HOME

Anschlagsserie: Sri Lanka: Weitere Bombe und 87 Zünder in Colombo gefunden

Bei den Anschlägen in Sri Lanka ist ein Deutschamerikaner ums Leben gekommen, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Am Tag nach den verheerenden Anschlägen wurde eine weitere Bombe gefunden sowie 87 Zünder.

Sri Lanka Sprengung einer Bombe

Manche Menschen ließ die Sprengung einer Bombe bei einem Fahrzeug kalt

DPA

Eine einheimische radikal-islamische Gruppe hat nach Einschätzung von Sri Lankas Regierung die Anschläge vom Ostersonntag mit Unterstützung eines internationalen Netzwerks verübt. Die Regierung sei fest davon überzeugt, dass die Gruppe National Thowheeth Jamaath die Selbstmordattentate ausgeführt habe, sagte ein Kabinettssprecher Rajitha Senaratne. Zuvor habe es Hinweise auf Anschlagspläne der Gruppe gegeben. Erste Informationen über mögliche Anschläge auf Kirchen und Touristenziele hätten der Polizei bereits am 4. April vorgelegen.

"Es gab ein internationales Netzwerk"

"Wir glauben nicht, dass diese Angriffe von einer Gruppe von Menschen verübt wurden, die auf dieses Land begrenzt waren", sagte der Sprecher weiter. "Es gab ein internationales Netzwerk, ohne das diese Angriffe nicht gelungen wären." Premiermister Ranil Wickremesinghe hatte zuvor erklärt, Sri Lanka wolle mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft möglichen Verbindungen ins Ausland der Attentäter auf den Grund gehen.

Ein weiterer Sprengsatz wurde unterdessen in einem geparkten Auto in der Nähe eines der Anschlagsorte gefunden. Bombenentschärfer sprengten das Fahrzeug in der Nähe der St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo. Ein Mann wurde den Angaben zufolge in der Gegend um die Kirche festgenommen. Der Fund des Sprengsatzes und die Sprengung lösten in der Umgebung eine Panik aus, wie Videos in sozialen Medien zeigten. Zeugen berichteten auf Twitter zudem, dass die Polizei den Festgenommenen vor einer aufgebrachten Menge schützen musste. An einem anderen Ort der Stadt seien an einer Bushaltestelle 87 Zünder sichergestellt worden.

290 Tote bei acht Explosionen

Die St-Antonius-Kirche war eine von drei Kirchen, in denen sich am Ostersonntag fast zeitgleich Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatten. Bei insgesamt acht Explosionen, auch in drei Luxushotels in Colombo, waren mindestens 290 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 450 weitere verletzt worden. Eines der Todesopfer hatte nach Informationen des Auswärtigen Amtes neben dem US-amerikanischen auch einen deutschen Pass.

Die Reiseveranstalter Tui und DERtour teilten mit, dass alle ihre Gäste, die derzeit auf der Tropeninsel Urlaub machen, Entwarnung gegeben hätten. "Wir haben alle Gäste erreichen können, sie sind wohlauf", hieß es bei beiden Firmen auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA. DERtour hat nach eigenen Angaben eine "knappe vierstellige" Zahl von Gästen auf Sri Lanka und auch einige Hotels im Angebot, die zum Anschlagsziel wurden. Tui in Hannover bestätigte die bisherige Annahme, dass keine Gäste des Reiseveranstalters von den Explosionen betroffen seien. 

Die Anschlagsserie sorgte international für Entsetzen. Papst Franziskus gedachte der Opfer vor Zehntausenden Gläubigen in Rom. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "schockiert über die terroristischen Attacken auf Kirchen und Hotels an Ostersonntag, einem heiligen Tag für Christen überall auf der Welt". Staats- und Regierungschefs - darunter US-Präsident Donald Trump, Russlands Präsident Wladimir Putin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel - verurteilten die Angriffe scharf.

nik/DPA