vertagten das Verfahren am Nachmittag um drei Wochen auf den 11. September.

Die Todesstrafe droht

Die Äußerungen der Zeugin waren den Schilderungen anderer Kurden wie etwa ihres Ehemanns am Dienstag vor Gericht sehr ähnlich. Saddam und seinem Cousin, der als "Chemie-Ali" bekannte Ali Hassan al-Madschid, wird vorgeworfen, für den Tod von mehr als 180.000 Menschen bei einer bis August 1988 andauernden Militäroffensive gegen die kurdische Minderheit im Nordirak verantwortlich zu sein. Die Anklage lautet auf Völkermord. Ihnen und weiteren angeklagten Offizieren droht die Todesstrafe. Sie rechtfertigen die Angriffe damit, dass die Kurden den Iran im Kampf gegen die Saddam-Regierung unterstützt hätten. Der Krieg des Iran gegen den Irak dauerte bis 1988.

Bajes sagte, sie habe infolge des Angriffs zwei Fehlgeburten erlitten und ein drei Monate altes Kind verloren. Kurz nach dem Bombenangriff seien Hubschrauber hinter den in die Berge fliehenden Kurden hergeflogen. "Meine Haut schälte sich, ich erbrach Blut", berichtete die Frau. Sie sprach Kurdisch und trug das traditionelle schwarze Gewand der Volksgruppe. Später seien die Soldaten gekommen und hätten alle Menschen eingesammelt und ohne jede medizinische Versorgung nach Erbil gebracht.

Gegen Saddam läuft bereits ein Prozess wegen des Vorwurfs des Massakers an Schiiten in der Ortschaft Dudschail aus dem Jahr 1982. Ein Urteil in dem Verfahren wird für Mitte Oktober erwartet. Saddam könnte auch in dem Verfahren zum Tode verurteilt werden. Er erkennt das Tribunal nicht an und nennt es ein Instrument der USA.

Reuters Reuters

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