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Very British: Die eiserne Lady wankt kurz

Das ganze Land schaut gebannt auf diese Lady: Margaret Thatcher musste nach einem Zusammenbruch ins Krankenhaus. Diesmal war es wohl kein Schlaganfall. Nach einem Tag ging es ihr wieder gut und sie verließ winkend das Krankenhaus.

Von Cornelia Fuchs, London

Margaret Thatcher hat nach einer Nacht das Krankenhaus St. Thomas wieder verlassen und den wartenden Journalisten vor den Toren freundlich zugewinkt. Diese einfache Meldung war der am häufigsten gelesene Artikel auf der BBC-Webseite am vergangenen Samstag - nicht das einzige Zeichen, dass die ehemalige Premierministerin in Großbritannien immer noch viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann.

Es war am vergangenen Freitag gegen halb elf Uhr abends, als Lady Thatchers Beine nicht mehr wollten. Sie war Gast einer Dinner-Party des Oberhauses, hatte Ziegenkäse-Entrée und Lachs-Speise gegessen und guten Wein getrunken. Nach Aussagen ihres ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Lord Henley, der den ganzen Abend neben ihr gesessen hatte, war die Baroness "in guter Form", scherzte und diskutierte. Doch gegen Ende des Essens beklagte sie sich über die große Hitze. Ihr Privatsekretär Mark Worthington sagte dem "Daily Telegraph": "Als sie aufstand, gaben ihre Beine nach. Sie fühlte sich unwohl, daher brachten wir sie ins Krankenhaus. Es war sehr schade, weil sie sich sehr amüsiert hat an diesem Abend."

Leichte Schlaganfälle

Es war nicht das erste Mal, dass Fragen über die Gesundheit der ehemaligen Premierministerin auftauchten. Es ist bekannt, dass Margaret Thatcher seit 2002 einige leichte Schlaganfälle erlitt. Vor allem der Tod ihres Mannes, Denis Thatcher, im Juni 2003, schien sie mitgenommen zu haben, wie ein Freund im "Daily Telegraph" erzählte: "Sie war sehr durcheinander und unglücklich zu dieser Zeit, aber sie hat sich seitdem sehr erholt. Ihre geistige Verfassung ist nicht wirklich schlecht, aber man kann mit ihr keine kontinuierliche Unterhaltung mehr führen." Schon seit Jahren befolgt Thatcher den Rat ihrer Ärzte, keine öffentlichen Reden mehr zu halten.

Thatchers Gesundheit und die Frage nach einer möglichen Altersdemenz hatte im vergangenen Jahr dazu geführt, dass Premieminister Gordon Brown für einen Medien-Coup stark kritisiert wurde. Brown hatte Margaret Thatcher im September 2007 an der Tür mit der berühmten Nummer 10 begrüßt - zu einer Zeit, in der Oppositionsführer David Cameron die konservative Partei auf einen neuen Kurs einschwören wollte, weg von dem harschen Bild der Thatcher-Jahre, hin zu einem freundlicheren, grüneren Image. Brown dagegen, der die Thatcher-Regierung als Labour-Abgeordneter in seinen Reden stets bekämpft hatte, schüttelte nun freundlich lächelnd die Hand der Baroness und bezeichnete sie als "Überzeugungs-Politikerin", an der man sich ein Beispiel nehmen könne.

"Einsame Lady, alt und gebrechlich"

In einer wütenden Kritik schrieb der konservative Parlamentsabgeordnete Robert Wilson über Browns Einladung: "Bei dem Besuch ging es nicht wirklich um Margaret Thatcher, es ging um Brown. Baroness Thatcher ist 81 Jahre als, sie ist eine alte Dame, sie ist einsam und gebrechlich, und sie hat Schwierigkeiten mit ihrem Gedächtnis. Diejenigen, die ihr nahe stehen, sagen, dass sie Dinge des täglichen Lebens an einigen Tagen besser versteht als an anderen."

Doch anscheinend war der Geist Thatchers noch so gestählt, dass sie eine solch infame Kritik aus den eigenen Reihen nicht auf sich sitzen lassen konnte. Ihr Sprecher verkündete, dass sie "die politischen Feinheiten dieses Treffens sehr wohl verstanden hätte". Der Führer der Konservativen, David Cameron, verstand ebenfalls - und plötzlich war Margaret Thatcher wieder ein Thema bei den Konservativen. Im Januar überreichte ihr Cameron schließlich persönlich eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk mit den Worten, sie sei "eine über uns thronende Figur", die "unser Land verändert hat": "Baroness Thatcher ist der größte Premierminister des 20. Jahrhunderts in Friedenszeiten. Sie hat unser Land vor wirtschaftlichem Ruin gerettet."

Wahlkampftipps der Baroness

Thatcher gab ihrem potentiellen Nachfolger damals einen eher kurzen Tipp mit auf den Weg: Er solle für eine "ordentliche Mehrheit" bei den nächsten Wahlen sorgen. Ein Auftrag, dem die Konservativen zur Zeit noch hinterherjagen: Ihr ehemals großer Vorsprung zur Regierung des Premierministers Brown ist seit einigen Monaten wieder bis auf wenige Prozentpunkte zusammengeschmolzen.