Strategieplan USA ändern Kurs im Irak


Die USA wollen offenbar die irakische Regierung erstmals mit einem konkreten Zeitplan in die Pflicht nehmen. Sollte Ministerpräsident Nuri Al-Maliki bestimmte Vorgaben nicht erfüllen, drohen seiner Regierung Strafen.

Die USA wollen einem Zeitungsbericht zufolge angesichts des andauernden Blutvergießens im Irak ihren Kurs ändern und die Regierung in Bagdad künftig auf die Erfüllung von Vorgaben verpflichten. Dazu zähle unter anderem, der religiösen Gewalt in einer bestimmten Zeit Herr zu werden, meldete die "New York Times" am Sonntag. Sonst drohten der Regierung von Nuri Kamal al-Maliki Strafen.

US-Präsident George W. Bush räumte in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache am Samstag ein, die vergangenen Wochen seien für die amerikanischen Soldaten im Irak "schwer" gewesen. Er bekräftigte zugleich, dass die US-Regierung an ihrer Strategie im Irak festhalte, jedoch ihre Taktiken ständig anpasse.

Friedenappelle verhallen ungehört

Unterdessen verhallten zahlreiche Appelle, dem Blutvergießen zwischen Sunniten und Schiiten im Irak ein Ende zu machen. Über 40 Menschen wurden am Wochendende bei Anschlägen und Schießereien getötet. Der folgenschwerste Anschlag ereignete sich am Samstag auf einem Markt in Mahmudija südlich von Bagdad: Bei einem Mörserangriff kamen mindestens 30 Menschen ums Leben. 50 Iraker wurden verletzt.

Die "New York Times" schrieb unter Berufung auf ranghohe Beamte, es sei das erste Mal, dass die US-Regierung sich mit solchen Vorgaben an die irakische Regierung wende. Bagdad sei eingeladen, den Plan noch vor Jahresende zu beschließen. "Wenn die Iraker sich nicht darauf einlassen, müssten wir (die amerikanische Strategie) im Irak überprüfen", sagte ein Pentagonbeamter der Zeitung. Es solle jedoch nicht mit einem Abzug der US-Truppen gedroht werden.

Allein im Oktober 70 tote US-Soldaten

In seiner Radioansprache sagte Bush: "Unser Ziel im Irak ist klar und unverändert: Unser Ziel ist der Sieg." Der Präsident hatte sich am Samstag unter anderem mit dem Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Irak, General George Casey, dem Befehlshaber des Oberkommandos Mitte, General John Abizaid, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sowie dem US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, über den Kurs im Irak beraten. Nach US-Medienberichten sind im Irak allein im Oktober mehr als 70 US-Soldaten ums Leben gekommen. Bush steht vor den Kongresswahlen am 7. November besonders wegen des Krieges im Irak innenpolitisch unter immer stärkerem Druck.

Ein Nahostexperte im US-Außenministerium äußerte derweil die Einschätzung, dass den USA im Rückblick "Arroganz" und "Dummheit" bei ihrem Vorgehen im Irak vorgeworfen werden könnten. "... Ich denke, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit für heftige Kritik besteht, weil es zweifellos von Seiten der USA Arroganz und Dummheit im Irak gab", sagte Alberto Fernàndez dem Sender al-Dschasira nach Angaben des US- Fernsehsenders CNN. Ein Regierungssprecher sagte dagegen, das auf arabisch gehaltene Interview Fernàndez' sei offenbar fehlerhaft übersetzt worden.

Irakische Religionsgelehrte beider Glaubensrichtungen forderten zum Abschluss einer Konferenz, zu der die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in die saudiarabische Pilgerstadt Mekka geladen hatte, ein Ende des Blutvergießens zwischen Sunniten und Schiiten. In Rom appellierte Papst Benedikt XVI. am Sonntag an alle politischen und religiösen Führer im Irak sowie an die internationale Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, um die Spirale der Gewalt zu beenden.

DPA/Reuters DPA Reuters

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