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Rumänien-Serie, Teil 6: "Es ist ein großes Abenteuer"

Eine Deutsche, die in den USA lebt und arbeitet, verliebt sich in einen Rumänen - und wagt tatsächlich den Neuanfang im "wilden Osten". Sie erzählt, warum jetzt die beste Zeit für Geschäfte ist - und was Rumänien so anders macht.

Von Karin Spitra, Bukarest

"Rumänien interessiert mich einfach. Schon wegen der ganzen traurigen Geschichten über die armen Menschen unter Ceausescu, die ich früher immer gehört habe", erzählt Katja Perrey. Und dass sie sogar Dokumentationen über die rumänische Revolution verfolgt hat. "Als ich meinen Freund Radu dann in den USA kennenlernte, konnte ich ihm gleich was erzählen. Er war war total fasziniert, dass jemand tatsächlich Rumänien ein bisschen kannte." Das war der Anfang der deutsch-rumänischen Freundschaft.

Bis zu 80 Arbeitsstunden pro Woche

Katja Perrey sieht tatsächlich aus, wie man sich eine typische Deutsche vorstellt: groß, blond, blaue Augen - aber auch ruhig und zurückhaltend. Dabei schlummert hinter der hanseatischen Fassade eine Riesenportion Pioniergeist und Ärmel-hochkrempeln-Mentalität: Mit 25 Jahren verließ die Hamburgerin Europa und wagte den Neuanfang in Kalifornien. Sie arbeitete als Fotografin, studierte Kunst, hatte Ausstellungen und baute schließlich eine Firma für Gartengestaltung auf. Doch der Erfolg hatte seinen Preis: "Ich arbeitete 60, 80 Stunden - wie alle Amerikaner - saß wieder einmal am Computer und dachte mir 'Traurig. Halb neun am Abend, du arbeitest und hast kein Privatleben'", erinnert sie sich.

Also beschließt sie, sich einige Singleseiten anzusehen und stellt fest "Oh, da sind ja ganz nette Männer dabei", stellt ihr eigenes Profil rein und wartet ab. Innerhalb weniger Stunden antworten über 40 Männer. Mit sieben verabredet sie sich - "Radu war Nummer drei." Sie treffen sich, und es ist so, "wie das mit Europäern eben ist: Kaffee trinken, spazieren gehen und viel reden." Beim ersten Mal reden sie gleich fünf Stunden durch und ahnen, dass es passt. "Vielleicht auch, weil wir ähnliche Erfahrungen hatten", vermutet Katja.

Zwei Monate Nachdenkzeit

Ein Jahr später will Radu herausfinden wie Katja auf seine Heimat reagiert: Im April 2006 fahren sie für gute drei Wochen nach Rumänien. Er zeigt ihr Bukarest und seine Geburtsstadt Galati, die Moldauklöster, das Schwarze Meer und ein bisschen von Transsilvanien. "Und dann ging es darum ob ich hierher ziehen würde." Denn, so merkt Katja schnell, Rumänen fühlen sich eigentlich nur in Rumänien wohl. "Das liegt wohl auch am Essen", vermutet sie. "Alle Rumänen, die ich in den USA durch Radu getroffen habe, essen nur rumänische Küche. Die brauchen ihre sauren Suppen und ihren Maisbrei." Zwei Monate denkt Katja darüber nach, dann wagt sie es. Verkauft ihr Haus in Venice, um Kapital für den Neuanfang zu haben, legt schweren Herzens ihr Geschäft auf Eis und fliegt los.

"Auf jeden Fall hat mich niemand zu meinem Entschluss beglückwünscht nach Rumänien zu ziehen. Alle meine Freunde waren skeptisch", berichtet Katja. "In Amerika haben sie nur gefragt 'Rumänien? Wo ist das?', in Deutschland 'Warum nicht nach Italien oder Frankreich?'. Dann habe ich immer geantwortet: Mich interessieren die nordeuropäischen Enklaven im Süden nicht. Ich kann jetzt erstmal gut die nächsten 20 Jahre Schnee haben." So war die ruhige Weihnachtszeit genau richtig, um sich zu akklimatisieren.

Die normalisierende Mittelschicht fehlt

"Denn ich habe schon das Gefühl, dass hier alle hoffnungslos überfordert sind, wenn es um die Ansprüche geht, die mit dem Geld kommen", analysiert Katja. Und erzählt, dass sich in Nullkommanix eine Klasse von Superreichen entwickelt hat, die so viel Geld haben, dass selbst Gucci hier doppelt so viel kostet wie in Berlin oder Madrid: "Es gibt noch keine normalisierende Mittelschicht, aber die wird sich bilden - deswegen sind wir eigentlich hergekommen." Denn die mittelständischen Betriebe, das eigentliche Rückrat der Mittelschicht, entwickelt sich gerade, "das merkt man." Deshalb hat der anstehende EU-Beitritt ihre Umzugspläne durchaus beeinflusst.

Das ist auch ihr Tipp an Unternehmenspioniere: "Es ist ein großer Bedarf da, nach mittleren Größen. Weder diese Megacenter, noch größer als in den USA, noch kleine Buden. Normale Größen, zum Beispiel bei Lebensmittelgeschäften. Wenn man nur 25 Prozent weniger draufschlagen würde als die Konkurrenz, würde man ein wahnsinniges Geschäft machen. Oder Bekleidung: Sowas wie Gap oder H&M wären hier der Renner."

"Alles ein bisschen hinterwäldlerisch"

Allerdings hat sie mit Radu den Medienbereich im Visier: "Wir wollen den Leuten hier ein Medienpackage anbieten. Von der Idee, dem Konzept bis zur Realisierung - ob das jetzt ein Videoclip ist oder bewegte Grafiken fürs Fernsehen", erzählt Katja. Weil Radu in Bukarest von '93 bis '96 eines der bekanntesten Tonstudios geleitet hat, besitzt er viele Kontakte. Ein "bisschen hinterwäldlerisch" findet es Katja dennoch. "Es sind ja fast alle guten Leute weggegangen, als sie endlich die Möglichkeit dazu hatten. Die talentierten Hiergebliebenen haben groß Karriere gemacht und besetzen alle wichtigen Positionen der Gesellschaft, sodass jetzt die Exilanten überlegen zurückzukehren. Wir sind unter den Ersten der 'Neuen Rückwanderung'. Es ist unsere Chance, dass wir das Knowhow aus den USA mitbringen, dass wir wissen, wie man Geschäfte macht."

Ich werde mit Radu zusammen Konzepte, Planung, Durchführung machen, er wird dann die technische Ausführung leiten und ich den geschäftlichen Zweig." Katja will sich um die Verträge kümmern, will die sein, die verkauft. "Ich habe schon in den USA durch die Landschaftsarchitektur gelernt, die Zukunft zu verkaufen. Dort habe ich einige kleine Gewächse eingepflanzt und den Kunden ausgemalt, wie es später einmal aussehen wird." Seitdem glaubt sie, alles verkaufen zu können. Radu sei eher der Tüftler, der Feinarbeiter - obwohl er sich verändert hätte. "In Kalifornien hat er kaum ein Wort gesagt, hier redet er mehr als ich. Mal sehen, wie sich das einpendelt."

Goldrausch und Gründungsfieber

Mit ihrer Firma wollen die beiden vor allem ausländischen Firmen den Service bieten, den diese aus ihren Heimatländern gewohnt sind - und ihnen beim organisierten Chaos der Rumänen helfen. "Das kennen die hier gar nicht, wie Termine gemacht - und auch eingehalten - werden. Hier ist das sehr anders. Auf der einen Seite gefällt es mir ja auch, dass die Leute hier erstmal loslegen, auch ohne richtige Grundlage. Es wird einfach ausprobiert. Deshalb nenne ich Rumänien immer den 'wilden Osten', so wie Kalifornien irgendwann mal war, aber schon lange nicht mehr ist. Es ist eben ein großes Abenteuer."

Was sie bei ihrer Geschäftsidee "knallhart ausnutzen will", ist das Klischeebild, das man von Deutschen hat: Pünktlichkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit, Kontinuität, Präzision. Zu diesen Tugenden soll dann noch die US-Technik kommen. "Weil die halt immer noch alle glauben, dass die Amis bei der Technik so weit vorne sind - was ja gar nicht stimmt. Die neuesten Geräte gibt's hier. Ich habe noch nirgends neuere Handys gesehen: Wenn man übers Land fährt, hat sogar der Schäfer in den hintersten Karpaten ein Handy."

"Je mehr Gold, desto besser"

Katja erzählt, dass zum Geschäfte machen mehr gehört, als eine Idee zu haben und Kontakte. Dass besonders, wenn Rumänen zurückkommen, von ihnen erwartet wird, zu repräsentieren. "Und da hier so viel über persönliche Kontakte und Einladungen läuft, braucht man halt auch eine repräsentative Wohnung. Es kann kein 'normaler' Wagen sein, es muss gleich ein Mercedes sein." Und dass Rumänen gerne protzen. Ein bisschen wie in Südamerika sei es: "Je mehr Gold, desto besser. Ich nenne sie immer 'Tannenbäume'."

Fast tut es Katja ein bisschen leid, dass die EU versuchen wird, alles im Land stärker zu begradigen, dass aus dem "wilden Osten" ein "milder Osten" werden soll. Aber sie setzt auch auf die Widerborstigkeit der Rumänen: "Ich glaube nicht, dass es der EU gelingen wird, die Menschen hier lieben ihr Chaos." Sie seien es gewöhnt, alles immer noch ändern zu können. In den USA sei das ganz ähnlich, "einfach weil es nicht so viele Regeln gibt. Hier ist es ja so: Was nicht explizit verboten ist, ist erlaubt. Und was verboten ist - nun, da kann man ja nochmal schauen."

Lesen Sie im letzten Teil der Serie, was Rumäniens Star-Designer über seinen Karriere-Start unter Ceausescu erzählt, wer sich seine Kleider leisten kann - und warum er wieder zur Kirche geht.

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.