Volksabstimmung in Slowenien Bürger stimmen für Abkommen im Grenzstreit mit Kroatien


Mit knapper Mehrheit haben die Slowenen für die Lösung eines jahrelangen Grenzstreits mit Kroatien durch internationale Vermittler gestimmt. 51,5 Prozent sprachen sich in einem Referendum für ein von den Regierungen beider Staaten ausgehandeltes Abkommen aus, wie die Wahlkommission nach Auszählung fast aller Stimmen am Sonntagabend mitteilte.

Mit knapper Mehrheit haben die Slowenen für die Lösung eines jahrelangen Grenzstreits mit Kroatien durch internationale Vermittler gestimmt. 51,5 Prozent sprachen sich in einem Referendum für ein von den Regierungen beider Staaten ausgehandeltes Abkommen aus, wie die Wahlkommission nach Auszählung fast aller Stimmen am Sonntagabend mitteilte. 48,5 Prozent waren dagegen.

Die Regierungen Sloweniens und Kroatiens haben sich auf die Einschaltung eines Schiedsgerichts geeinigt, das den seit 19 Jahren dauernden Streit um Grenzdörfer an der Adria und den Zugang Sloweniens zum Meer beilegen soll. Ein "Nein" bei der Volksabstimmung am Sonntag hätte die Entscheidung annulliert und wäre deswegen ein schwerer Schlag für die slowenische Regierung gewesen. Es gab bereits Vermutungen, dass Ministerpräsident Borut Pahor in dem Fall zurücktreten könnte. Laut Umfragen waren die Bürger bis zuletzt unentschlossen.

Das Ergebnis des Referendums zeige, dass Slowenien "ein erwachsender Staat" sei, der auch harte Entscheidungen treffen könne, sagte Pahor am Abend. Der kroatische Präsident Ivo Josipovic begrüßte die Entscheidung als "Sieg für Slowenien, Kroatien und Europa".

Der unklare Grenzverlauf ist eine Folge des Zerfalls Jugoslawiens, weil in dem Vielvölkerstaat die Binnengrenze nicht klar markiert war. Beide Nachfolgerstaaten ließen den Streit 2008 eskalieren: Die Regierungsspitzen beleidigten einander, Slowenien blockierte zwischenzeitlich den EU-Aufnahmeprozess Kroatiens und ein Kroate versuchte, Pahor zu ermorden.

Im Kern geht es um vier strittige Grenzdörfer. Slowenien, das nur einen knapp 25 Kilometer langen Küstenstreifen an der Adria sein Eigen nennt, dringt auf einen Zugang zum offenen Meer. Kroatien vertritt den Standpunkt, dass das slowenische Hoheitsgebiet weit vorher endet, bietet aber freie Fahrt durch seinen Teil der Adria an. Pahor nannte das Referendum am Sonntag "ein kleines Fenster der historischen Möglichkeit".

APN APN

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker