Südkoreaner in Afghanistan Kabul will Geiseln doch nicht freikämpfen


In Afghanistan ist nicht nur die Sicherheit prekär, sondern auch die Nachrichtenlage. Hieß es am Mittag noch, die Regierung plane eine gewaltsame Befreiung der südkoreanischen Geiseln, bestritten dies am Nachmittag die Regierungen in Kabul und Seoul. Der Informant einer Agentur sagte, man habe ihn falsch zitiert.

21 südkoreanische Geiseln haben die Taliban in Afghanistan in ihrer Gewalt. Zwei Südkoreaner haben die Geiselnehmer bereits ermordet. Und die Situation spitzt sich zu. Am Mittwochmittag mitteleuropäischer Zeit verstrich ein Ultimatum der Taliban. Offenbar ist nicht nur die Situation der Geiseln äußert prekär, sondern auch die Lage der Nachrichten: Am Mittwochmittag meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass die afghanische Armee nach Angaben eines Vertreters der örtlichen Regierung eine gewaltsame Befreiungsaktion für die Geiseln plane. Die Armee habe Flugblätter verteilt, um die Bevölkerung vor einem bevorstehenden Militäreinsatz zu warnen, soll demnach Chowdscha Seddiki gesagt haben, der Distriktschef von Karabagh in der Provinz Gasni. Im Laufe des Nachmittags musste Reuters die Meldung jedoch zurückziehen. "Der zitierte afghanische Behördenvertreter hat die ihm zugeschriebenen Äußerungen nicht gemacht", berichtete Reuters. Auch die Regierungen in Kabul und Seoul wiesen Berichte über eine gewaltsame Befreiung zurück. Die Taliban haben für den Fall einer Militäroperation zur Befreiung der Geiseln gedroht, die Südkoreaner zu töten.

Die Geiseln seien auch nach dem Ablauf des Ultimatums der Taliban am Mittwoch noch am Leben.

"Wir sind über eine solche Aktion nicht informiert worden"

Die jüngste Frist für die Südkoreaner war am Mittwoch um 9.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit abgelaufen. Nach Taliban-Angaben sind die Geiseln in einem kritischen Zustand. Die Mehrzahl der Koreaner sei erkrankt, zwei Frauen sehr schwer, sagte ein Sprecher. Die ursprünglich 23 christlichen Aufbauhelfer waren vor eineinhalb Wochen verschleppt worden. Zwei südkoreanische Männer wurden von den Taliban in den vergangenen Tagen getötet.

Zweifel an den Meldungen über eine gewaltsame Befreiung hatte auch das Verhalten der südkoreanischen Regierung in den vergangenen Tagen genährt, denn nach dem Mord an der zweiten Geisel hatte Seoul seine Bemühungen um eine Beendigung der Krise auf dem Verhandlungsweg verstärkt. Der Chef-Unterhändler der afghanischen Regierung, Wahidullah Muschadidi, sagte der Deutschen Presseagentur, Seoul wolle direkte Gespräche mit den Taliban aufnehmen. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf Regierungsbeamte in Seoul, auch die Beratungen mit den USA über eine Lösung sollen intensiviert werden. Südkorea versuche, sich von der Abhängigkeit von der afghanischen Regierung hinsichtlich des Vorgehens in dem Entführungsfall zu lösen. Der Sprecher des Außenministeriums in Seoul, Lee Youn Soo, sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap, die afghanische Regierung werde keine Militäroperation ohne die Zustimmung Südkoreas beginnen. "Wir haben eine solche Rettungsoperation nicht genehmigt", sagte Lee Youn Soo. "Wir sind über eine solche Aktion auch nicht informiert worden."

Kabul bestreitet Pläne für militärische Befreiung

Auch die afghanische Führung bemühte sich am Mittwoch, den Eindruck zu verwischen, sie plane eine militärische Befreiungsaktion. Jene Operation, die man in der südostafghanischen Provinz Ghasni gegen die Taliban begonnen habe, diene nicht dazu, die Geiseln zu befreien, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Kabul. Die Rebellen fordern die Freilassung von acht Gesinnungsgenossen aus der Haft.

DPA, Reuters DPA Reuters

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