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Sieg der Linken: Sarkozy will ausmisten

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bereitet nach der desaströsen Niederlage des Regierungslagers bei den Regionalwahlen eine Kabinettsumbildung vor.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bereitet nach der desaströsen Niederlage des Regierungslagers bei den Regionalwahlen eine Kabinettsumbildung vor. Am Montag beriet sich sich der Staatschef unter anderem mit Premierminister François Fillon und UMP-Fraktionschef Jean-François Copé.

Aus Regierungskreisen wurde berichtet, dass Sarkozy nach dem Triumph der Linken den "jungen Wilden" François Baroin (44) zum Haushaltsminister machen wolle. Der Vertraute von Ex-Präsident Jacques Chirac gilt als Kritiker im eigenen Lager. Er hatte Sarkozy zuletzt vorgeworfen, zu viele Nicht-UMP-Politiker auf Regierungsposten gesetzt zu haben.

Die linke Opposition war in der zweiten Runde der Wahl am Sonntag landesweit auf rund 54 Prozent gekommen, das Regierungslager auf etwa 35 Prozent. Bei den Regionalwahlen 2004 hatte das Verhältnis 50 zu 37 betragen. Für die Linken ist es das beste Ergebnis seit knapp drei Jahrzehnten. Von den acht Regierungsmitgliedern, die als Spitzenkandidaten von Regionslisten antraten, konnte sich niemand durchsetzen.

Damit konnten sich die Konservativen im europäischen Teil Frankreichs lediglich im Elsass an der Grenze zu Deutschland halten. Ihre zweite Bastion Korsika ging an die Opposition. In den beiden Überseeregionen Réunion und Französisch-Guyana konnte sich das Regierungslager durchsetzen. Beide haben in der nationalen Politik allerdings nicht viel Gewicht.

Zu den Überraschungssiegern zählt die rechtsextreme Partei Front National, die in den Regionen, in denen sie in der zweiten Runde angetreten war, auf knapp 18 Prozent kam; im landesweiten Schnitt erreichte sie rund neun Prozent. Ihr 81 Jahre alter Parteichef Jean- Marie Le Pen und seine Tochter Marine kamen jeweils auf mehr als 20 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag mit 51 Prozent vier Punkte höher als am vergangenen Sonntag.

Derweil zeigte eine am Montag veröffentlichte Umfrage, dass sich 40 Prozent der Franzosen wünschen, Sarkozy möge bei den Reformen eine Pause einlegen. Allerdings sind zugleich mehr als die Hälfte überzeugt, dass er sich durch das Wahlergebnis nicht von seinem Kurs abbringen lässt. Fillon hatte bereits kurz nach Bekanntgabe der Ergebnisse betont: "Ein großes Land wie Frankreich kann man nicht nach dem Rhythmus von Regionalwahlen regieren." Das nächste große Projekt ist die Rentenreform. Bereits Mitte April soll ein Entwurf vorliegen.

DPA / DPA