Vorwürfe Kriegslügen-Affäre auf Australisch


Ein ehemaliger Mitarbeiter des australischen Geheimdienstes hat Ministerpräsident John Howard vorgeworfen, die von Irak ausgehende Bedrohung übertrieben dargestellt zu haben, um die Teilnahme australischer Soldaten am Irakkrieg zu rechtfertigen.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des australischen Geheimdienstes hat Ministerpräsident John Howard vorgeworfen, die von Irak ausgehende Bedrohung übertrieben dargestellt zu haben, um die Teilnahme australischer Soldaten am Irakkrieg zu rechtfertigen. John Wilkie äußerte sich am ersten Tag einer parlamentarischen Untersuchung. Ein aus Abgeordneten beider Parlamentskammern bestehender Ausschuss soll klären, welche Geheimdienstinformationen der Entscheidung der Regierung zu Grunde lagen.

Geheimdienst-Material ging direkt an das Büro des Ministerpräsidenten

Wilkie sagte dem Ausschuss am Freitag, dass die Regierung ihr zugeleitetes Geheimdienstmaterial zu politischen Zwecken frisiert habe. "Das Material ging direkt von der (Geheimdienst-Auswertungsstelle) ONA an das Büro des Ministerpräsidenten, und dort kam es zu den Übertreibungen", erklärte er. ONA ist eine Elitebehörde, die Material der australischen Geheimdienste und der Dienste der Verbündeten auswertet, um die Regierung zu beraten.

Geheimdienstanalytiker hatte Dienst aus Protest quittiert

Wilkie arbeitete als Geheimdienstanalytiker. Er quittierte im März seinen Dienst aus Protest gegen die Irak-Politik der Regierung. Vor Beginn des Irakkrieges rechtfertigte Howard in einer Parlamentsrede den Militäreinsatz gegen Irak mit Geheimdienstinformationen, wonach Irak im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei und diese Terroristen zugänglich machen könnte. Die Suche nach Massenvernichtungswaffen in Irak blieb bislang erfolglos. Howard sagte am Freitag, aus damaliger Sicht sie die Einschätzung richtig gewesen. Er wies den Vorwurf zurück, das Geheimdienstmaterial im Sinne der Regierung manipuliert zu haben.

Howard, Blair und Bush sollen Bedrohungspotenzial übertrieben haben

Howard gehört zusammen mit dem britischen Premierminister Tony Blair zu den entschiedensten Verfechtern der Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush. Alle drei sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, das Bedrohungspotenzial Iraks übertrieben zu haben.


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