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Terrorwelle in Pakistan: "Manchen fehlten die Köpfe, anderen die Beine"

Die Serie blutiger Terroranschläge im Nordwesten Pakistans reißt nicht ab: Diesmal hat sich ein Selbstmordattentäter vor einer Bank in Rawalpindi in die Luft gesprengt und Dutzende Menschen getötet. Die UN reagieren auf die Terrorwelle und ziehen ihre Mitarbeiter aus dem umkämpften Gebiet ab.

In der pakistanischen Garnisonsstadt Rawalpindi sind bei einem neuen schweren Anschlag Dutzende Menschen getötet worden. Nach Angaben der Polizei kamen mindestens 30 Menschen ums Leben, etwa 45 weitere wurden verletzt. Ein Selbstmordattentäter habe sich auf einem Motorrad vor habe sich vor einer staatlichen Bank in die Luft gesprengt, bei der Regierungsangestellte und Angehörige der Sicherheitskräfte zu dem Zeitpunkt ihr Gehalt abholten. Der Tatort liegt wenige hundert Meter vom Armee-Hauptquartier der südasiatischen Atommacht entfernt, das erst vor drei Wochen Ziel eines Taliban-Angriffs war. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Ein Sprecher der Rettungsdienste gab die Zahl der Toten mit mindestens 34 an. Polizeichef Aslam Tarin sagte, die meisten Opfer seien Angehörige der Sicherheitskräfte. Der Angreifer habe zunächst eine Handgranate auf die Schlange stehenden Menschen vor der Bank geworfen und dann den Sprengstoff gezündet, der anscheinend in seinem Motorrad versteckt gewesen sei.

Ein Augenzeuge berichtete von schrecklichen Szenen: "Als ich den Ort erreichte, lagen überall Tote und Verwundete. Manche Leichen hatten keine Köpfe, anderen fehlten die Beine. Menschen deckten Frauen zu, deren Kleider bei der Explosion verbrannt worden waren."

Regierung setzt Millionen-Kopfgeld auf Taliban-Führer aus

Im Nordwesten Pakistans verüben islamische Extremisten immer wieder schwere Anschläge. Erst in der vergangenen Woche waren bei einem Bombenanschlag auf einen Markt in Peshawar mehr als 130 Menschen ums Leben gekommen. Es war der schlimmste Terrorakt seit zwei Jahren. Die Stammesgebiete gelten als Rückzugsgebiet für die Taliban-Rebellen und Kämpfer des Terrornetzwerks al-Kaida.

Am 10. Oktober hatten Aufständische das Hauptquartier der Armee in Rawalpindi nahe Islamabad angegriffen und Geiseln genommen. 23 Menschen waren getötet worden, darunter die zehn Angreifer. Eine Woche später hatte die Armee eine Offensive gegen die Taliban im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan begonnen. Im Gegenzug hatten die Aufständischen ihre Anschläge weiter verschärft.

Die Regierung in Islamabad setzte insgesamt fünf Millionen Dollar Kopfgeld auf die Führung der pakistanischen Taliban-Bewegung (TTP) aus. In Zeitungsanzeigen hieß es am Montag, für Hinweise, die zur Festnahme oder zum Tod von TTP-Chef Hakimullah Mehsud und zwei weiterer hochrangiger Kader führten, würden jeweils 600.000 Dollar (408.000 Euro) bezahlt. Auf 16 weitere Anführer der Aufständischen wurden Kopfgelder zwischen 119.500 Dollar und 239.000 Dollar ausgelobt. "Helfen Sie der Regierung, sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen", heißt es in den Anzeigen.

UN ziehen Mitarbeiter ab

Die Vereinten Nationen reagieren auf die jüngste Terrorwelle und ziehen alle internationalen Mitarbeiter aus dem Gebiet ab. Eine UN-Sprecherin sagte, die Mitarbeiter in der Nordwest-Grenzprovinz und in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan würden aus Sicherheitsgründen "unverzüglich" an andere Orte versetzt. Ende Oktober hatte bereits das Welternährungsprogramm (WFP) die Verteilung von Lebensmittelhilfen im Nordwesten Pakistans eingestellt. Zuvor waren bei einem Anschlag auf den Sitz der UN-Organisation in Islamabad fünf Mitarbeiter ums Leben gekommen.

DPA/AFP / DPA