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Selbstmordanschlag: Terror erschüttert Tel Aviv

Ein militanter Palästinenser hat in Tel Aviv nach Polizeiangaben eine Explosion ausgelöst. Sanitäter berichteten von 60 Verletzten, mindestens zehn Menschen wurden getötet. Ein Sprecher der radikalen Palästinenser-Gruppe Hamas bezeichnete den Anschlag als eine "palästinensische Selbstverteidigung".

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat in der israelischen Metropole Tel Aviv mindestens neun Menschen mit in den Tod gerissen. 60 Menschen seien zudem bei der Explosion an einem Imbiss in der Nähe des alten Busbahnhofs verletzt worden, teilten Rettungsdienste mit. Mit dem Islamischen Dschihad und den Al-Aksa-Brigaden bekannten sich gleich zwei militante Palästinenser-Organisationen zu dem Anschlag. Israel machte die neue von der radikalen Hamas gestellte Palästinenser-Regierung verantwortlich und kündigte eine "angemessene" Reaktion an. Ein Hamas-Vertreter sprach von einem Akt der Selbstverteidigung. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas verurteilte dagegen den Anschlag.

"Das war eine riesige Explosion - ein unglaublicher Anblick", sagte Taxifahrer Jossi Bar im israelischen Rundfunk. Ein anderer Augenzeuge berichtete: "Ich sah einen jungen Mann mit einer blauen Tasche. Er wurde von einem Sicherheitsbeamten gefragt, was in der Tasche sei. Er öffnete die Tasche und alles flog in die Luft." Unmittelbar nach der Detonation entstandene Fernsehbilder zeigten Passanten in blutverschmierten Hemden.

Bekennervideo ausgestrahlt

Der arabische Fernsehsender Al-Arabija veröffentlichte ein Video, in dem sich ein junger Mann zu der Tat bekannte. Er sei Mitglied der Kuds-Brigaden, des militärischen Flügels des Islamischen Dschihad. "Ich opfere mich selbst ... zur Ehre Gottes", sagt der Mann. Ein Sprecher der Al-Aksa-Brigaden, die zur Fatah-Bewegung von Abbas gehört, sagte, es habe sich um einen Vergeltungsschlag nach israelischen Militäraktionen im Gazastreifen gehandelt. "Diese Operation ist eine Antwort auf die israelischen Massaker gegen unser Volk in Gaza."

"Verabscheuungswürdiger Terrorakt"

Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri bezeichnete den Anschlag als "natürliches Ergebnis der anhaltenden israelischen Verbrechen gegen unser Volk ... Unser Volk befindet sich im Zustand der Selbstverteidigung und sie haben jedes Recht, alle Mittel anzuwenden, um sich selbst zu verteidigen". Palästinenser- Präsident Abbas sagte dagegen, der Anschlag laufe den palästinensischen Interessen zuwider. Er forderte die internationalen Nahost-Vermittler auf, "die schwere Verschlechterung zu stoppen, die die Region derzeit erlebt". US-Außenamtssprecher Scott McClellan sprach von einem "verabscheuungswürdigen Terrorakt, für den es keine Entschuldigung oder Rechtfertigung gibt".

Der amtierende israelische Ministerpräsidenten Ehud Olmert kündigte eine Reaktion an. "Wir wissen, wie wir angemessen antworten werden, und wir werden weiterhin mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln solche Anschläge vereiteln". Olmert bemüht sich derzeit um die Bildung einer neuen israelischen Regierung. Der bislang letzte Selbstmordanschlag in Israel ereignete sich am 19. Januar ebenfalls an einem Imbiss am alten Busbahnhof in Tel Aviv. Damals kam der Attentäter ums Leben, 30 Menschen wurden verletzt.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters