TV-Debatte Duell mit harten Bandagen

Diesmal vermied US-Präsident George Bush die Grimassen der ersten Debatte, John Kerry wiederum trat gewohnt eloquent auf. Im letzten TV-Duell, in dem es um Innenpolitik ging, haben beide Kandidaten ihre Attacken verschärft.

George W. Bush ist in der letzten Fernsehdebatte vor der Wahl in die Defensive geraten - sein Herausforderer John Kerry hielt ihm am Mittwochabend den Verlust von Arbeitsplätzen und die Sorge der Amerikaner um ihre persönliche Gesundheit vor. Bush reagierte darauf mit dem Versuch, den Wahlkampf zu einem Referendum über die Persönlichkeit seines Rivalen zu machen: Er stellte ihn als einen Linken dar, der nicht mehr in der politischen Mitte zuhause sei.

Schlagabtausch ohne "Gewinner"

Bush wählte damit die Strategie des verwundbaren Amtsinhabers, dessen Politik attackiert wird und dessen Wiederwahl gefährdet scheint. Geradezu verzweifelt schien der Präsident zu versuchen, die Wähler zu überzeugen, gegen Kerry zu stimmen - selbst wenn sie zögerlich sein sollten, für Bush zu stimmen. Der Präsident habe kaum eine andere Wahl gehabt, als den Blick von der eigenen Amtsführung auf Kerry zu lenken, sagte Tony Fabrizio, ein republikanischer Berater in Washington. Bush habe sich in der dritten Fernsehdebatte entschlossen verteidigt. Ein Berater aus dem Lager der Demokraten, Dane Strother, sprach nach dem Schlagabtausch von einem Unentschieden.

Ähnlich scheint die Stimmung bei den Wählern zu sein. Der bisher noch unentschiedene Allan Ramsey meinte, dass er nun vielleicht eher für Kerry stimmen werde, auch wenn ihn die Politshow nicht sonderlich beeindruckt habe. "Ich bin froh, dass dies die letzte war", sagte der 67-Jährige in West Virginia. "Ich habe genug von dem immer gleichen Gerede."

Davon gab es tatsächlich genug. Die Debatte begann mit Versicherungen der beiden Kontrahenten, dass die Welt auch nach dem 11. September wieder sicher sein könne - falls denn am 2. November der einzig Richtige gewählt werde. Eine Frage zum knappen Impfstoff gegen die Grippe drehte Kerry in eine ausführliche Anklage gegen Bushs Gesundheitspolitik um: "Dieser Präsident hat dem Wohlergehen Amerikas den Rücken zugewandt."

Bush konterte, dass eine "Litanei von Klagen" noch lange kein politisches Konzept sei. Sein Rivale habe in der Gesundheitspolitik nur leere Versprechungen zu bieten. Wiederholt versuchte Bush, die Darlegungen Kerrys als übertrieben hinzustellen. Er warf ihm vor, dutzendfach an Steuererhöhungen mitgewirkt zu haben und mit der von ihm geplanten Innenpolitik weitere Belastungen der Bürger in Kauf zu nehmen: "Raten Sie, wer schließlich die Steuerlücke bezahlen wird - der Mittelstand."

Kalter Blick statt Grimassen

Nach Arbeitsplätzen befragt, kam Bush auf die Bildung zu sprechen. Da habe er in vier weiteren Amtsjahren noch viel vor. Kerry hielt Bush entgegen, dass er ausweichend antworte, weil er für den Verlust von mehr als 800.000 Arbeitsplätzen verantwortlich sei. Bush vermied diesmal die Grimassen der ersten Debatte und schenkte seinem Kontrahenten nur einen kalten Blick, gefolgt von einem kleinen Lächeln, als er zu seinem Glas Wasser griff.

Dann holte er zum Gegenschlag aus. "Mein Gegner spricht von finanzpolitischer Gesundheit", sagte Bush. "Seine Leistung im Senat der Vereinigten Staaten reicht nicht an seine Rhetorik heran." Es gebe einen Mainstream in der amerikanischen Politik, hielt der Präsident dem Gegenspieler vor - "und Sie sitzen weit links." Wie zur Widerlegung leitete Kerry die Debatte über Ehe und Homosexualität mit dem Bekenntnis ein: "Wir sind alle Gottes Kinder."

Für den 73-jährigen John Barker aus Tampa, Florida, war die Debatte eine Hilfe bei der Wahlentscheidung. Bush habe ihm viele Gründe genannt, gegen Kerry zu stimmen, sagte Barker. "Aber warum sollte ich ihn noch einmal wählen?"

In einer ersten Schnellumfrage von CNN/USA Today/Gallup erklärten 52 Prozent Kerry zum Sieger und 39 Prozent Bush. Verschiedene US-Fernsehkommentatoren wollten sich aber in der Nacht noch nicht auf einen eindeutigen Sieger festlegen. Die erste Fernsehdiskussion vor rund 14 Tagen, die sich hauptsächlich um den Irak-Krieg und den Antiterrorkampf drehte, hatte Kerry deutlich für sich entscheiden und damit den zuvor in Meinungsumfragen vorn liegenden Bush einholen können. Die zweite Debatte am vergangenen Freitag mit innen- und außenpolitischen Themen endete nach allgemeiner Einschätzung mit einem Unentschieden. Umso größer war die Spannung vor dieser dritten Debatte, in der sich die Kandidaten wie in der ersten Diskussion den Fragen eines einzelnen TV-Moderatoren stellen mussten.

Ron Fournier/AP AP

Mehr zum Thema

Newsticker