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Volksabstimmung in Venezuela: Chávez gratuliert seinen Gegnern

Der erfolgsverwöhnte Volkstribun beugt sich dem Willen seines Volkes, der nicht seiner ist: Nach Jahren hat Venezuelas Staatschef Hugo Chávez wieder eine Niederlage einstecken müssen, eine Verfassungsänderung wurde abgelehnt. Nun feiert die Opposition.

Von unserem Korrespondenten in Caracas

Fast scheint es, als hätte für die Bewohner von Caracas schon heute Neujahr begonnen. Am Himmel explodieren Feuerwerke. In den Vierteln der Mittel- und Oberschicht, in Las Mercedes und Altamira, strömen die Menschen mitten in der Nacht auf die Straße. Sie feiern einen Sieg, den sie erhofft, viele von ihnen wohl aber nicht erwartet hatten. Wenige Minuten zuvor hatte Venezuelas Präsident Hugo Chávez seine Niederlage bei einem Verfassungsreferendum eingestanden, mit dem er seine Machtposition ausbauen wollte.

Nur mit hauchdünnem Abstand musste sich der polarisierende Staatschef bei der Volksabstimmung geschlagen geben. Nach Angaben der Wahlkommission stimmten 50,70 Prozent der Wähler gegen die auf dem Wahlzettel als Block A zusammengefassten wichtigsten Neuregelungen der Verfassungsreform. 49,29 Prozent votierten dafür. Beim zweiten Block mit den weniger wichtigen Verfassungsartikeln fiel der Vorsprung für die Opposition etwas deutlicher aus.

In einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz akzeptierte Präsident Chávez anschließend seine Niederlage, obwohl die Stimmen der Auslands-Venezolaner noch fehlten. Das von der Wahlkommission veröffentlichte Resultat weise eine unverrückbare "Tendenz zu Gunsten des Nein" gegen die Reform auf, gestand er ein. Chávez gratulierte seinen Gegnern zu ihrem Erfolg. Seine Anhänger rief er auf, nicht "traurig zu sein": Sein Reformvorschlag bleibe "lebendig, er ist nicht tot."

Vertreter der Opposition riefen das gespaltene venezolanische Volk zur Versöhnung auf. Die Demokratie habe gegen einen "autoritären Sozialismus" gesiegt, "viele haben gesagt, dass wir es nicht schaffen können, wir hatten Vertrauen in die Venezolaner und es hat geklappt", sagte ein führender Vertreter der Oppositionspartei "Un Nuevo Tiempo", Leopoldo López. "Das Volk hat seine einzige Waffe eingesetzt, die es hat, nämlich seine Stimme", kommentierte Ex-Verteidigungsminister Raul Baduel, mittlerweile ein politischer Gegner von Chávez.

Wahl verlief ruhig

Die Wahl selbst verlief weitgehend ruhig. Etliche der über 11.000 Wahlzentren blieben wegen langer Schlangen mehrere Stunden länger als geplant geöffnet. 44,11 Prozent der mehr als 16 Millionen Wahlberechtigten waren nach Angaben der Wahlkommission allerdings gleich zu Hause geblieben.

Für den venezolanischen Präsidenten ist es die erste Wahlniederlage seit neun Jahren. Mit der neuen Verfassung wollte Chávez den Umbau des südamerikanischen Landes hin zu einem Sozialismus bolivarischer Prägung beschleunigen. Bei einem Erfolg des Referendums hätte er in Zukunft beliebig oft wieder für das Präsidentschaftsamt antreten können.