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Urteil umgewandelt: Iran lässt inhaftierte US-Journalistin frei

Eine Hürde weniger bei der vorsichtigen Annäherung zwischen dem Iran und den USA: Ein iranisches Berufungsgericht hat die Verurteilung einer US-Journalistin zu einer achtjährigen Haftstrafe aufgehoben. Stattdessen darf Roxana Saberi den Iran schon in den nächsten Tagen verlassen - zur Freude von US-Außenministerin Hillary Clinton.

Mit der Freilassung der amerikanisch-iranischen Journalistin Roxana Saberi hat die Teheraner Justiz eine Hürde für den von US-Präsident Barack Obama angestrebten Dialog mit dem Iran aus dem Weg geräumt. Ein Berufungsgericht hob am Montag die Verurteilung Saberis zu einer achtjährigen Haftstrafe wegen Spionage auf. Justizsprecher Ali Resa Dschamschidi sagte, Saberi könne jederzeit den Iran verlassen.

US-Außenministerin Hillary Clinton begrüßte die Entwicklung. "Wir sind sehr ermutigt, dass sie freigelassen wurde", sagte Clinton in Washington. Clinton betonte, dass die US-Regierung den Fall allerdings wegen der aus ihrer Sicht ungerechtfertigten Anschuldigungen und der grundlosen Verurteilung weiter verfolgen werde.

Die 32-jährige Journalistin, die die amerikanische und iranische Staatsbürgerschaft hat, wurde vor dem Evin-Gefängnis von ihren Eltern in Empfang genommen. Ihr Vater Reza Saberi sagte, er habe nicht mit seiner so schnellen Freilassung gerechnet. "Ich bin sehr glücklich, dass sie frei ist. Roxana ist in einem sehr guten Zustand", erklärte er. Seine Tochter werde sofort ihre Abreise - möglichst am Dienstag oder am Mittwoch vorbereiten.

Dschamschidi sagte, die Freilassung Saberis sei ein "iranischer Gnadenerweis". Die Journalistin habe mit den Behörden kooperiert und Reue gezeigt, fügte er hinzu. Saberi, die seit sechs Jahren als freie Journalistin im Iran arbeitete, war im Januar verhaftet und in einem eintägigen, geheimen Schnellprozess zu der hohen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Diese wurde nun zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe umgewandelt.

Die US-Regierung hatte die Vorwürfe gegen Saberi als grundlos bezeichnet und ihre sofortige Freilassung gefordert. Die US-Regierung wurde dabei von mehreren europäischen Staaten unterstützt. Die mit dem Berufungsurteil vollzogene iranische Kehrtwende räumt einen Stolperstein bei den Versuchen Obama aus dem Weg, nach Jahrzehnten des Stillstands einen Dialog mit Teheran in Gang zu bringen.

Saberi ist in den USA aufgewachsen und vor sechs Jahren als freie Journalistin in den Iran gegangen. Sie arbeitete dort für mehrere Medien wie dem amerikanischen National Public Radio und der BBC. Gegen ihre Haft seit Januar protestierte sie zeitweise mit einem Hungerstreik brach ihn aber nach zwei Wochen aus gesundheitlichen Gründen ab.

Die Menschenrechtsgruppe Reporter ohne Grenzen (ROG) begrüßte Saberis Freilassung. ROG-Sprecherin Soazig Dollet sagte der Essener Waz-Gruppe, es seien im Iran allerdings noch immer 14 Journalisten und Blogger in Haft. "Drei von ihnen wurden wie Saberi der Spionage beschuldigt, zu sechs Journalisten gibt es derzeit überhaupt keinen Kontakt", sagte Dollet.

DPA/AP / AP / DPA