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US-Präsidentschaftswahl: Die Stunde der Frauen

Noch nie haben die Partnerinnen der Kandidaten in einem US Wahlkampf eine so bedeutende Rolle gespielt: Michelle Obama und Ann Romney könnten am Ende das Duell entscheiden.

Von Giuseppe Di Grazia und Martin Knobbe, New York

Es gibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Kandidaten um den Einzug ins Weiße Haus, keine Frage. Seit geraumer Zeit liegen Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney in den Umfragen gleichauf, und daran wird sich wohl auch bis zum Wahltag am 6. November nicht mehr viel ändern. Seit kurzem gibt es zudem ein weiteres enges Duell, das Einfluss auf das Wahlergebnis haben dürfte: Das Duell der Frauen.

Noch nie haben in einem amerikanischen Wahlkampf die Partnerinnen der Präsidentschaftsanwärter eine so bedeutende Rolle gespielt wie jetzt Michelle Obama und Ann Romney. "Das Duell zwischen beiden wird die Sicht auf Frauen in der Politik verändern", sagt der amerikanische Präsidentenforscher Charles Dunn im aktuellen stern, der sich ausführlich dem Wahlkampf der beiden Frauen widmet.

Wir sind hier, wir sind bereit

Sie hätten einen ähnlichen Geschmack, "sie lieben pink", schrieb neulich eine Kommentatorin auf dem Blog "Pop & Politics". Zur zweiten Fernsehdebatte von Obama und Romney waren beide Frauen ganz in rosa erschienen. Das passte zur Aktionsfarbe des Kampfs gegen den Brustkrebs, dem der Monat gewidmet war, doch wirkte es in erster Linie wie eine farbliche Kampfansage: Wir sind hier, wir sind bereit.

Auch beim dritten und letzten Duell am vergangenen Montag widmeten sich die Beobachter ausführlich dem Erscheinungsbild der beiden Gattinnen. "Beide sahen wunderbar aus in ihren gewagten Farben, aber dennoch entschieden verschieden", schrieb eine Reporterin auf "The Daily Beast". Michelle Obama hatte ein grau-schwarz gemustertes Kleid von Michael Kohrs getragen, Ann Romney eines von Oscar de la Renta, ähnlich dunkel, mit grünen Aufhellungen.

Geheimwaffe Ehefrau

Michelle Obama und Ann Romney sind in diesem Wahlkampf aber viel mehr als nur optische "Ausstaffierungen" für ihre Männer. Seit Wochen touren sie mit eigenem Team durch das Land und versuchen, die noch unschlüssigen oder enttäuschten Wähler zu ermuntern. Es geht ihnen vor allem um die Frauen, die in Amerika zahlreicher als die Männer zu den Urnen gehen. Sie könnten am Ende über die Wahl entscheiden. Während Barack Obama und Mitt Romney beide als verkopft gelten und etwas kühl im Umgang mit Menschen, strahlen ihre Frauen Wärme und Glaubwürdigkeit aus: Sie sind die besten Zeuginnen für die Qualität ihrer Männer.

"Ann Romney ist unsere Geheimwaffe", sagt Robert C. O'Brien, einer von Mitt Romneys außenpolitischen Beratern. "Sie sorgt dafür, dass Mitt bodenständiger erscheint. Sie geht wunderbar mit den Menschen um, die zu den Veranstaltungen kommen." Michelle Obama fungiert für das Wahlkampfteam des Präsidenten als so genannter "Closer". Closer ist ein Begriff aus dem Baseball, er komµt als Letzter und sichert seiner Mannschaft den Sieg. Am 6. November wird man wissen, welche Strategie die erfolgreichere war.

Von:

Giuseppe Di Grazia und Martin Knobbe