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Vier syrische Offiziere geflüchtet: Assad laufen eigene Leute davon

Die Unterstützung für das syrische Regime bröckelt in den eigenen Reihen. Rebellen berichten von vier Offizieren, die geflohen sind. Mittlerweile sollen Assad bereits mehrere Getreue weggelaufen sein.

In Syrien laufen immer mehr Vertreter von Staat und Armee zur Opposition über. Die von Rebellen gebildete Freie Syrische Armee berichtete von vier ranghohen Offizieren, die in den vergangenen Tagen Präsident Baschar al Assad den Rücken gekehrt hätten und in ein Lager von Deserteuren in die Türkei geflohen seien. Zuvor war als bislang höchster Regierungsvertreter der stellvertretende Ölminister Abdo Hussameldin zur Opposition gewechselt.

Nach Darstellung der Freien Syrischen Armee sind mittlerweile sieben Brigadegeneräle zu den Rebellen übergelaufen. Von einem Vertreter der türkischen Außenministeriums erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, dass sich im Laufe des Tages zwei Generäle, ein Oberst und ein Feldwebel aus Syrien gemeldet hätten. Sie gehörten zu einer Gruppe von 234 Menschen, die nach der Eroberung des Viertels Baba Amr in der Oppositionshochburg Homs in die Türkei geflohen seien. In den vergangenen Tagen hätten rund 800 Syrer die Grenze passiert.

Über die Lage der etwa 12.000 in der Türkei lebenden Flüchtlinge informierte sich die UN-Menschenrechtsbeauftragte Valerie Amos beim Besuch eines Lagers. Die Vereinten Nationen planen eine Hilfsaktion für 1,5 Millionen Menschen, denen es nach einem Jahr des gewaltsamen Vorgehens von Assad gegen eine Volkserhebung am Nötigsten mangelt. Nach Erkenntnissen der UN wurden seitdem mehr als 7500 Zivilisten getötet.

"Der Zerfallsprozess des Assad-Regimes hat begonnen"

Die syrische Regierung ist Amos zufolge zumindest zu einer eingeschränkten Zusammenarbeit mit den UN bereit. Dem Drängen nach einem ungehinderten Zugang zu den am schwersten betroffenen Gebieten habe die Regierung aber nicht nachgegeben und stattdessen mehr Zeit erbeten, sagte Amos in Ankara.

Westerwelle nannte es "eine sehr gute Nachricht", dass hohe Regierungsvertreter und Militärs Assad den Rücken kehren. "Der Zerfallsprozess des Assad-Regimes hat begonnen. Die Erosionserscheinungen werden sich fortsetzen", erklärte Westerwelle, der am Samstag zu Gesprächen über die Syrien-Krise nach Saudi-Arabien sowie den Jemen und später zu den UN nach New York reisen soll. Kein Land lasse sich auf Dauer mit Grausamkeit und Unterdrückung regieren.

31 Tote am Freitag

Assads Truppen sind weiter bemüht, Demonstrationen im Keim zu ersticken. Dabei wurden nach Angaben der Opposition 31 Menschen getötet. Allein in Homs seien etwa 20 Menschen im Feuer von Panzern und Granatwerfern zu Tode gekommen. "30 Panzer drangen heute früh um sieben in mein Viertel ein und schossen mit ihren Kanonen auf Häuser", berichtete ein Bewohner aus dem Stadtteil Karm al Seitun. In einem anderen Teil der Millionenstadt seien Granaten in einen Demonstrationszug eingeschlagen. Auch eine Moschee sei getroffen worden. Tote gab es den Oppositionsangaben zufolge auch in der Hauptstadt Damaskus sowie in den Provinzen Hama, Idlib und Aleppo.

China kündigte derweil an, einen weiteren Sonderbeauftragten in den Nahen Osten und nach Frankreich zu entsenden. Am Samstag wird der Syrien-Sonderbeauftragte Kofi Annan in Damaskus erwartet. Der Beauftragte von UN und Arabischer Liga will für eine Verhandlungslösung werben. Der frühere UN-Generalsekretär wandte sich auch gegen eine ausländische Intervention in den Konflikt, die die Lage nur verschlimmern würde.

fro/Reuters / Reuters