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Sturz nach Sex-Skandal: Strauss-Kahn sieht sich als Opfer politischer Intrigen

In einem neuen Enthüllungsbuch erhebt Dominique Strauss-Kahn schwere Vorwürfe: Der einstige Hoffnungsträger der Sozialisten ist überzeugt, dass der Zimmermädchen-Skandal von seinen politischen Gegnern gelenkt wurde.

Eigentlich war die Führungsfrage bei den französischen Sozialisten schon entschieden: Mit Dominique Strauss-Kahn stand ein selbstbewusster Leitwolf an der Spitze, den viele Politbeobachter schon als neuen französischen Präsidenten handelten. Dann kam der 14. Mai 2011 - und innerhalb weniger Wochen verlor Strauss-Kahn nicht nur seinen Posten als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), sondern auch seine Glaubwürdigkeit.

Die versucht "DSK" nun zurückzugewinnen. In dem Enthüllungsbuch "Drei Tage im Mai - Sex, Überwachung und DSK" des US-amerikanischen Journalisten Edward Epstein präsentiert der geschasste Politiker nun seine Sicht des Skandals. Wichtigste Erkenntnis: Strauss-Kahn hält seine politischen Gegner mitverantwortlich für seinen Sturz. Er hätte nicht gedacht, dass diese "so weit gehen würden", sagte der 63-Jährige in einem von der britischen Zeitung "The Guardian" am Freitag veröffentlichten Interview mit dem US-Journalisten Edward Epstein.

Epstein verdeutlichte, mit "sie" habe Strauss-Kahn "Agenten" des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gemeint. Der Zeitung zufolge glaubt Strauss-Kahn aber nicht, dass die ihm vorgeworfene versuchte Vergewaltigung eines Zimmermädchens in einem New Yorker Hotel von seinen Gegnern eingefädelt wurde. Er sei aber überzeugt, dass der folgende Verlauf des Skandals von seinen politischen Gegnern mit gelenkt wurde.

Vom Präsidentenanwärter zur Persona non grata

Epsteins Buch über den Skandal erscheint am Montag. Der Journalist hatte im November die These eines Komplotts vertreten. Er verwies unter anderem auf rund dreiminütige Videoaufnahmen des Hotels, in denen nach seiner Interpretation zwei Hotelangestellte die Vergewaltigungsvorwürfe des Zimmermädchens demonstrativ feierten. Diese gibt an, dass Strauss-Kahn sie am 14. Mai zu Oralsex gezwungen habe. Der 63-Jährige spricht dagegen von "einvernehmlichem Sex".

In dem Interview am Freitag sagte Strauss-Kahn, er habe eigentlich am 15. Juni 2011 seine Präsidentschaftskandidatur verkünden wollen. Wegen des Skandals war er jedoch zum Rücktritt von seinem Posten als IWF-Chef gezwungen. Auch mit der Präsidentschaftskandidatur der Sozialisten, als deren sicherer Anwärter er gegolten hatte, wurde es nichts. Strauss-Kahns Parteifreund François Hollande geht nun am 6. Mai als Favorit in die Stichwahl gegen den konservativen Sarkozy.

jwi/AFP / AFP