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Südafrika: Tödliche Jagd auf Ausländer

In Teilen Johannesburgs spielen sich seit Tagen bürgerkriegsähnliche Szenen ab. Aufgebrachte Banden jagen Flüchtlinge aus Simbabwe und Mosambik, die ihnen angeblich Arbeitsplätze und Frauen stehlen. Die Medien des Kap-Staates sprechen bereits von regelrechten "Kriegszonen".

Hasserfüllt und gewaltbereit suchen sie nach ihren Feinden, den Zuwanderern. Sie haben sich mit Macheten und Pistolen bewaffnet, durchkämmen Townships und Hochhäuser. In Südafrikas Wirtschaftszentrum Johannesburg lodern die "Flammen des Hasses", schreibt die Zeitung "The Star".

In den vergangenen Tagen kamen bei den Angriffen laut Polizeiangaben mindestens 22 Menschen ums Leben. Geplünderte Läden, ausgebrannte Autowracks und brennende Barrikaden prägen an vielen Orten das Bild. Pogrom-Stimmung macht sich breit und greift immer schneller um sich. Schon gibt es Befürchtungen, sie könnte auch andere Landesteile erfassen.

"Wie Guerilla-Kämpfer griff der Mob Ausländer an, verschwand wieder, gruppierte sich neu und griff wieder an", schreibt die Zeitung, die das Foto eines zu Tode brennenden Opfers auf ihre Titelseite gesetzt hat. Neben dem Mann liegen blutbefleckte Betonpfeiler, mit denen das Opfer zuvor geschlagen worden war. Die Medien des Kap-Staates sprechen bereits von "totaler Anarchie" und regelrechten "Kriegszonen".

Eric, ein im Stadtzentrum wohnender junger Simbabwer, verdächtigt "Zulu-Horden", hinter den Attacken zu stecken. Die Regierung dagegen vermutet "kriminelle Elemente", die den Fremdenhass für Plünderungen und Vergewaltigungen ausnutzten, und ordnete eine Untersuchung an.

"Sie nehmen uns Arbeit und Frauen weg"

Derweil erklären Taxifahrer ihren Besuchern bereitwillig, dass es eine Art Selbstschutz sei, Ausländer aus dem Land zu jagen: "Sie stehlen, sie sind kriminell, sie nehmen uns Arbeit und Frauen weg und sie würden uns töten, wenn wir ihnen nicht zuvorkämen."

Tausende Ausländer sind bereits vertrieben oder drängen sich in Kirchen, Gemeindesälen und Polizeiwachen; andere sind verängstigt untergetaucht oder planen ihre eigene Verteidigung, da die Polizei kaum noch mit den Exzessen fertig wird. Schon sind erste Fälle bekannt, wo sich Opfer zur Wehr setzten und unter den Augen der Polizei Feuergefechte mit den Angreifern lieferten. Auch Fiona, eine aus Simbabwe stammende Kellnerin, erklärt mit entschlossener Stimme: "Ich werde mir noch heute eine Waffe besorgen."

Der Zorn der Banden beschränkt sich jedoch nicht auf Ausländer. Auch Südafrikaner aus ärmeren Landesteilen sind vor ihm nicht gefeit. Selina, eine aus der südafrikanischen Limpopo-Provinz stammende Putzfrau mit Wohn- und Arbeitsplatz in Johannesburg, erklärt verängstigt: "Sie klopften auch an meine Tür und wollten wissen, warum ich nicht in meine Provinz abhaue."

Ein Jahr vor den nächsten Wahlen am Kap werfen Medien die bange Frage auf, ob die wegen ihrer Versöhnungspolitik weltweit geachtete Regenbogen-Nation von Nelson Mandela auf einen selbstzerstörerischen Kurs zusteuert.

In Durban war gerade Afrikas größte Tourismusmesse "Indaba" beendet, als die ausländerfeindlichen Exzesse in Johannesburgs Township Alexandra begannen. Auf der Messe hatte sich Südafrika noch als sympathisches Gastland der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 präsentiert. Ein Karikaturist griff das Bild auf und porträtierte einen Südafrikaner, der auf einen Ausländer eindrischt und ihm mit den Worten die Tür weist: "Hau ab - aber komm 2010 wieder und bring auch gleich noch einen Freund mit!"

Ralf E. Krüger/dpa / DPA
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