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Syrien spricht von Verrat Offizier desertiert samt Kampfjet


Ein Offizier aus Syrien hat sich samt seiner Militärmaschine nach Jordanien abgesetzt. Das Kabinett gewährte dem desertierten Piloten Asyl. Während der syrische Verteidigungsminister vor Wut tobt, gehen die Gräueltaten gegen sein eigenes Volk weiter.

Nach der Flucht eines syrischen Kampfpiloten nach Jordanien hat die jordanische Regierung dem Offizier Asyl gewährt. Syrien bezeichnete den Piloten am Donnerstag als "Verräter" und forderte die Rückgabe des Kampfflugzeugs, mit dem er über die Grenze geflohen war. Es war das erste Mal seit Beginn der Revolte im März 2011, dass ein Angehöriger des Militärs mit seinem Flugzeug desertierte.

Oberst Hassan Merhi al Hamade war am Morgen mit seinem MiG-21-Jäger auf einem grenznahen Luftwaffenstützpunkt gelandet. Das Kabinett gewährte dem Kampfpiloten auf dessen Bitte hin Asyl, wie Informationsminister Samih Maajtah bestätigte. Der oppositionelle Syrische Nationalrat begrüßte den Vorfall und rief weitere Piloten zur Flucht in arabische Nachbarländer auf. Al Hamade habe sich "für sein Volk und seine Revolution" entschieden.

Nach Angaben des Nationalrats war al Hamade im Tiefflug über die Grenze geflogen, um dem Radar zu entgehen. Der syrische Verteidigungsminister erklärte laut Staatsfernsehen, der Pilot habe die Nation und die militärische Ehre verraten und werde nach den dafür vorgesehenen Regeln bestraft. Es seien Verhandlungen mit Amman im Gange, um den Kampfjet zurückzubekommen.

US-Botschafter ruft Soldaten zum Nachdenken auf

Der aus Sicherheitsgründen aus Syrien ausgereiste US-Botschafter Robert Ford rief die syrischen Soldaten in einem offenen Brief dazu auf, ihr Verhalten zu überdenken. "Die Rolle einer Armee ist es, das Land zu verteidigen und seine Bürger zu beschützen, nicht ihnen weh zu tun", schrieb Ford im Internetnetzwerk Facebook. Er warf einigen Offizieren vor, eine treibende Rolle bei den "Terror- und Folterkampagnen" gespielt zu haben.

Am Donnerstag wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Syrien rund 120 Menschen getötet, darunter mindestens 66 Zivilisten. Es war damit einer der blutigsten Tage seit Mitte April. Seit Beginn des Konflikts wurden nach Angaben der Organisation mehr als 15.000 Menschen getötet. Bei den Opfern handelte es sich demnach um fast 10.500 Zivilisten, mehr als 3700 Soldaten und 830 Deserteure.

Die Arabische Liga forderte Russland zu einem Ende von Waffenlieferungen an Syrien auf, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Russland gab derweil erstmals zu, dass der am Dienstag in britischen Gewässern umgedrehte Frachter "Alaed" Kampfhubschrauber nach Syrien transportieren sollte. Die drei Hubschrauber gehörten Syrien und seien in Russland aufgrund bestehender Verträge repariert worden, erklärte Außenminister Sergej Lawrow.

kave/DPA/AFP DPA

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