HOME

Russland: Anschlag auf Reisezug

Ein Anschlag auf einen Personenzug mit einem ferngezündeten Sprengsatz hat den russischen Nationalfeiertag überschattet. Dank der langsamen Fahrt hat es keine Toten gegeben.

Bei einem Anschlag auf einen aus Tschetschenien kommenden Eisenbahnzug sind in der Nähe von Moskau mehr als 40 Menschen verletzt worden. Der Sprengsatz mit einer Zerstörungskraft von etwa drei Kilogramm TNT detonierte am frühen Sonntagmorgen auf dem Gleisbett, kurz bevor die Lokomotive die Stelle erreichte. In der Nähe des Tatortes sei ein Fernzünder entdeckt worden, teilten Ermittler des Inlandsgeheimdienstes FSB mit. Mehrere Waggons entgleisten. Dank der langsamen Fahrt des Zuges in Richtung der russischen Hauptstadt habe es keine Toten gegeben, teilten die Behörden an der Bahnstrecke 150 Kilometer südlich von Moskau mit. Insgesamt 42 Zuginsassen ließen sich ärztlich behandeln, 5 von ihnen mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Die Bombe riss einen knapp einen Meter tiefen Krater ins Gleisbett.

Keine Hinweise auf Identität der Attentäter

Auf die Identität der Attentäter gab es zunächst keine konkreten Hinweise. Ein Lokführer berichtete, ihm seien nach der Notbremsung des Zuges zwei verdächtige Männer aufgefallen, die vom Tatort wegliefen. Mutmaßlich tschetschenische Terroristen hatten in den vergangenen Jahren mehrfach Bomben in Eisenbahnwaggons gezündet und dabei Dutzende Menschen getötet.

Die prorussische tschetschenische Führung machte Rebellen für den Anschlag am Tag der russischen Unabhängigkeit verantwortlich. Die Tat "unterstreicht die Unfähigkeit der Rebellen, die positiven Entwicklungen innerhalb der Teilrepublik aufzuhalten", sagte der tschetschenische Präsident Alu Alchanow in Grosny.

Keine Panik bei den insgesamt 300 Fahrgästen

Unter den insgesamt 300 Fahrgästen und Zugmitarbeitern brach nach Augenzeugenberichten keine Panik aus. "Ein lauter Knall ließ mich zusammenzucken. Erst dachte ich, dass im Speisewagen eine Gasflasche explodiert wäre", berichtete eine Schaffnerin dem Staatsfernsehen. Die Zugverbindung zwischen Moskau und der 1500 Kilometer entfernten tschetschenischen Hauptstadt Grosny war nach fünfjähriger Unterbrechung wegen des Krieges erst im Vorjahr wieder aufgenommen worden.

An nationalen Feiertagen herrscht in Russland aus Angst vor Anschlägen erhöhte Alarmbereitschaft. In den Jahren 2002 und 2004 waren jeweils am 9. Mai, dem Jahrestag des Kriegsendes, bei Bombenexplosionen im Nordkaukasus über 40 Menschen getötet worden.

AP/DPA / AP / DPA