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Republikaner-Parteitag Trump-Unterstützerin will Wahlrecht, bei dem nur der "Haushaltsvorstand" wählen darf

Abby Johnson, hier bei ihrer Video-Ansprache auf dem Parteitag der US-Republikaner
"Neue Art von Feminismus": Abby Johnson, hier bei ihrer Video-Ansprache auf dem Parteitag der US-Republikaner
© UPI / Picture Alliance
Auf dem Nominierungsparteitag der US-Republikaner hat auch Abby Johnson eine Rede gehalten. Die 40-Jährige ist strikte Abtreibungsgegnerin und kämpft für ein Wahlrecht, das die Uhren um mehr als hundert Jahre zurückdrehen würde.

US-Präsident Donald Trump ist bei der Wahl am 3. November auch auf die Stimmen von evangelikalen Christen angewiesen. Obwohl er als einer der am wenigsten gottesfürchtigen Präsidenten der US-Geschichte gilt, seine Lebensweise, Wortwahl und Zahl seiner Ehen und Affären jeglichen kirchlichen Idealen widersprechen und sogar seine ältere Schwester Maryanne Trump über ihn gesagt haben soll: "Das einzige Mal, dass Donald in die Kirche ging, war, als die Kameras dort waren", gehören weiße Evangelikale zu seinen wichtigsten Unterstützern.

Abby Johnson fordert "Head-of-household voting"

Dieser Tatsache dürfte auch der Auftritt von Abby Johnson auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner geschuldet sein. Die strikte Abtreibungsgegnerin vertritt reaktionäre, christlich-fundamentalistische Ansichten, die sowohl bei Evangelikalen als auch bei erzkonservativen Katholiken sehr gut ankommen. Besonders konservativ sind ihre Vorstellungen vom Wahlrecht.

Johnson tritt für ein "Head-of-household voting" ein. Demnach dürfte nur der "Vorstand" eines Haushalts eine Stimme abgeben, alle anderen Haushaltsmitglieder hätten kein Wahlrecht, auch wenn sie US-Bürger und älter als 18 Jahre sind.

Nach Ansicht der Mutter von acht Kindern wäre damit das männliche Mitglied des Haushalts de facto der Entscheidungsträger. Auf die Frage eines Twitter-Nutzers: "Aber was passiert, wenn der Ehemann Republikaner und die Ehefrau Demokratin ist oder umgekehrt", antwortete Johnson Anfang Mai: "Dann müssten sie sich für eine Stimme entscheiden. In einem gottesfürchtigen Haushalt hätte der Ehemann das letzte Wort."

Johnson behauptet zwar, sie würde "niemals" Frauen am Wählen hindern, doch als die politische Kolumnistin und Analystin Kirsten Powers anlässlich des Parteitagauftritts der Trump-Unterstützerin auf Twitter schrieb: "Abby Johnson glaubt an eine Stimme pro Haushalt, und wenn Mann und Frau nicht einer Meinung sind, hat der Ehemann das letzte Wort. Bitte machen sie diesem frauenfeindlichen Unsinn ein Ende.", antwortete sie: "Ja. So schockierend! Ein Mann und eine Frau, die sich einig sind, und eine Frau, die ihren Mann als Familienoberhaupt ehrt. Keuch!! Was für ein seltsames, biblisches Konzept!!"

"Der lebensbejahendste Präsident, den wir je hatten"

Ähnliche Äußerungen haben zuvor schon andere Republikaner in Schwierigkeiten gebracht, wie die US-Nachrichtenseite "The 19th", die vor allem Frauen als Zielgruppe hat, berichtet. Im Jahr 2018 schrieb demnach ein republikanischer Bezirksvorsitzender aus Utah auf Facebook: "Je mehr ich die Geschichte studiere, desto mehr denke ich, dass es ein schwerer Fehler war, anderen, die nicht Haushaltsvorstände sind, das Wahlrecht zu geben!" Der Bundesvorsitzende der Partei prangerte diese Bemerkung damals an und erklärte: "Die Verfassung ist zwar göttlich inspiriert, wurde aber durch Änderungen verbessert, die die Gleichheit der Wähler zu einem Recht der amerikanischen Bürger machten."

Auch das Wahlkampfteam von Donald Trump wollte Johnson beim Wahlrecht nicht auf dem Weg ins vorletzte Jahrhundert folgen. Auf Nachfrage von "The 19th" versicherte Kampagnensprecher Tim Murtaugh: "Präsident Trump unterstützt nachdrücklich das heilige Prinzip 'eine Person, eine Stimme'."

Johnsons Thema auf dem Parteitag der Republikaner war aber ohnehin ein anderes. Ihre per Video übertragene Ansprache war ein leidenschaftliches Plädoyer gegen das Recht auf Abtreibung: "Dies ist eine Wahl zwischen zwei radikalen Anti-Life-Aktivisten und dem lebensbejahendsten Präsidenten, den wir je hatten", sagte die 40-Jährige. Donald Trump habe mehr für Ungeborene getan, als jeder andere Präsident.

Tatsächlich hat Trump sich in seiner Amtszeit für das Erschweren von Schwangerschaftsabbrüchen eingesetzt. Sein Wahlkampfversprechen von 2016, mit seinem Amtsantritt würde das Recht auf Abtreibung "automatisch" gekippt, hat er aber nicht eingehalten. Die Ankündigung hatte dem Republikaner damals viele evangelikale Stimmen eingebracht. Johnsons Ansprache sollte nun sicherstellen, dass die fundamentalen Christen ihn auch am 3. November nicht im Stich lassen. Ihre Botschaft war ebenso simpel wie unmissverständlich: Wenn Sie gegen Abtreibung sind, müssen Sie Donald Trump wählen.

Auch bei Waffen und Corona auf Trump-Linie

Johnson lehnt Schwangerschaftsabbrüche in allen Fällen ab, ebenso wie Methoden der hormonellen Verhütung. Auf ihrer Website wirbt sie für "eine neue Art von Feminismus" und fordert Frauen auf, sich zurückhaltend zu kleiden: "Wir zeigen unseren Verstand, nicht unsere Haut", schreibt sie dort.

Dass Trump dies genauso sieht, ist angesichts seines Umgangs mit Frauen kaum vorstellbar. Doch in anderen Themenbereichen sind der Präsident und seine Rednerin wieder voll auf einer Linie: "Wenn jeder Arzt im Land der breiten Masse Hydroxychloroquin zur Verfügung stellen würde, wäre es mit Covid vorbei", pries Johnson vor wenigen Tagen via Twitter das auch von Trump propagierte Malariamittel als Lösung der Coronakrise an, obwohl positive Auswirkungen nicht erwiesen sind und die Substanz starke Nebenwirkungen hat.

Und am selben Tag machte Johnson deutlich, dass sie Trump auch bei einem der wichtigsten Kernthemen der Rechten voll unterstützt: dem Recht auf Waffenbesitz. Auf Twitter schwärmte die "neue Feministin": "Mein Mann und ich haben gestern unseren 15. Hochzeitstag gefeiert. Er hat mir das romantischste Geschenk gemacht. Ein Jahr lang Mitgliedschaft auf unserem örtlichen Schießstand!"

Quellen: "The 19th", "Huffington Post" 1, "Huffington Post" 2, "Vox"Abby Johnson auf TwitterKirsten Powers auf Twitter, Abby Jonhsons Webseite

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