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Terroranschläge: Londoner Polizei erschießt Verdächtigen

In London hat die Polizei einen Terror-Verdächtigen festgenommen und einen weiteren erschossen. Scotland Yard veröffentlichte zudem Fotos der vier Männer, die Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus zünden wollten. US-Präsident George Bush bot den Briten seine Unterstützung an.

Am Tag nach den jüngsten Anschlägen in London hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen und einen weiteren vor den Augen zahlreicher Pendler erschossen. Der Mann flüchtete vor den Zivilpolizisten in eine U-Bahn am Bahnhof Stockwell, laut Augenzeugen baumelten Drähte von seinem Gürtel. Die Beamten hätten ihm zwei Mal in den Kopf und drei Mal in den Rumpf geschossen. Auch die Festnahme erfolgte im Stadtteil Stockwell im Süden Londons.

Beide Vorfälle stehen nach Polizeiangaben in direktem Zusammenhang zu den Anschlägen vom Donnerstag. "Jeder Tod ist bedauerlich", sagte Polizeichef Ian Blair. "Aber der Mann wurde verfolgt und widersetzte sich den Beamten." Nähere Angaben über die Festnahme lagen zunächst nicht vor.

Scotland Yard bittet um Mithilfe

Scotland Yard veröffentlichte auch Fotos der vier Männer, die am Donnerstag Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus zünden wollten. Blair erklärte, die jüngsten terroristischen Aktionen wiesen erhebliche Parallelen zu den tödlichen Anschlägen vom 7. Juli auf. Die Bomben hätten selbst gemachten Sprengstoff enthalten. Es seien offenbar nur die Zünder explodiert.

Eines der am Freitag veröffentlichten Bilder zeigte einen bärtigen Mann auf dem Oberdeck des angegriffenen Busses. Veröffentlicht wurde ferner die Aufnahme eines Mannes, der aus der U-Bahn-Station Oval herausrennt. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "New York". Zwei weitere Bilder zeigen ebenfalls Männer an U-Bahn-Stationen. Die Polizei rief die Bevölkerung auf, bei der Suche nach den Männern zu helfen.

Bekennerschreiben im Internet

Es war zunächst unklar, ob es sich bei der in Stockwell getöteten Person und bei dem Festgenommenen um mutmaßliche Täter vom Donnerstag handelte. "Die Polizisten riefen: ’Hinlegen! Hinlegen!’, schilderte Anthony Larkin der BBC die dramatischen Szenen am U-Bahnhof. "Dann sah ich diesen Typen, der offenbar einen Sprengstoffgürtel trug. Die Menschen gerieten in Panik, dann fielen die Schüsse."

Auf einer islamistischen Website bekannte sich am Freitag eine mit dem Netzwerk Al Kaida in Verbindung stehende Organisation zu den vier gescheiterten Anschlägen. In dem Schreiben der Abu-Hafs-al-Masri-Brigaden wurden weitere Angriffe in Italien, den Niederlanden und Dänemark angedroht, weil Soldaten aus diesen Ländern im Irak stationiert seien. Die Organisation hat sich bereits zu der Terrorserie vom 7. Juli bekannt, allerdings auch zu zahlreichen anderen Anschlägen, bei denen ihre Täterschaft bezweifelt wird.

Moschee geräumt und abgeriegelt

Im Osten Londons wurde nach einer Bombendrohung eine der größten Moscheen der Stadt geräumt und für etwa eine Stunde abgeriegelt. Später stellte sich nach Polizeiangaben heraus, dass es sich um einen Fehlalarm gehandelt hatte. Der Leiter der Moschee, Mohammed Abdul Bari, sagte, ein Anrufer habe vor einer Explosion gewarnt.

Bush bietet Briten Unterstützung an

US-Präsident George W. Bush erklärte am Abend, die Briten könnten auf die Unterstützung der USA zählen. "Die Menschen in Großbritannien sollen wissen, wie eng Amerika in diesen harten Zeiten an ihrer Seite steht." Er sei zuversichtlich, dass sich die Briten ebenso wenig durch Terror einschüchtern ließen wie die Amerikaner. "Niemand kann uns durch Furcht von unserer Freiheitsliebe abbringen."

AP