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Tony Blair: "Entschuldige mich nicht für den Sturz Saddams"

Eigentlich hatte Premierminister Tony Blair vor, auf dem Labour-Parteitag seine Verdienste um die britische Wirtschaft zu preisen. Doch dann rückte, mal wieder, der Irak-Krieg in den Mittelpunkt.

Der vermutlich letzte große Parteitag vor den nächsten Wahlen, stand für Großbritanniens Premierminister Tony Blair und seine Partei ganz im Zeichen des Irak-Kriegs. Die Invasion an der Seite der USA missfällt einem großen Teil der Briten, entsprechend aufgebracht vielen die Proteste in Brighton aus. Vor allem als Blair seine Parteitagsrede hielt.

"Sie haben Blut an Ihren Händen!", rief ein Mann während der Regierungschef sprach, der Protestler wurde von einer großen Mehrheit der Labour-Delegierten ausgebuht und kurz darauf abgeführt.

Nach sieben Jahren viel zu demonstrieren

Einige Minuten später wurde Blair wieder von Protestrufen unterbrochen. Erneut mussten Saalordner eingreifen. Blair reagierte darauf mit den Worten, wenn eine Regierung seit sieben Jahren an der Macht sei, gebe es immer viel, wogegen man demonstrieren könne.

Vor der Konferenzhalle kam es unterdessen zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und demonstrierenden Anhängern der Fuchsjagd. Die Labour-Mehrheit im Unterhaus hatte vor zwei Wochen für ein Verbot der Hetzjagd auf Füchse gestimmt.

Irak-Krieg hat Nation gespalten

Überschattet wurde das Delegiertentreffen zudem von der Entführung eines britischen Ingenieurs im Irak und dem Tod zwei britischer Soldaten am Dienstag in der Nähe von Basra.

Als der Premierminister dann zum Reden kam, musste er einräumen, dass der von ihm unterstützte Irak-Krieg das Land gespalten habe. "Ich verstehe, warum viele anderer Meinung sind", sagte er laut eines vorab verbreiteten Redetexts. Vor der Konfernez sagte er dann: "Das Problem ist, ich kann mich für die Informationen entschuldigen, die sich als falsch erwiesen haben, aber ich kann mich nicht - jedenfalls nicht aufrichtig - für den Sturz von Saddam entschuldigen". Er rief die Briten auf, ihn nun dabei zu unterstützen, dem Irak die Demokratie zu bringen.

Einräumen musste Blair zudem, dass sich ein Teil der Geheimdienst-Informationen über irakische Massenvernichtungswaffen als "falsch" herausgestellt haben. Die Parteitagsdelegierten reagierten auf dieses Eingeständnis mit Applaus.

Blair hatte, wie auch US-Präsident George W. Bush, den Irak-Krieg vor allem damit begründet, dass Präsident Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitze, die langfristig auch Großbritannien bedrohten.

Immerhin schaffte es der Ministerpräsident dann noch, die Erfolge seiner Regierung in der Wirtschafts- und Sozialpolitik hervorzuheben. Großbritannien sei nun die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, noch vor Frankreich. Und die "Arbeitslosigkeit ist auf dem tiefsten Stand seit 30 Jahren", verkündete Blair.

Mit Material von DPA/Reuters / Reuters