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Sondereinheit Berkut: Ukraine löst verhasste Schläger-Polizei auf

Die Berkut-Polizisten hatten bei den gewaltsamen Protesten in Kiew auf Demonstranten geschossen. Nun hat die Übergangsregierung für ein Ende der Spezialeinheit gesorgt.

Sie hatten mit scharfer Munition ohne Rücksicht auf Verluste in Demonstrantenmengen geschossen. Nun hat die ukrainische Übergangsregierung die Schläger-Polizeitruppe Berkut aufgelöst. Die Spezialeinheiten seien mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden, teilte der Übergangsinnenminister Arsen Awakow auf seiner Facebook-Seite mit.

Die Berkut-Einheiten sind bei den Gegnern der Regierung des mittlerweile abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch wegen ihrer Rolle bei den Straßenkämpfen in Kiew verhasst. Dabei waren vergangene Woche 82 Menschen getötet und hunderte verletzt worden. "Die Berkut existiert nicht mehr", schrieb Awakow. Er habe das entsprechende Dekret Nr. 144 vom Dienstag unterzeichnet. Die Berkut, deren Mitglieder an ihren Uniformen leicht von anderen Polizisten zu unterscheiden waren, wurden für viele Übergriffe auf Demonstranten verantwortlich gemacht. So waren Berkut-Polizisten gefilmt worden, wie sie mit scharfer Munition auf die Menge schossen. Das Europaparlament hatte Anfang Februar von Janukowitsch gefordert, dem "schändlichen Einsatz" der Sonderpolizei Berkut (Steinadler) ein Ende setzen.

Timoschenko will sich in Berlin behandeln lassen

Ob Oppositionsführerin Julia Timoschenko bei der Präsidentenwahl in der Ukraine am 25. Mai antreten wird, ist indes fraglich. Jewgenia Timoschenko, die Tochter der 53-Jährigen, sagte am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin, es sei noch nicht gewiss, ob ihre Mutter eine politische Position anstreben werde. Die an einem Rückenleiden erkrankte Timoschenko müsse nach ihrer Haftentlassung erst einmal in eine Reha-Klinik im März. Laut ihrer Partei will sie sich in Berlin behandeln lassen.

Die Ikone der Orangen Revolution war am Wochenende wenige Stunden nach dem Sturz Janukowitschs aus einem Krankenhaus entlassen worden, wo sie von Gefängniswärtern bewacht wurde. Die frühere Ministerpräsidentin war 2011 wegen Machtmissbrauchs verurteilt worden.

Der führende Oppositionelle und ehemalige Profiboxer Vitali Klitschko hat bereits seine Kandidatur erklärt. Die Bildung einer Übergangsregierung hat sich etwas verzögert, soll aber noch diese Woche abgeschlossen werden.

nck/AFP/Reuters / Reuters