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Umstrittenes Rüstungsprogramm: Nordkorea bestätigt Pläne für Raketenstart

Raumfahrt oder militärische Provokation? Nordkorea hat angekündigt, einen eigenen Satelliten ins All zu schießen. Militärexperten fürchten jedoch, dass der Abschuss nur ein Vorwand für den Test einer Langstreckenrakete ist, die unter anderem auch das Gebiet der USA erreichen kann. US-Außenministerin Hillary Clinton zeigt sich alarmiert.

Ein möglicherweise schon bald bevorstehender Raketentest von Nordkorea sorgt in den Nachbarstaaten und den USA für Unruhe. Nach Angaben der nordkoreanischen Raumfahrtbehörde wird lediglich der Start eines Satelliten vorbereitet. Zuletzt gab es jedoch Spekulationen darüber, dass es sich um den Test einer Langstreckenrakete handelt, was ein Verstoß gegen die Auflagen der Vereinten Nationen wäre.

In Hwadae im Nordosten des Landes wird die Startrampe für die Taepodong-2-Rakete vermutet, die eine Reichweite bis nach Alaska hat. Die erste Rakete dieser Art wurde bereits 2006 getestet, stürzte jedoch kurz nach dem Abschuss ins Meer.

Medienberichten zufolge könnte es sich bei der nun zum Test vorgesehenen Rakete um eine weiterentwickelte Version der Taepodong-2 mit noch größerer Reichweite handeln. Nordkorea hatte zuletzt auf sein Recht auf ein "Raumfahrtprogramm" gepocht. Im Jahr 1998 hatte das Land allerdings bereits einmal eine Rakete über Japan abgefeuert und behauptet, es habe einen Satelliten ins All geschossen.

Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA verbreitete am Dienstag eine Mitteilung der Raumfahrtbehörde, in der es hieß, "die Vorbereitungen für den Start des Forschungs- und Kommunikationssatelliten 'Kwangmyongsong 2' mit der Trägerrakete 'Unha-2' machen zügige Fortschritte". Zum Zeitpunkt des Starts gab es keine Angaben.

Gesamte Pazifikregion ist alarmiert

Das Rüstungsprogramm Nordkoreas wird in der gesamten Pazifik-Region mit großer Besorgnis beobachtet. Nach dem ersten nordkoreanischen Atomtest im Jahr 2006 hatte der UN-Sicherheitsrat eine Resolution verabschiedet, die dem kommunistischen Land jegliche Raketentests verbietet. Washington, Seoul und Tokio haben Pjöngjang in den vergangenen Tagen in teils scharfen Worten vor einem Raketentest gewarnt und mit UN-Sanktionen gedroht.

In der vergangenen Woche hatte US-Außenministerin Hillary Clinton Nordkorea aufgefordert, jegliche Provokationen zu unterlassen. Ein Raketentest wäre in diesem Zusammenhang "wenig hilfreich", betonte Clinton. Auch China rief sein Nachbarland zur Zurückhaltung auf. Der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Ma Zhaoxu, sagte, alle betreffenden Parteien sollten "mehr zu Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel beitragen".

Rakete könnte binnen einer Woche startklar sein

Geheimdienstberichten zufolge gibt es am mutmaßlichen Startort Hwadae rege Aktivitäten von Personal und Fahrzeugen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet. Demnach wurde die Rakete selbst aber noch nicht auf der Abschussrampe montiert. Vom Zeitpunkt der Montage dauert es Experten zufolge noch fünf bis sieben Tage, bis die Rakete startklar ist.

Der südkoreanische Verteidigungsminister Lee Sang-hee erklärte laut Yonhap, die Startvorbereitungen könnten innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen sein. Zugleich verlangte er von dem Nachbarland eindeutige Beweise dafür, dass es sich um einen Satellitenstart handele. Unabhängig davon werte Südkorea aber jeglichen Start als eine Bedrohung, weil die Technik für eine Rakete und einen Satelliten die gleiche sei.

Reuters/DPA / DPA / Reuters