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Streit im Nobelkomitee: Friedensnobelpreis für Obama spaltete Jury

Der Friedensnobelpreis für Barack Obama hat für viel Wirbel gesorgt. Verdient der US-Präsident die Auszeichnung? Selbst im Osloer Nobelkomitee war die Entscheidung offenbar höchst umstritten. Der Jury-Chef musste heftige Überzeugungsarbeit leisten.

Das Osloer Nobelkomitee hat sich offenbar erst nach heftigem internen Streit auf den Friedensnobelpreis für US-Präsident Barack Obama geeinigt. Die Osloer Zeitung "Verdens Gang" berichtete am Donnerstag unter Berufung auf gut informierte Kreise, dass drei der fünf Mitglieder lange Zeit gegen die Vergabe an Obama gewesen seien. Die überraschende Auszeichnung für den amerikanischen Präsidenten hatte in aller Welt große Zustimmung gefunden, aber auch viel Kritik ausgelöst.

Das Komitee wird nach einem norwegischen Parteienproporz zusammengestellt und derzeit vom sozialdemokratischen Ex-Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland geleitet. Nach Angaben von "Verdens Gang" sollen die konservative Ex-Ministerin Kaci Kullmann Five, die Linkssozialistin Agot Valla und Inger Marie Ytterhorn von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei mit unterschiedlichen Begründungen gegen den Preis für den amerikanischen Präsidenten argumentiert haben.

Streit um Zeitpunkt und Afghanistan-Krieg

Während Ytterhorn die Auszeichnung Obamas ein dreiviertel Jahr nach dessen Amtsantritt im Weißen Haus für zu früh und zu riskant hielt, verwies Valla auf den von den USA fortgeführten Krieg in Afghanistan. "Ich hätte mehr Diskussion erwartet, vor allem in Bezug auf den Krieg in Afghanistan, den ich selbst problematisch finde", sagte Valla der Zeitung "Bergens Tidende".

Ytterhorn hatte am Mittwoch gegenüber US-Medien erklärt, nach ihrem Eindruck sei Obama nicht sehr froh über die Vergabe des Friedensnobelpreises gewesen. Öffentliche Äußerungen von Komiteemitgliedern über den streng geheimen Entscheidungsprozess haben absoluten Seltenheitswert.

Als treibende Kraft hinter der am Ende einstimmig gefassten Entscheidung gilt Jagland, der von seiner Parteikollegin Sissel Rønnebek unterstützt wurde. Er begründete die Vergabe an Obama damit, dass dieser die globale politische Grundstimmung in kurzer Zeit massiv in Richtung auf Dialog, Kooperation und Abrüstung verändert habe. Obama will zur Verleihung am 10. Dezember nach Oslo reisen.

DPA / DPA