Südkoreanische Geiseln "Verhandlungen nur auf Taliban-Boden"


Entgegen früherer Aussagen wollen die USA eine militärische Aktion beim Geisel-Drama in Afghanistan nicht ausschließen. Doch zunächst stehen Verhandlungen an, und Taliban und Südkoreaner streiten nun darüber, wo genau die stattfinden sollen.

Im Nervenkrieg um die 21 südkoreanischen Geiseln in Afghanistan wollen die Entführer die Unterhändler der südkoreanischen Regierung nach eigenen Angaben nur auf Taliban-Gebiet treffen. Der Sprecher der Islamisten, Kari Jussif Ahmadi schloss Orte wie die Lager von Aufbauteams oder Bezirkszentren in der südostafghanischen Provinz Ghasni für eine Zusammenkunft aus. "Das Treffen sollte in einer Region stattfinden, die unter Kontrolle der Taliban ist", sagte er der Nachrichtenagentur DPA. Vertreter der islamischen Extremisten hielten sich in Ghasni für ein bilaterales Treffen mit südkoreanischen Unterhändlern bereit.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap hatte zuvor unter Berufung auf Informanten berichtet, Unterhändler stünden mit den Taliban in Kontakt, um einen möglichen Treffpunkt für direkte Gespräche auszuhandeln. Seoul will sich durch direkte Verhandlungen mit den Taliban offenbar aus der Abhängigkeit von der afghanischen Regierung lösen, deren Delegation bislang keinen Durchbruch erzielt hat. Die Radikalen verlangen im Austausch für ihre 21 südostasiatischen Geiseln die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen. Die afghanische Regierung will der Forderung aber nicht nachkommen.

Seoul mahnt "Flexibilität" an

Derweil bemühen sich mehrere südkoreanische Abgeordnete in der Geiselkrise um Unterstützung der USA, die Konzessionen an die von ihnen als terroristisch eingestuften Taliban ablehnen. Die Führung in Seoul hat in der Geiselkrise "Flexibilität" angemahnt. Diese Wortwahl lässt nach Einschätzung von Experten auf eine Bitte an die USA schließen, auf Afghanistan einzuwirken, sich mit den Taliban zu verständigen. Die Geiselkrise dürfte auch Gegenstand der Gespräche sein, zu denen US-Präsident George W. Bush und sein afghanischer Kollege Hamid Karsai und Montag in Camp David zusammenkommen.

Entgegen der bisherigen Darstellung schließen die USA anscheinend doch nicht militärische Aktionen zur Befreiung der Koreaner aus. Ziel sei es, die Verschleppten friedlich und sicher freizubekommen. Doch müssten alle Druckmittel gegen die Taliban angewandt werden, um sie zur Freilassung der Geiseln zu zwingen, sagte der für die Region zuständige Abteilungsleiter im Außenministerium, Richard Boucher. "Es gibt Dinge, die wir sagen, Dinge, die andere sagen, Dinge, die in der afghanischen Gesellschaft getan und gesagt werden, und es gibt potenzielle militärische Druckmittel", so Boucher weiter.

Zwei der 23 Geiseln ermordet

Der südkoreanische Außenminister Song Min Soon hatte zuvor nach einem Treffen mit dem stellvertretenden US-Außenminister John Negroponte in Manila mitgeteilt, beide Seiten hätten sich darauf geeinigt, einen Militäreinsatz in dem Entführungsfall auszuschließen. Die 23 Südkoreaner waren am 19. Juli verschleppt worden; zwei der Geiseln wurden später von ihre Entführern erschossen.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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