VG-Wort Pixel

Trumps "Armee" Sorgen aggressive Trump-Fans für Chaos und Angst bei der US-Wahl?

Auf einem Parkplatz steht eine Gruppe bewaffneter Menschen. Sie tragen teils schusssichere Westen und sind vermummt
Rechte Milizen fühlen sich oft von US-Präsident Trump ermutigt. Hier haben sich Bewaffnete in Vancouver, US-Bundesstaat Washington, versammelt
© Nathan Howard/Getty Images / AFP
US-Präsident Donald Trump ermutigt seine Anhänger dazu, genau auf Unregelmäßigkeiten bei der Wahl zu achten. Einige von ihnen sind schwer bewaffnet und schwer berechenbar.

Eine "Armee" von Wahlbeobachtern will US-Präsident Donald Trump am 3. November in die Wahlbüros schicken - bei vielen löst das Sorgen aus. Aggressive Trump-Anhänger, so die Befürchtung, könnten für Chaos sorgen und Wähler der oppositionellen Demokraten von Präsidentschaftskandidat Joe Biden einschüchtern. Selbst das Auftauchen bewaffneter rechtsradikaler Gruppierungen vor Wahllokalen ist nicht auszuschließen.

Reguläre Wahlbeobachter

Grundsätzlich haben die Parteien das Recht, Beobachter in die Wahllokale zu entsenden. Für diese Aufgabe registrierte Bürger können dann überwachen, dass die Wahl reibungslos abläuft, dass die Regeln eingehalten werden und dass bei der Stimmauszählung alles korrekt läuft. Sie können unter anderem die Wahlverantwortlichen informieren, wenn sie verdächtiges Verhalten beobachten, und auch, wenn sie Zweifel haben, dass jemand stimmberechtigt ist. Wähler direkt ansprechen dürfen Wahlbeobachter indes nicht.

Eine "Armee" für den Präsidenten

Trumps Republikanische Partei hatte als Ziel ausgegeben, 50.000 Wahlbeobachter zu rekrutieren. Beobachter befürchten, dass diese am 3. November massenhaft Einsprüche einlegen und damit die Grundlage für langwierige juristische Auseinandersetzungen um den Wahlausgang schaffen könnten.

Sorgen bereitet auch die martialische Rhetorik: Das Wahlkampfteam des Amtsinhabers, der immer wieder angeblichen Wahlbetrug anprangert, spricht von einer "Armee" für den Präsidenten.

"Die radikale Linke legt die Grundlagen, um meinem Vater diese Wahl zu stehlen", sagte Trumps Sohn Don Jr. kürzlich in einem Online-Video. "Wir brauchen jeden tauglichen Mann und jede taugliche Frau für die Operation Wahlsicherheit der Armee für Trump." Solche Formulierungen wecken Befürchtungen, dass es zu einem aggressiven Auftreten der republikanischen Wahlbeobachter kommen könnte.

Inoffizielle "Wahlbeobachter" und rechte Milizen

Trump setzt allerdings nicht nur auf reguläre, angemeldete Wahlbeobachter. Der Präsident hat seine Anhänger wiederholt aufgefordert, auch inoffiziell wie Wahlbeobachter aufzutreten. "Ich rufe meine Anhänger eindringlich auf, in die Wahllokale zu gehen und sehr genau hinzuschauen", sagte er etwa Ende September in seinem ersten TV-Duell mit Biden.

Was genau Trump damit meinte, ließ er offen. Experten warnen aber, dass sich damit auch rechtsradikale Gruppierungen angesprochen fühlen könnten, für die Trump immer wieder Sympathien signalisiert hat.

Anhänger der rechtsradikalen Proud Boys, der Boogaloo-Bewegung oder der Verschwörungstheorie QAnon hätten bereits zu einem Erscheinen vor Wahllokalen aufgerufen, sagte der frühere FBI-Spionageabwehr-Chef Frank Figliuzzi jüngst dem Nachrichtenmagazin "Time". Die Schreckensvorstellung, dass gewalttätige und schwerbewaffnete Aktivisten auftauchen könnten, werde zu einer "sehr realen Möglichkeit".

Andere Experten sehen das eher als Drohkulisse. Ähnliche Ankündigungen hätten sich in der Vergangenheit als "wilde Übertreibung" herausgestellt, sagte die Bürgerrechts-Anwältin Kristen Clarke dem Radiosender NPR. Die Wähler sollten sich davon nicht einschüchtern lassen - und mögliche Vorfälle den Behörden melden.

Spannungen beim Early Voting

Schon bei der Stimmabgabe im Vorfeld des eigentlichen Wahltermins ist es an vielen Orten zu Spannungen gekommen. So sorgten lautstarke Gruppen von Trump-Anhängern in der Nähe von Wahllokalen für Aufsehen. Allerdings sind solche Ansammlungen nicht verboten und nicht unbedingt darauf ausgelegt, Wähler abzuschrecken. Unterstützungskundgebungen gibt es von Anhängern beider Parteien.

tkr/Fabian Erik Schlüter AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker