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"Ukraine – die Lage" Militärexperte Masala erwartet Kampf um Donezk

Podcast Ukraine - die Lage mit Carlo Masala
 Eine durch einen Raketenangriff zerstörte Schule in der Region Donezk
© Michal Burza/Zuma Press Wire / DPA
Nach der Eroberung der Region Luhansk werden die russischen Streitkräfte nach Einschätzung des Militärexperten Carlo Masala nun ihre Angriffe auf die noch von der Ukraine kontrollierten Teile des Bezirks Donezk richten.

Nach der Eroberung der Region Luhansk werden die russischen Streitkräfte nach Einschätzung des Militärexperten Carlo Masala nun ihre Angriffe auf die noch von der Ukraine kontrollierten Teile des Bezirks Donezk richten. Das werde "die nächste Etappe in diesem Krieg sein", sagt der Politikprofessor von der Bundeswehruniversität München am Dienstag im stern-Podcast "Ukraine – die Lage".

Masala sieht nach dem Fall der Großstadt Lyssytschansk keine Gelegenheit, auf diplomatischem Wege zu einem Waffenstillstand zu kommen. Die ausgelaugten russischen Truppen müssten nun regenerieren und würden dann die Kämpfe fortsetzen. Wie in Lyssytschansk seien auch in den Gebieten, die nun ins Visier geraten, schwerste Zerstörungen zu erwarten. "Das ist dieser Abnutzungskrieg, man zerstört", sagt Masala. "Wir werden keine andere Art der Operationsführung erleben." Die russischen Streitkräfte würden sehr stark auf Artillerie setzen, was zur Folge habe, dass die von ihnen eroberten Gebiete weitgehend zerstört würden.

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Masala: Beziehungen zwischen Russland und dem Westen werden sich ausdünnen

Masala erwartet, dass nach und nach alle Verbindungen zwischen Russland und dem Westen vom Krieg betroffen sein werden. "Da werden sich die Beziehungen in allen Bereichen ausdünnen oder sogar auf Null gefahren", sagt er. Das gelte auch für die Energielieferungen. "Gas wird von der russischen Föderation genutzt, um den Unmut über den Krieg in westlichen Gesellschaften zu schüren", sagt Masala.

Prof. Dr. Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München
© Imago Images

Dr. Carlo Masala ist Professor für Internationale Politik an der Bundeswehruniversität München. 

Es sei "Teil der russischen Kriegsstrategie" durch hohe Preise den Unmut in der Bevölkerung gegen die Kosten zu schüren, die die Unterstützung der Ukraine mit sich bringe. "Die Hoffnung der russischen Föderation ist, dass sich das auf die gesellschaftliche Stimmung auswirkt." Es gehe darum, so den Druck auf die Partner der Ukraine und letztlich auf diese selbst zu erhöhen, einem Waffenstillstand unter günstigen Bedingungen für Russland zuzustimmen.

Wenig optimistisch zeigt sich Masala auch, dass die enormen Mittel zum Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg tatsächlich von ihren westlichen Partnern aufgebracht werden können. Die von ukrainischer Seite genannten 750 Milliarden Dollar seien eventuell sogar noch zu wenig, um die Kriegsschäden zu beseitigen. "Das wird sehr, sehr schwierig sein, dieses Geld dann zur Verfügung zu stellen", sagt er. Wenn es keinen sozialen Ausgleich für die gestiegene Preise gebe, berge das enormen Sprengstoff. Letzten Endes könne es die Ukraine sein, die unter den Folgen der ökonomischen Probleme im Westen leidet.

kng

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