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"Dreamer"-Programm Jorge, 39, lebt seit 30 Jahren in den USA - nun wurde er in die "Heimat" abgeschoben

Jorge Garcia
Jorge Garcia und seine Frau Cindy
© Niraj Warikoo/Picture-Alliance / Picture Alliance
Er zahlt Steuern und hat keine Polizeiakte, bekam nicht einmal ein Parkticket, wie seine Frau sagt. Seit 30 Jahren lebt Jorge Garcia unbehelligt in Detroit. Aber es hilft nichts - weil er keine Papiere hat, muss er die USA verlassen.

Der dritte Montag im Januar ist Martin Luther King Day. An diesem Tag gedenken die USA dem Erbe des schwarzen Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers: Chancengleichheit und Gleichberechtigung. Für Jorge Garcia war es der letzte Tag auf amerikanischem Boden, auf dem er 30 Jahre lang gelebt hatte. So gut wie sein ganzes Leben lang. Er kam im Alter von zehn Jahren hierher, nicht einmal freiwillig, er war Kind illegaler Einwanderer. Nun haben ihn die US-Einwanderungsbehörden abgeschoben. Nach Mexiko, ausgerechnet am Martin Luther King Day.

Rechtlich ist die Abschiebung in Ordnung

Es war ein bedrückender, tränenreicher Abschied, den der 39-Jährige am Montag am Detroit Metro Airport beging. Unter den strengen Augen der Einwanderungsbeamten nahm Jorge Garcia das vorerst letzte Mal Frau Cindy und die beiden Kinder in den Arm. "Ich bin traurig. Ich muss meine Familie zurücklassen und kann nicht für sie da sein - für wer weiß wie lang", sagte er der "Detroit Free Press" zufolge.

Rein rechtlich ist Jorge Garcias Abschiebung völlig in Ordnung, der Landschaftsgärtner lebt ohne Papiere in den Vereinigten Staaten, da hilft es ihm auch nichts, dass er brav seine Steuern zahlt und auch sonst nie auffällig geworden ist. Bislang hatte ihm das geholfen, bis vor wenigen Monaten. 2009 forderte ihn die zuständigen Ämter das erste Mal auf, das Land doch bitte zu verlassen. Doch zu dem Zeitpunkt hatte die US-Regierung unter Barack Obama beschlossen, dass Kinder illegaler Einwanderer in den USA bleiben dürfen, solange sie nicht straffällig werden und auch sonst ein normales Leben führen.

"Mein Mann ist kein Krimineller"

Dann kam Donald Trump und kippte diese sogenannte Dreamer-Regelung. "Ja, er kam her als er zehn war und ja, er ist illegal in das Land eingereist, aber er hat keine Polizeiakte und jeder Fall muss einzelnen betrachtet werden, denn er verdient es, hier leben zu können und nicht in Mexiko, sagte seine Frau Cindy dem Sender CNN. "Ich möchte, dass Präsident Trump weiß, dass mein Mann kein Krimineller ist."

Donald Trump hatte im Wahlkampf einen harten Kurs gegenüber illegalen Einwandern angekündigt, und die zuständigen Behörden angewiesen, diesen umzusetzen. Im Spätsommer vergangenen Jahres kippte er dann "Daca", ein Dekret, der die Kinder illegaler Einwanderer vor Abschiebung schützt. Gleichzeitig räumte er Jugendlichen unter 16 Jahren einen besonderen Schutz ein. Seit knapp einem halben Jahr versucht die US-Regierung das Einwanderungsgesetz zu reformieren und damit auch eine neue "Daca"-Regelungen. Da die oppositionellen  Demokraten aber die bisherigen Reformvorschläge ablehnen, liegt das Gesetz auf Eis.

Trump soll Einwanderungsgesetz reparieren

Deswegen sind den US-Behörden auch die Hände gebunden. Die Familie von Jorge Garcia hatte beantragt, die Abschiebung solange hinauszuzögern, bis das Gesetz auf den Weg gebracht sei - und unter der Bedingung, dass es keine Altergrenze enthalte. Doch beim Einwanderungsamt hieß es schlicht, da es derzeit keine "Daca"-Regelung gebe, müsse Garcia das Land verlassen.

Für Ehefrau Cindy ist das eine bittere Konsequenz. Trump müsse endlich das "kaputte" Einwanderungsgesetz reparieren und zusehen, dass es vernünftige Wege zu einer US-Bürgerschaft gebe, wie sie sagt. "Wir sind nicht einzige Familie in dieser Situation. Es betrifft elf Millionen andere Menschen auch. Aber wenigstens kann ich mich hinstellen und meine Geschichte erzählen, denn ich bin US-Bürgerin und muss mich nicht verstecken." 

nik

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