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Terrorprozess: Richterin erlaubt Cockpit-Aufnahmen von 9/11

Im einzigen Prozess wegen der Terroranschläge vom 11. September wird erstmals ein Tonband aus einem der entführten Flugzeuge öffentlich abgespielt. Es dient als Beweismittel gegen den Angeklagten Zacarias Moussaoui, der dadurch zum Tode verurteilt werden könnte.

Der einzige US-Prozess wegen der Anschläge vom 11. September geht heute in seine abschließende Phase. Die Jury muss entscheiden, ob der Angeklagte Zacarias Moussaoui zu Tode verurteilt wird oder lebenslänglich hinter Gitter muss. Dabei sollen auch Angehörige von Opfern der Terroranschläge vom 11. September als Zeugen gehört werden. Richterin Leonie Brinkema ließ zudem die Tonbandaufnahmen der Cockpit-Gespräche des entführten Flugzeugs zu, das am 11. September 2001 abstürzte, ehe es in ein weiteres Angriffsziel gesteuert werden konnte. Falls keine Hinterbliebenen Anspruch erheben, sollen diese Aufnahmen nach dem Abspielen vor den Geschworenen öffentlich gemacht werden.

Am Montag waren die Geschworenen nach stundenlangen Beratungen zu dem Schluss gekommen, dass die Todesstrafe in dem Fall grundsätzlich verhängt werden kann. Der 37-jährige Al-Kaida-Komplize habe nach seiner Festnahme im August 2001 bei seiner Vernehmung durch das FBI gelogen. Diese bewussten Falschaussagen hätten dazu beigetragen, dass rund drei Wochen später fast 3000 Menschen mit entführten Flugzeugen getötet werden konnten, so die Argumentation.

Angeklagter sollte Flugzeug ins Weiße Haus steuern

Moussaoui hat im April vergangenen Jahres gestanden, an einem Plan der Terrororganisation Al Kaida für eine Flugzeugentführung beteiligt gewesen zu sein. Später erklärte er, dass er als Teil der Angriffe vom 11. September ein Flugzeug in das Weiße Haus hätte steuern sollen. Damals befand sich der französische Staatsbürger marokkanischer Abstammung bereits in Haft. Zum Auftakt der Sitzung am Donnerstag wird der Jury Beweismaterial präsentiert, dann haben die Geschworenen darüber zu befinden, ob Moussaoui mit einer rechtzeitigen Aussage die Anschläge vom 11. September hätte verhindern können. Anschließend muss sie die Strafe festlegen. Die zweite Phase des Prozesses dauert voraussichtlich zwei Wochen bis zwei Monate.

Reuters/AP / AP / Reuters