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Terrorprozess: Moussaoui-Prozess droht zu platzen

Im Terrorprozess gegen den französischen Staatsbürger Zacarias Moussaoui droht der US-Regierung eine schwere Schlappe. Die Richterin erwägt, den Prozess einzustellen. Grund ist eine unerlaubte Zeugenbeeinflussung.

Im bislang einzigen US-Terrorprozess im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 droht der Regierung in Washington wegen unerlaubter Zeugen-Beeinflussung eine schwere Schlappe. Bezirksrichterin Leonie Brinkema vertagte das Verfahren gegen den französischen Staatsbürger Zacarias Moussaoui am Montag in Alexandria (US-Bundesstaat Virginia), nachdem Zeugen der Anklage vertrauliche Informationen aus bisherigen Aussagen erhalten hatten. Die Richterin sprach nach US-Medienberichten von einer ungeheuerlichen Verletzung der Verfahrensregeln, die eine Fortsetzung des Prozesses sehr schwierig mache.

Ein Anwalt hat den Angaben zufolge Mitarbeitern der Verkehrssicherheitsbehörde (TSA), die als Zeugen aussagen sollen, die Abschriften der Eröffnungsplädoyers und der ersten Aussagen übermittelt und ihnen außerdem Ratschläge gegeben, wie sie auf Fragen antworten sollen.

Die Verteidigung verlangte daraufhin die Einstellung des Verfahrens oder aber die Todesstrafe auszuschließen. Da sich Moussaoui in wesentlichen Anklagepunkten schuldig bekannt hat, geht es in dem Verfahren lediglich darum, ob er zu einer lebenslangen Haftstrafe oder zum Tode verurteilt wird.

Ankläger forderte Todesstrafe

Für die US-Regierung wären sowohl eine Einstellung des Verfahrens als auch ein Verzicht auf die Todesstrafe eine Niederlage. Die Ankläger hatten zu Beginn des Prozesses am Montag vergangener Woche die Todesstrafe gefordert. Der aus Marokko stammende französische Staatsbürger hätte die Anschlagspläne enthüllen und damit fast 3000 Menschenleben retten können, begründete Staatsanwalt Robert Spencer die Forderung.

Moussaoui hat sich wiederholt als glühender Bin-Laden-Verehrer und El-Kaida-Mitglied bezeichnet. Im April vergangenen Jahres bekannte er sich schuldig, unter anderem wegen Verschwörung zur Begehung von Terrorakten. Mit den Anschlägen vom 11. September habe er aber nichts zu tun gehabt.

Am 11. September 2001 hatten 19 Terroristen vier Flugzeuge entführt und sie in die beiden Türme des New Yorker World Trade Center sowie in das Pentagon in Washington gesteuert. Die vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab.

DPA / DPA