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Terror-Alarm in Boston: Ausnahmezustand in Watertown

Boston steht still: Schulen und Geschäfte bleiben geschlossen. Busse und Bahnen sind gestoppt. Einwohner sollen zu Hause bleiben. Denn die Polizei jagt noch einen Terror-Verdächtigen. Ein Überblick.

Vier Tage nach den Bombenanschlägen auf den Boston Marathon hat die Polizei bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd einen der Tatverdächtigen getötet. Der zweite ist auf der Flucht, teilte der Bostoner Polizeikommissar Ed Davis mit. Er hält die gesamte Stadt in Atem. Die Bürger des Stadtteils Watertown, wo die Sicherheitskräfte sich mit den Verdächtigen einen Schusswechsel lieferten, sind aufgefordert, ihre Türen verschlossen zu halten. In einem Großeinsatz mit Unterstützung von Bundesbeamten durchsucht die Polizei ein Haus nach dem anderen auf der Suche nach dem Flüchtigen. Der Nahverkehr in der Millionenstadt ist gestoppt, und die Straßen in und nach Watertown sind abgeriegelt.

Es begann an der Elite-Universität

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gingen gegen 22.20 Uhr (4.20 Uhr MESZ) bei der Polizei Meldungen über Schüsse am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ein. Wenig später wurde ein Beamter der Campus-Polizei angeschossen in seinem Wagen gefunden. Er starb an seinen Verletzungen. Die Ermittlungen ergaben, dass zwei Männer an dem Vorfall beteiligt waren. Kurze Zeit später haben zwei Männer mit gezogenen Waffen ein Auto gekapert und den Fahrer eine halbe Stunde in ihrer Gewalt gehalten, bevor er unverletzt an einer Tankstelle im Stadtteil Cambridge ausgesetzt wurde. Die Fahndung nach dem Fahrzeug mündete in eine Verfolgungsjagd, bei der die Männer Sprengsätze aus dem Auto warfen und sich ein Schusswechsel entwickelte. Ein Polizist und ein Verdächtiger wurden verletzt. Der Tatverdächtige wurde im Krankenhaus für tot erklärt. Ein Arzt des Beth Israel Deaconess Medical Centers sagte, der Mann habe mehrere Schusswunden und möglicherweise Verletzungen durch einen Sprengsatz gehabt. Die Zahl der Einschüsse sei "nicht zu zählen gewesen"

Brüder aus Tschetschenien

Laut Medieninformationen handelt es sich bei den Terrorverdächtigen um Brüder aus Tschetschenien im Alter von 19 und 20 Jahren. Die beiden Männer sollen vor mindestens zwei Jahren eingewandert sein und legal in den USA leben. Ein Motiv für den blutigen Anschlag beim Boston-Marathon, bei dem am Montag drei Menschen getötet und 180 verletzt wurden, nannten die Medien nicht.

"Ein Mann, der zum Töten gekommen ist"

Fotos von zwei Verdächtigen veröffentlicht. Auf Videoaufnahmen waren sie mit Rucksäcken zu sehen, in denen sich die Bomben befunden haben sollen. Einer der beiden stellte seinen Rucksack ab. Einer der Männer trug eine dunkle Baseball-Mütze, der zweite eine helle. Bei dem flüchtigen Verdächtigen soll es sich nach Polizeiangaben um den Mann mit der weißen Mütze handeln. "Ein Verdächtiger tot. Einer auf der Flucht. Bewaffnet und gefährlich. Mann mit weißer Mütze flüchtig", schrieb Polizeikommissar Davis auf Twitter. Später erklärte er: "Wir glauben, dass es sich um einen Terroristen handelt. Wir glauben, dass dies ein Mann ist, der zum Töten hierher gekommen ist. Wir müssen ihn fassen." Bei dem Anschlag am Montag waren zwei Bomben in kurzer Folge im Zieleinlauf des Marathons explodiert.

swd/Reuters/DPA / DPA / Reuters