HOME

Seit 188 Jahren erstmals eine Frau: Neue Scotland-Yard-Chefin verdient 40.000 Pfund weniger als Vorgänger

Sie gilt als beste Ermittlerin im Vereinigten Königreich, ist aber nicht unumstritten: Zum ersten Mal wird Scotland Yard nicht von einem Mann geführt. Doch Cressida Dick erhält erheblich weniger Gehalt als ihr Vorgänger. Wurde sie über den Tisch gezogen worden?

Scotland-Yard-Chefin verdient 40000 Pfund weniger als Vorgänger

Prinz Harry spricht mit der neu ernannten Chefin von Scotland Yard, Cressida Dick (links). Weiß der Prinz vielleicht, warum die Scotland-Yard-Chefin 40000 Pfund weniger verdient als ihr Vorgänger?

Vom Bobby zum Boss: Erstmals in ihrer 188-jährigen Geschichte bekommt die berühmte Londoner Polizei Scotland Yard eine Frau zum Chef. Cressida Dick - klein, schlank, grau meliert - hat sich mühsam von ganz unten nach oben gearbeitet. Ehrgeiz und Scharfsinn zeichnen sie aus. Am Montag tritt sie ihren Dienst in dem neuen Scotland-Yard-Hauptquartier in der britischen Hauptstadt an.

Doch die 56-Jährige ist nicht unumstritten. Als nach den Terroranschlägen von 2005 ein unschuldiger Mann aus Brasilien von der Polizei erschossen wurde, geriet sie in die Kritik. Cressida Dick war gemeinsam mit anderen für die Polizei-Operation "Kratos" verantwortlich, die weitere potenzielle Selbstmordattentäter aufspüren sollte. Bei den Anschlägen waren 56 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 700 wurden verletzt.

Eine Untersuchung wies den Polizisten schwere Fehler nach, Dick selbst aber nicht. Dass nun ausgerechnet die damalige "Kratos"-Leiterin zur Chefin von Scotland Yard ernannt worden ist, führte zu scharfem Protest der Hinterbliebenen.  

Terrorismus als Schwerpunkt

Terrorismus wird auch ein Schwerpunkt auf Dicks neuem Posten sein. Erst kürzlich tötete ein 52-Jähriger fünf Menschen in der Nähe des Londoner Parlaments. Der aus Großbritannien stammende Mann war schon zuvor als gewaltbereiter Extremist aufgefallen und zum Islam konvertiert. Unter den Opfern war ein Polizist, der wie die meisten Bobbys unbewaffnet war. Der Attentäter wurde schließlich von Sicherheitskräften erschossen. "Ich werde unermüdlich dafür arbeiten, dass unsere Stadt sicher bleibt", versicherte Dick. 

Scotland Yard - benannt nach der Anschrift des ersten Amtssitzes der Metropolitan Police-Einheit - sei die beste Polizei der Welt, sagte sie nach ihrer Ernennung. Neben Terrorismus, Betrugsfällen oder Cyber-Kriminalität muss Dick sich in diesem Jahr um ein Spezialproblem kümmern: Donald Trump. Der US-Präsident wird zum offiziellen Staatsbesuch erwartet - samt Kutschfahrt und Dinner mit der Queen. Ein Zeitpunkt steht noch nicht fest. Fast zwei Millionen Menschen unterzeichneten eine Petition gegen den Staatsbesuch; es dürfte große Demonstrationen geben.

Überraschung bei Blick auf Jahresgehalt

Kurz vor dem Amtsantritt der talentierten Ermittlerin gab es noch eine Überraschung mit Blick auf ihr Jahresgehalt. Mit 230.000 Pfund (ca. 270.000 Euro) soll es 40.000 Pfund niedriger liegen als das ihres Vorgängers Bernard Hogan-Howe. Ist sie bei den Verhandlungen über den Tisch gezogen worden? Scotland Yard teilte auf Anfrage mit, sie habe "aus persönlichen Gründen" freiwillig auf das Geld verzichtet. Details nannte die Behörde nicht.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan lobte die neue Chefin in höchsten Tönen: Mit ihrer ausgezeichneten Karriere bringe Dick "enorme Erfahrung und Expertise" mit. Mehr als 43 000 Mitarbeiter hat die Behörde, die lange Zeit als reine Männer-Domäne galt. 

Dick stammt aus einem Akademikerhaushalt in Oxford. Sie studierte Land- und Forstwirtschaft, wechselte 1983 zur Polizei, ging in London auf Streife und vertiefte sich in Kriminologie-Studien in Cambridge.

Mit dem harten Führungsstil ihres Vorgängers Hogan-Howe, der in den Ruhestand geht, soll sie britischen Medien zufolge nicht so gut klar gekommen sein. Zuletzt arbeitete Dick im Außenministerium. Einer ihrer größten Fans ist inzwischen ganz oben in der Politik angekommen: Premierministerin Theresa May.

Westminster Brücke: Diese Aufnahmen machten Touristen vom Anschlag aus dem London Eye
Von Silvia Kusidlo / DPA