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9/11-Prozess: "Werde jeden Zoll gegen die Todesstrafe ankämpfen"

Zacarias Moussaoui hat vor einem US-Gericht seine Beteiligung an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zugegeben. Gegen die drohende Todesstrafe will er mit allen Mitteln angehen.

Der in den USA wegen Beteiligung an den Anschlägen vom 11. September 2001 angeklagte Zacarias Moussaoui hat sich schuldig bekannt, will sich aber entschieden gegen die ihm drohende Todesstrafe wehren. Der aus Marokko stammende 36-Jährige mit französischer Staatsbürgerschaft sagte bei dem Prozess in Alexandria nahe Washington zu der Bundesrichterin Leonie Brinkema: "Ich werde jeden Zoll gegen die Todesstrafe ankämpfen." Er erklärte, er erwarte keine Milde von den Amerikanern.

Moussaoui berichtete erstmals öffentlich, dass er von dem Anführer des Terrornetzwerks Al Kaida, Osama bin Laden, persönlich den Auftrag erhalten habe, ein gekapertes Großraumflugzeug vom Typ Boeing-747 ins Weiße Haus in Washington zu steuern. Unklar blieb, wann dies geschehen sollte.

Moussaoui ist angeklagt, mit der Führung von Al Kaida und den Selbstmordattentätern, die am 11. September 2001 Verkehrsflugzeuge gegen die Wolkenkratzer des World Trade Centers in New York und gegen das US-Verteidigungsministerium in Washington steuerten, zusammengearbeitet zu haben, um Verderben über Amerikaner zu bringen. Richterin Brinkema las ihm die sechs Anklagepunkte vor, und bei jedem bekannte sich Moussaoui schuldig.

Bislang hatte er zwar Verbindungen zu Bin Laden und die Zugehörigkeit zu Al Kaida eingeräumt, eine Verwicklung in die Terroranschläge aber verneint. Er sagte nun, eine Unterredung mit der Richterin in dieser Woche habe ihm mehr Klarheit über seine Rechte verschafft.

Anklage wird die Todesstrafe beantragen

Vier der Straftatbestände können mit der Todesstrafe geahndet werden. US-Justizminister Alberto Gonzales kündigte bei einer Pressekonferenz an, die Anklage werde eine Verurteilung zum Tod beantragen. Moussaoui war schon vor den Anschlägen verhaftet worden, war aber nach Ansicht der Anklage in die Terrorpläne eingeweiht. Er ist bislang der einzige Verdächtige, der in den USA im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 vor Gericht steht.

Verteidigung zweifelt an Zurechnungsfähigkeit

Seine Strafverteidiger zogen seine Zurechnungsfähigkeit in Zweifel. In einem Antrag an das Gericht vertraten sie die Ansicht, ihr Mandant sei nicht in der Lage, ein Schuldeingeständnis für ein mit Todesstrafe bedrohtes Verbrechen abzugeben. Die Richterin ließ die Schuldbekenntnisse aber zu. Sie hatte am Mittwoch mit Moussaoui gesprochen, um sich ein Bild von ihm zu machen. Sie erklärte, sie halte ihn für prozessfähig.

Moussaoui war im August 2001 festgenommen worden, weil sein Visum abgelaufen war. Er war in einer Fliegerschule im Staat Minnesota aufgefallen, weil er gleich das Fliegen einer Boeing-747 erlernen wollte, obwohl er keinen Pilotenschein für kleinere Flugzeuge hatte. Am 11. September 2001 saß er hinter Gittern.

AP/DPA / AP / DPA