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Silvio Berlusconi: "Es fehlte nur noch Mussolini"

Silvio Berlusconi sorgt erneut für Wirbel: Der italienische Ministerpräsident hat den faschistischen Diktator Benito Mussolini (1883-1945) in Schutz genommen und damit Empörung bei Politikern aller Lager ausgelöst.

Die Serie verbaler Entgleisungen des italienischen Ministerpräsidenten und EU-Ratsvorsitzenden Silvio Berlusconi hat mit der Verteidigung des faschistischen Diktators Benito Mussolini einen neuen Höhepunkt erreicht. "Es fehlte nur noch Mussolini als ehrlicher Mann", titelte selbst die Berlusconi-freundliche römische Tageszeitung "Il Tempo" am Freitag mit schon resignierendem Unterton. Die Opposition wirft dem Regierungschef vor, nicht länger an der Spitze einer Demokratie stehen zu können, die aus dem Widerstand entstanden sei. Selbst Berlusconis Koalitionspartner reagierten höchst irritiert und verzichteten darauf, ihn zu verteidigen.

Praktisch alle Zeitungen befassten sich eingehend mit Berlusconis neuesten Skandaläußerungen. "Berlusconi spricht den Faschismus frei", lautete etwa die Schlagzeile der "Repubblica". "Mussolini hat niemanden getötet, er hat die Menschen in Zwangsurlaub geschickt", lautete die Kernaussage eines Interviews, das Berlusconi während seines Sommerurlaubs zwei britischen Journalisten gegeben hatte. Der erste Teil des Interviews war schon in der Vorwoche veröffentlicht worden. Darin hatte er Richter als "geistesgestört" bezeichnet und einen ersten Sturm der Entrüstung ausgelöst.

"Nur die Wahrheit gesagt"

Diesmal fiel es selbst seinen Regierungspartnern schwer, Berlusconi in Schutz zu nehmen. Mussolini (1883 - 1945) hatte schließlich Juden verfolgt, politische Gegner ermorden oder internieren lassen, an der Seite Adolf Hitlers den Zweiten Weltkrieg geführt. Neben einigen Vertretern seiner Partei Forza Italia sprangen deshalb großteils nur unbelehrbare Hinterbänkler der ex-neofaschistischen Nationalen Allianz für Berlusconi in die Bresche. Allen voran Alessandra Mussolini, Enkelin des "Duce". "Berlusconi hat nur die Wahrheit gesagt", freute sie sich.

Ihr Parteichef Gianfranco Fini schäumte hingegen nach Medienberichten vor Wut. Öffentlich äußerte sich der Vize- Regierungschef, der seit Jahren bemüht ist, die faschistische Vergangenheit seiner Nationalen Allianz abzuschütteln, nicht. Eine frühere Aussage, Mussolini sei der größte Staatsmann des 20. Jahrhunderts gewesen, hat Fini längst reumütig zurückgenommen.

"Ich wollte nicht Mussolini aufwerten"

Berlusconi versuchte sich schließlich selbst zu verteidigen. Er habe lediglich auf die Frage geantwortet, ob der gestürzte irakische Diktator mit Mussolini verglichen werden könne, rechtfertigte er sich. "Ich wollte nicht Mussolini aufwerten". Zugleich griff er aber die Opposition an und warf ihr vor das Interview gegen ihn zu "instrumentalisieren". Er verstehe nicht, warum er als Regierungschef ständiger Kritik ausgesetzt sei, fügte er am Freitag hinzu.

Wie nach den vorangegangenen Entgleisungen fühlt sich Berlusconi letztlich als das eigentliche Opfer. Schon im Juli, als er dem Europaabgeordneten Martin Schulz (SPD) eine Rolle in einem Nazifilm angetragen hatte, verstand Berlusconi die ganze Aufregung nicht: Er sei missverstanden worden, er habe nur eine ironische Bemerkung gemacht, sagte er.

Giovanni Facchini / DPA