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Steuererklärung: Clintons verdienten 109 Millionen Dollar

Seit dem Ende von Bill Clintons Präsidentschaft verdiente das Ehepaar 109 Millionen Dollar. Die Steuererklärung der Clintons zeigt, dass Bills Geschäftsfreunde, die ihm Millionenhonorare zahlen, auch für Hillarys Wahlkampf spenden. Das ist legal - aber ist es auch anständig?

Von Katja Gloger, Washington

Bloß nicht neidisch werden! 109 Millionen Dollar haben die Clintons in den vergangenen acht Jahren verdient - und eigentlich müsste man's ihnen gönnen. Denn es ist ja wahr: Die beiden haben jahrzehntelang für das Allgemeinwohl geknechtet. Und kein Opfer war ihnen groß genug für den Dienst am Volk. Da hatte sie ihre Karriere geopfert und war ihrem Mann in die tiefste Provinz gefolgt, nach Arkansas. Er musste sich als Amtsträger mit Gehältern zufrieden geben, von dem ihre reichen Freunde noch nicht mal die Kerosinkosten für ihre Privatjets zahlen konnten. Jeder Cent musste gespart werden - so hatten die Clintons sogar noch Bills abgelaufene Jogging-Schuhe der Heilsarmee gespendet, um dafür eine Spendenbescheinigung fürs Finanzamt zu ergattern (Wert der Schuhe: 10 Dollar, getragene Unterwäsche wurde mit 1 Dollar pro Stück aufgeführt). Und selbst als Präsident verdiente Bill Clinton mit gut 200.000 Dollar gerade mal so viel wie ein erfolgreicher Junganwalt.

In den vergangenen sieben Jahren haben die Clintons dagegen das Beste aus ihrem Namen gemacht: für 2007 meldeten sie ein Jahreseinkommen von 20 Millionen Dollar - macht einen Anstieg um 5.600 Prozent.

200.000 Dollar für eine Rede

Bitte nicht neidisch werden! Schließlich hatte das Ehepaar nach dem Lewinsky-Sex-Skandal und einem langwierigen Amtsenthebungsverfahren satte 12 Millionen Dollar Anwaltsschulden. Die mussten schließlich bezahlt werden. Also kassierte man Millionen mit Memoiren (15 Millionen Dollar Vorschuss allein für ihn) und Büchern über globale Wohltätigkeit. Und während sich seine Frau als Senatorin auf die Präsidentschaft vorbreitete, trug Bill Clinton überaus erquicklich zum Familieneinkommen bei: Er vergoldete sein begnadetes Redetalent, gut 200.000 Dollar beträgt sein Durchschnitts-Honorar pro Rede - plus Spesen, versteht sich, also Privatjet und was man sonst noch so braucht. Macht knapp 52 Millionen Dollar allein für Redeauftritte. Da wird sich ein vergleichsweise Kleinstverdiener wie Gerhard Schröder so seine Gedanken machen - immerhin war der mal Bundeskanzler. Ein schwacher Trost nur, dass die Clintons 33 Millionen Dollar Steuern zahlten und 10 Millionen spendeten. Zum Glück konnten sie von den von ihnen so kritisierten Steuersenkungen der Bush-Regierung profitieren. Sonst wäre es noch mehr gewesen.

Neidlos muss man zugestehen: In den vergangenen sieben Jahren hat sich der Name Clinton zu einem globalen Markenzeichen entwickelt, einem "brand name", beinahe schon wie Coca Cola. Es wäre eine dieser typisch amerikanischen Geschichten - wenn nicht, ja wenn es dabei nicht auch um das ginge, was man politischen Anstand nennt.

Obamas Einkommen: vergleichsweise lächerlich

Es hat nur zum Teil damit zu tun, dass Hillary Clinton ihre Steuererklärungen erst nach massivem öffentlichem Druck veröffentlichte. Hatte doch Konkurrent Barack Obama schon vor Monaten seine Zahlen vorgelegt - sein Jahreseinkommen von einer Million Dollar 2006 nimmt sich vergleichsweise lächerlich aus. Man könnte auch darüber hinwegsehen, dass erkleckliche Zinseinkünfte aus Hedgefonds-Investments stammten, während sich Hillary Clinton als Kritikerin der Wall Street und als DIE Armenversteherin unter den Kandidaten präsentiert, ihr Publikum täglich mit herzergreifenden Geschichten über die Finanznöte ihrer miserabel verdienenden Wähler traktiert. Und dass sie ausgerechnet am Tag der Veröffentlichung forderte, dass ein Minister zur Armutsbekämpfung eingesetzt werden solle.

Doch selbst aus den veröffentlichten Teilen ihrer Steuererklärungen geht hervor, wie sehr sich bei den Clintons geschäftliche und politische Interessen verquicken, wie selbstverständlich in den vergangenen Jahren Geschäftspartner des Ex-Präsidenten zur (durchaus legalen) Finanzierung der politischen Maschinerie herangezogen wurden - einer Großspender-Maschinerie, die dazu dienen sollte, Hillary Clinton ins Weiße Haus zu katapultieren.

Geschäftstüchtiger Freundeskreis

Da ist etwa der kalifornische Investor und Supermarkt-Milliardär Ronald W. Burkle - als "Hillraiser" einer der großzügigen Großspender für Clintons Wahlkampf, der allerdings gleichzeitig Teilzeitarbeitgeber für Bill Clinton war: Bis zu 15 Millionen Dollar kassierte der für Beratertätigkeit bei Burkles Firma Yucaipa. Sprich: Der Ex-Präsident verkaufte ungeniert seine Beziehungen zu den Großen dieser Welt. Bill Clinton versprach, er werde seine Geschäftstätigkeit für Burkle aufgeben, falls seine Frau Präsidentschaftskandidatin würde.

Zum geschäftstüchtigen Freundeskreis gehört auch Vinod Gupta, Chef der Datenfirma Info USA - er zahlte Bill Clinton über drei Millionen Dollar, ließ die Clintons im Firmenjet fliegen und spendete brav dem Wahlkampf der Gattin.

Und in diesem Zusammenhang fällt den Beobachtern da auch jene merkwürdige Reise Clintons zu Nursultan Nasarbajew ein, dem Präsidenten in Kasachstan. Es war wohl nur ein Zufall, dass Clinton im September 2005 im Luxusjet seines kanadischen Freundes und Hundertfachmillionärs Frank Guistra nach Mittelasien flog, wie die New York Times berichtete. Der Kanadier wollte dringend Anteile an lukrativen staatlichen Uranminen in Kasachstan kaufen. Während eines Abendessens lobte Clinton den kasachischen Autokraten über den grünen Klee - aber es war sicher nur ein Zufall, dass dem Kanadier nur 48 Stunden nach dem Besuch Clintons Konzessionen an drei staatlichen Uranminen erteilt wurden. Zwei Jahre später verkaufte der Kanadier die Schürfrechte. Vermuteter Gewinn: Hunderte Millionen Dollar. Immerhin - der Mann zeigte sich dankbar: Er spendete Clintons Wohltätigkeitsstiftung mehr als 30 Millionen Dollar. Clinton selbst streitet jeden Zusammenhang mit dem Uran-Deal ab.

Eine Übernachtung im Weißen Haus

Und all diese Freundschaften, die Gefälligkeiten, die Spenden, die Beraterhonorare sollen vergessen sein, falls Hillary Clinton ins Weiße Haus einzieht? Wie war es denn damals, in der zweiten Amtszeit Clintons, als die Großspender für ihre Zahlungen mit einer Übernachtung im Lincoln-Schlafzimmer des Weißen Hauses belohnt wurden? Und hatte nicht Bill Clinton noch am letzten Tag seiner Amtszeit großzügig Amnestie für einen Steuerhinterzieher gewährt, den zwielichtigen Ölmann Marc Rich?

Vielleicht wäre es wirklich anders dieses Mal, da seine Frau Präsidentin werden will. Hatte nicht selbst Tochter Chelsea versprochen, dass Mama eine "bessere Präsidentin" wäre als einst Papa? Aber Viele, die das machtbewusste Ehepaar kennen, fürchten eine Neuauflage der Clinton-Jahre.

Im Moment sieht es nicht so aus, als könne Hillary Clinton den Beweis antreten - in der Gunst der Wähler liegt sie hinter Barack Obama. Jetzt hofft sie auf die nächste Vorwahl in drei Wochen in Pennsylvania statt. Durchschnittseinkommen dort: 45.000 Dollar im Jahr. Dafür spricht Bill Clinton gerade mal 15 Minuten.