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Telefonkonferenz der Troika Bekommt Griechenland weitere Milliarden?


Griechenland braucht die Milliarden aus dem Rettungspaket von IWF, EZB und EU dringend. Ob das Geld fließt, stellt sich bei einer Telefonkonferenz der Troika mit dem griechischen Finanzminister Venizelos heraus.

Griechenland arbeitet mit Hochdruck daran, die Auflagen von EU und IWF zu erfüllen und damit die Auszahlung der nächsten Tranche sicherzustellen. Am Montag wird sich Finanzminister Evangelos Venizelos mit den Experten von IWF, EZB und EU-Kommission darüber beraten. Zudem ist eine weitere Kabinettssitzung in Athen für den Abend geplant. Der IWF mahnte von den Griechen weitere Sparanstrengungen an. Es seien zusätzliche Schritte nötig, um das griechische Defizit auf ein nachhaltiges Niveau zu senken, sagte IWF-Vertreter Bob Traa.

"Wenn wir einen Zahlungsausfall vermeiden, die Situation stabilisieren und in der Eurozone bleiben wollen, müssen wir umfassende strategische Entscheidungen treffen," sagte Venizelos am Sonntagabend nach einer Kabinettssitzung. Angesichts der sich verschärfenden Krise hatte Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Samstag seine USA-Reise abgesagt. Für Montag wurde eine Telefonkonferenz von Vertretern der EU, der EZB und des IWF mit Venizelos angesetzt. Ein Treffen der EU-Finanzminister am Wochenende hatte keine neuen Impulse zur Lösung der Krise gebracht.

Die Finanzmärkte reagierten am Montag enttäuscht auf die anhaltende Hängepartie. Der Dax fiel zur am Vormittag um rund drei Prozent auf 5410 Punkte, der EuroStoxx50 verlor 2,8 Prozent. Auch der Euro gab nach: Mit 1,3644 Dollar kostete er mehr als einen US-Cent weniger als zum New Yorker Freitagsschluss. Zudem gerieten die Anleihen anderer Euro-Schuldenstaaten wieder unter Druck. Die Risikoaufschläge (Spreads) für zehnjährige italienische und spanische Bonds weiteten sich im Vergleich zu den entsprechenden Bundesanleihen um jeweils 16 auf 382 beziehungsweise 361 Basispunkte aus, teilte der Datenanbieter Tradeweb mit.

"Es gab die Erwartung, dass die EU irgendwelche neuen Maßnahmen zur Stabilisierung der Peripherie bekanntgeben und damit den Druck lindern würde", sagte Finanzmarkt-Stratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. "Aber sie haben absolut nichts getan." Griechenland braucht im Oktober die nächste Hilfszahlung in Höhe von acht Milliarden Euro, um Löhne und Gehälter auszahlen zu können. Die Entscheidung über die Auszahlung vertagten die EU-Finanzminister auf Anfang Oktober.

Der Ball liegt im Feld der Griechen

IWF-Vertreter Traa sagte am Montag, Griechenland verdiene zwar Respekt für seine fiskalischen Anstrengungen. Es müsse aber weitere Fortschritte geben. "Der Ball liegt im Feld der Griechen, entscheidend ist die Umsetzung der Reformen." Nach Medienberichten legte die Troika der Regierung in Athen eine Liste von 15 Sparmaßnahmen vor, die schneller umgesetzt werden müssen. Demnach sollten die Griechen beginnen, Mitarbeiter im Staatsdienst zu entlassen, Staatsgehälter und Pensionen zu kürzen oder einzufrieren, Heizölsteuern zu erhöhen, verlustbringende staatliche Organisationen zu schließen, die Gesundheitsausgaben zu senken und Privatisierungen zu beschleunigen.

Venizelos betonte, Griechenland müsse den Teufelskreis der Schuldenkrise so schnell wie möglich verlassen. Die Wirtschaft werde im laufenden Jahr um 5,5 Prozent schrumpfen. Eines der Hauptprobleme sei Liquidität für die Wirtschaft. Auch der IWF mahnte zur Geduld. Es seien keine Wunder möglich, die Umsetzung der Strukturreformen brauche Zeit, sagte Traa. Allerdings steht die Regierung bei den europäischen Partnern in der Kritik, in den vergangenen Monaten nicht genügend getan zu haben. Bereits im Frühjahr 2010 musste Griechenland das erste Mal mit Milliardenhilfen gestützt werden.

tmm/Reuters/DPA DPA Reuters

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